Was sucht man nicht alles, wenn man jung ist und gerade versteht, dass man endlich erwachsen geworden ist? Die geniale Idee für schnellen Reichtum ohne allzu viel Arbeit? Das „Glück”? Den Sinn des Lebens? All die großen Dinge, die es einfach geben muss! Weil andere sie ja längst haben. Und wenn man sie nicht findet? Dann wird man hoffentlich und wenigstens nicht so wie die eigenen Eltern und all jene lebensleeren Gestalten ringsum, die was haben oder was sind.
Wird man dann aber doch. So auch Walter, der junge, durchweg erfolglose Held in Giuseppe Culicchias erstem Roman „Knapp daneben”. Das 1994 erschienene Buch wurde ein echter Überraschungserfolg. Sein Autor gilt seither als als einer der authentischsten und originellsten Schriftsteller Italiens.
Mädchen, Uni, Freunde, Arbeit: Nichts läuft für Walter, wie er es gerne hätte. Er vertrödelt seine Tage. Das bringt Papa auf die Palme. Mama erträgt beide schweigend. Walter versucht, einen Weg in dem unüberschaubaren Labyrinth „Dasein” zu finden. Eigene Ideen umzusetzen. Dabei entfernt er sich immer weiter von Familie und Freunden. Von Kollegen sowieso. Bleibt ein Außenseiter.
Vielleicht sind es indes gerade die Außenseiter, die am beharrlichsten bei sich selbst bleiben. Genau das ist der Schlüssel zum Glück: „Man muss nicht Erfolg im konventionellen Sinn haben, um glücklich zu sein, sondern man muss bei sich selbst bleiben”, sagte einmal Angelina Jolie, die (möglicherweise schönste und) in ihrem Job erfolgreichste Frau auf diesem Himmelskörper (wenn man es an der Höhe ihrer Gage bemisst).
Wird Walter glücklich? Kein bisschen. Er landet schließlich genau dort, wo er von der ersten Seite an nie sein wollte: im „Käfig” (so nennt er den Laden, in dem er seine paar Lire verdient). Doch dann passiert plötzlich etwas Unerwartetes: Der „Weltuntergang“ (groß, selbstbewusst, mit langen braunen Haaren und bezaubernden Augen) betritt den Laden und sein Leben - und verschwindet daraus nicht minder plötzlich. Für immer.
Damit lässt Culicchia sein Buch enden und seine Leserinnen wie Leser zurück. Hoffen wir mal, dass Walter auf den ungeschrieben gebliebenen nächsten Seiten versteht, dass das eigene Glück nicht von Anderen abhängt. Dass man nur glücklich werden kann, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Erst dann ist man offen, um sich auf andere Menschen vorbehaltlos einlassen zu können.
Und manchmal (aber nur manchmal) entsteht daraus für eine Zeitlang ganz großes Glück.
Bücher unterhalten uns (sogar wenn sie ihre Helden ratlos zurücklassen).
Wir stellen vier Bücher vor, die wir im Bücherschrank Westend gefunden haben. Das sind die anderen drei aus unserem Quartett:
Der Bücherschrank in der Ligsalzstraße 13 ist kein Schrank, sondern ein Fenster. Er rühmt sich, Münchens Ältester unter Seinesgleichen zu sein.