„Woher weiß ich, dass es Liebe ist?” fragt die deutsch-marokkanische Rapperin Namika und singt mit Zaz einen ganzen Song darüber - der wunderbar leicht in den Tag tänzelt, aber die Antwort doch schuldig bleibt (obwohl die gar nicht so schwer zu finden ist).
Es gibt gute Gründe, sich auf jemanden einzulassen, den man noch gar nicht richtig kennt: zum Beispiel, weil man das Alleinsein fürchtet. Und noch viel bessere, es um Gottes Willen nicht zu tun: weil man nicht (schon wieder) verletzt werden will. Dazwischen passiert alles, was passieren kann.
So auch in der Geschichtensammlung „Heute schon was vor?” Die Sonderausgabe der Stiftung Lesen aus dem Jahr 2000 lässt sieben Autorinnen und Autoren von der Liebe erzählen. Von neuen Hoffnungen und Missverständnissen, von „100 Prozent” und „hätte sollen”. Alle gehen auf die eine oder andere Weise - berührend oder komisch, erotisch oder traurig - zu Ende.
Vielleicht ist daher eine andere Frage prägender als Namikas „Ist es ..?” Schließlich scheitern früher oder später die meisten Beziehungen, die einmal mit klopfenden Herzen, schwitzenden Handflächen und leuchtenden Augen (oder einem unverhofften Abschiedskuss) begonnen haben. Machen wir uns nichts vor: Manche Liebe implodiert unter dem Druck von Erwartungen, manche verglimmt unbemerkt und manch eine wird in endlosem Gezerre zerfetzt. Dann bleibt oft zumindest eine(r) zurück, der sich fragt: War es überhaupt Liebe?
Man kann beileibe nicht jede Situation verändern, in die man geraten ist. Aber man kann sich entscheiden, wie man sie handhabt: Ob man aus großer Nähe noch größeren Hass werden lässt. Oder ob man unerwarteten Verletzungen Zeit zu heilen gibt. Man kann entscheiden, welches „Tier” in sich man füttert: Nährt man Groll, Missgunst, Enttäuschung? Oder Durchatmen, Nach-vorne-Blicken und Anerkennen, was (gewesen) ist? Man kann die „Ich bin so glücklich mit dir”-Momente bewahren, ohne die quälenden zu vergessen. Wer zulässt, dass das weh tut, kann sich auf das verlassen, was die auf diesem Gebiet zuverlässigsten Experten (Popsongs aus dem 80ern) unisono versprechen: Dass der Schmerz irgendwann weniger werden wird.
Bücher trösten uns, dass wir nicht alleine sind. In guten wie in schlechten Zeiten.
Wir stellen vier Bücher vor, die wir im Bücherschrank Untergiesing gefunden haben. Das sind die anderen drei aus unserem Quartett:
Der Bücherschrank Untergiesing steht am Fuß des Giesinger Bergs bei der Brückengalerie „Halt 58”. Die von Melly Kieweg gegründete Bürgerinitiative »Mehr Platz zum Leben« hatte 2014 aus der dort stillgelegten Bushaltestelle einen Ort der Begegnung gemacht.