Veröffentlicht am 21.08.2026 11:50

Bücher lassen uns mit anderen Augen auf die Welt blicken

„Tausendundeine Nacht” ist eine Sammlung von mehr als 550 Geschichten aus dem arabischen, persischen und indischen Raum, die Schahrasad einem König erzählt. (Foto: job)
„Tausendundeine Nacht” ist eine Sammlung von mehr als 550 Geschichten aus dem arabischen, persischen und indischen Raum, die Schahrasad einem König erzählt. (Foto: job)
„Tausendundeine Nacht” ist eine Sammlung von mehr als 550 Geschichten aus dem arabischen, persischen und indischen Raum, die Schahrasad einem König erzählt. (Foto: job)
„Tausendundeine Nacht” ist eine Sammlung von mehr als 550 Geschichten aus dem arabischen, persischen und indischen Raum, die Schahrasad einem König erzählt. (Foto: job)
„Tausendundeine Nacht” ist eine Sammlung von mehr als 550 Geschichten aus dem arabischen, persischen und indischen Raum, die Schahrasad einem König erzählt. (Foto: job)

Natürlich ist immer die Frau schuld. Vor allem dann, wenn im Leben eines Mannes etwas schief läuft. Wie bei König Schahriyar in den Märchen aus tausendundeiner Nacht: Er ist der mächtigste Mensch in seinem Reich und doch nicht in der Lage, Selbstverständliches zu bewältigen: auszuhalten, dass eine Frau eigene Wege sucht. Also missbraucht er x-beliebige Frauen und tötet sie. Jeden Tag. Heute würde man bei ihm schwerwiegende Persönlichkeitsstörungen diagnostizieren (und sich - immer noch - darüber streiten, ob man es wirklich gleich Femizid nennen muss, wenn einer Frauen umbringt, weil sie Frauen sind).

Fluchtplan

Weil sie in Tausendundeine Nacht keine Möglichkeit zu entkommen hat, flüchtet sich Schahrasad ins Erzählen. Baut Scheinwelten auf. Versucht, liebenswert, attraktiv, unverzichtbar zu sein. Keine eigenen Wünsche zu haben. Ihn bloß nicht zu reizen. Seine Stimmungen und Launen vorauszuahnen. Denn sie bangt Nacht für Nacht um ihr Leben und bleibt - wie viele Mädchen und Frauen in den Grimmschen Märchen - ständig in existentieller Gefahr.
Auch bei den Grimms gibt es die jungen Frauen, die hilfsbereit und klug sind (Schneeweißchen und Rosenrot), lebenslustig und unbeschwert (Rotkäppchen) oder einfach nur jung und hübsch (Schneewittchen) - und die deswegen dem niederträchtigen Zwerg, dem rückgratlosen Jäger und dem bösen Wolf gar keine andere Wahl lassen, als sie zu demütigen, zu hintergehen und zu töten.

Menschendinge

Darf eine Frau dennoch auf etwas Glück hoffen, wenn sie nur lange genug möglichst viel erträgt, zurücksteckt und leidet? Im Märchen leider ja: So läuft's für Aschenputtel, Dornröschen, Schneeweißchen, Rosenrot, Rotkäppchen und die anderen. Ihr Glück zu finden, ihr Daseinsziel erreicht zu haben, heißt für Grimms Frauen im besten Fall auf den Lebensweg eines Mannes einzuschwenken und in seinem Schatten wieder unsichtbar zu werden. Schahrasads großer Erfolg (nach tausendundeiner Nacht und drei Schwangerschaften während ihrer Gefangenschaft) wird sein, von einem Mann die Erlaubnis zu bekommen, schließlich doch am Leben bleiben zu dürfen. So „war es einmal”.
Und heute? Geraten weiterhin Frauen in „märchenhafte” Konstellationen - ohne dass ihr Umfeld es auch nur ahnt.

Bücher lassen uns mit anderen Augen auf die Welt blicken.

Die anderen drei

Wir stellen vier Bücher vor, die wir im Bücherschrank Laim gefunden haben. Das sind die anderen drei aus unserem Quartett:

  • Gekonnt hinreißen:
    Margit Rüdiger: „Das perfekte Make Up für jeden Typ”. Der Ratgeber zeigt, man mit Rouge und Lidschatten mehr als „nur” sein Aussehen verändert.
  • Hinreißend unterhalten:
    Leonie Swann: »Glennkill«. Eine Herde Schafe findet heraus, wo eines jeden Mensch „Wolf” Nämlichem gerne auflauert.
  • Unterhaltsam gruseln:
    Edgar Wallace: »Der Frosch mit der Maske”. Ein findiger Inspektor knüpft die Enden verschiedener Fäden an den richtigen Stellen zusammen.

Wo steht er?

Der Bücherschrank in der Stiftungssiedlung Alte Heimat steht neben den neuen Bänken und dem Brunnen am Ende des Kiem-Pauli-Wegs.

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