Die Stadt München hat vor kurzem die Öffentlichkeit über die Evaluationsergebnisse der Testphase der Fußgängerzone in der Weißenburger Straße informiert. Von August 2024 bis Juli 2025 war die Straße zwischen Weißenburger Platz und Pariser Platz für den motorisierten Individualverkehr gesperrt worden, mit Ausnahmen für Anlieger und Lieferanten. Die Mehrheit der befragten Anwohner und Passanten hat sich nun für eine dauerhafte Fußgängerzone in diesem Abschnitt ausgesprochen. Kritischer haben sich die ansässigen Gewerbetreibenden geäußert.
Rund 300 Anwohnende, Gewerbetreibende und weitere Interessierte kamen auf Einladung des Mobilitätsreferats und des Bezirksausschusses Au-Haidhausen in der Katholischen Stiftungshochschule zusammen, um den Ausführungen der städtischen Vertreter beizuwohnen. „Die Testphase der Fußgängerzone in der Weißenburger Straße war heiß diskutiert – was nachvollziehbar ist, weil sich eine solche Änderung auf viele Menschen ausgewirkt hat”, sagte Mobilitätsreferent Georg Dunkel: „Während der Testphase hat sich einerseits bürgerschaftliches Engagement gezeigt, andererseits gab es bei manchen auch Unzufriedenheit. Am Ende waren sich aber die meisten einig, dass es eine Veränderung braucht. Auf dieser Einigkeit sollten wir aufbauen und gemeinsam die Zukunft der Weißenburger Straße gestalten.“
Vor und während der Testphase führte die Stadt Verkehrszählungen im betroffenen Straßenabschnitt zwischen dem Weißenburger und dem Pariser Platz sowie Parkraumerhebungen im gesamten Lizenzgebiet Franzosenviertel durch. Die Zahlen zeigen, ob und wie sich die Fußgängerzone auf den Kfz-, Fuß-, Rad- und Lieferverkehr ausgewirkt hat. Daneben wurden Anwohnende, Gewerbetreibende und Passanten befragt. Zudem sei das Feedback aus Informationsveranstaltungen, Bürgersprechstunden oder Mails in die Bewertung eingeflossen, teilte die Stadt mit. „Eine deutliche Mehrheit der Befragten über alle Nutzergruppen hinweg wünscht sich grundsätzlich eine Veränderung der Weißenburger Straße”, heißt es resümierend in der Rathaus Umschau.
Während der Testphase der Fußgängerzone nahm der Fußverkehr nach Angaben der Stadt um rund 12 Prozent zu, blieb mit 91 Prozent allerdings überwiegend auf den Gehwegen. Demnach lud die temporäre Umgestaltung des Straßenabschnitts nur bedingt dazu ein, auf der Fahrbahn zu laufen. Mehrfach wurde seitens der Bürgerinnen und Bürger der Wunsch nach einer umfassenderen Ausstattung der Fußgängerzone geäußert.
Bei der Befragung der Passanten wurde als Besuchsgrund hauptsächlich „Einkaufen“ genannt, fast 12 Prozent häufiger als vor der Testphase. Auch bei den Anwohnenden war „Einkaufen“ der Hauptbesuchsgrund, allerdings mit einem leichten Rückgang um 3,5 Prozent gegenüber der Zeit vor der Testphase. „Verweilen“ als Zweck des Aufenthalts hat sich dagegen während der Testphase mehr als verdreifacht beziehungsweise verfünffacht – von zuvor etwa 9 Prozent auf fast 29 Prozent unter den befragten Anwohnenden, von 7 Prozent auf 38 Prozent bei den Passanten.
Der Kfz-Verkehr ging in dem betroffenen Straßenabschnitt während der Testphase um rund 85 Prozent zurück. Die verbleibenden 15 Prozent waren vor allem auf Lieferverkehr und verstärkte Grundstückszufahrten mangels Parkmöglichkeiten am Straßenrand zurückzuführen. Der Parkdruck nahm zu, da im Bereich der Fußgängerzone keine Parkmöglichkeiten bestanden. Der Kfz-Verkehr verlagerte sich vor allem in die Lothringer Straße westlich der Pariser Straße. Gleichzeitig seien nach Angaben der Stadt in anderen Straßenabschnitten - zum Beispiel der Weißenburger Straße östlich des Pariser Platzes - etwas weniger Kfz unterwegs gewesen.
Für den Radverkehr war die Fußgängerzone während der Testphase in Schrittgeschwindigkeit freigegeben - folglich waren rund 18 Prozent mehr Radlerinnen und Radler als vorher dort unterwegs. Die Befragungen der Stadt ergaben, dass grundsätzlich Einverständnis mit dem Radverkehr in der Fußgängerzone bestand. Dabei gab es jedoch auch Probleme bei der Einhaltung der Regeln, zum Beispiel dem Fahren in Schrittgeschwindigkeit.
Von den Gewerbetreibenden, deren Läden im Abschnitt der temporären Fußgängerzone liegen, haben nach Angaben der Stadt knapp die Hälfte an der Befragung teilgenommen. Davon gab wiederum etwa die Hälfte an, dass es seit dem Beginn der Testphase hinsichtlich Kundenfrequentierung und Umsatz entweder zu keinen oder zu positiven Entwicklungen gekommen sei. Die andere Hälfte gab diesbezüglich eine Verschlechterung an. Zudem sorgten sich manche Gewerbetreibenden um die Erreichbarkeit ihrer Geschäfte für die Kundschaft.
Die vorgestellten Ergebnisse und das zusätzlich in der Informationsveranstaltung gesammelte Feedback fließen in die Beschlussfassung ein, die Mitte des Jahres den politischen Gremien vorgelegt werden soll. Frühestens im Sommer 2026 wird der Münchner Stadtrat dann darüber entscheiden, ob die Weißenburger Straße zwischen Weißenburger Platz und Pariser Platz dauerhaft zur Fußgängerzone wird.
„Mehr Gewinner als Verlierer” sieht der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bei einer dauerhaften Fußgängerzone in der Weißenburger Straße. „Darum sollte die Fußgängerzone jetzt zügig umgesetzt werden“, betont Wolfram Liebscher, Sprecher des VCD-Kreisverbandes München, der seinen Sitz in Haidhausen hat. Der VCD sieht Vorteile für die Klimaresilienz der Stadt und fordert Mobilitäts- und Baureferat auf, vor allem auf einfache und schnell umsetzbare Lösungen zu setzen. „Es müssen nicht die perfektesten und kostspieligen Umbauten sein, und es müssen nicht gleich überall die Bordsteine rausgerissen werden“, meint VCD-Sprecher Christoph von Gagern. Ziel sei es, ein Miteinander für Autoverkehr, Fahrradfahrende und zu Fuß Gehende zu erreichen.