Veröffentlicht am 23.09.2026 16:57

Museumsbibliothek ist jetzt eine Millionärin

“Avant Cèsar”: Die Gallier zur Zeit “vor Cäsar” stellte Charles Auguste Herbé recht leicht bekleidet dar. Die Abbildung stammt aus „Costumes Français – Civils, Militaires et Religieux“, dem einemillionsten Buch in der Bibliothek des Deutschen Museums.  (Foto: ?Costumes Français ? Civils, Militaires et Religieux?, Bibliothek des Deutschen Museums)
“Avant Cèsar”: Die Gallier zur Zeit “vor Cäsar” stellte Charles Auguste Herbé recht leicht bekleidet dar. Die Abbildung stammt aus „Costumes Français – Civils, Militaires et Religieux“, dem einemillionsten Buch in der Bibliothek des Deutschen Museums. (Foto: ?Costumes Français ? Civils, Militaires et Religieux?, Bibliothek des Deutschen Museums)
“Avant Cèsar”: Die Gallier zur Zeit “vor Cäsar” stellte Charles Auguste Herbé recht leicht bekleidet dar. Die Abbildung stammt aus „Costumes Français – Civils, Militaires et Religieux“, dem einemillionsten Buch in der Bibliothek des Deutschen Museums. (Foto: ?Costumes Français ? Civils, Militaires et Religieux?, Bibliothek des Deutschen Museums)
“Avant Cèsar”: Die Gallier zur Zeit “vor Cäsar” stellte Charles Auguste Herbé recht leicht bekleidet dar. Die Abbildung stammt aus „Costumes Français – Civils, Militaires et Religieux“, dem einemillionsten Buch in der Bibliothek des Deutschen Museums. (Foto: ?Costumes Français ? Civils, Militaires et Religieux?, Bibliothek des Deutschen Museums)
“Avant Cèsar”: Die Gallier zur Zeit “vor Cäsar” stellte Charles Auguste Herbé recht leicht bekleidet dar. Die Abbildung stammt aus „Costumes Français – Civils, Militaires et Religieux“, dem einemillionsten Buch in der Bibliothek des Deutschen Museums. (Foto: ?Costumes Français ? Civils, Militaires et Religieux?, Bibliothek des Deutschen Museums)

Vielseitige Neu-Millionärin: Mit dem Ankauf des Werks „Costumes Français – Civils, Militaires et Religieux“ wächst der Bestand der Bibliothek des Deutschen Museums auf eine Million Bände an. Ein Meilenstein in der über 120-jährigen Geschichte der Institution.

Ein Studienzentrum geschaffen

Die Einrichtung wurde 1903 zeitgleich mit dem Deutschen Museum gegründet, denn „Oskar von Miller wollte ja nicht nur ein Museum, sondern ein Studienzentrum für Naturwissenschaft und Technik erschaffen”, sagt Helmut Hilz, der die Bibliothek seit 1998 leitet. Im Januar 1908 öffnete die Bibliothek ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Sie befand sich damals noch – wie auch das Museum – in der Maximilianstraße 26, im Gebäude des ehemaligen Nationalmuseums (heute Museum Fünf Kontinente). Der Bestand umfasste 22.000 Bände.

Die Größte in Deutschland

Heute ist sie die größte Museumsbibliothek Deutschlands und besitzt einen weltweit einzigartigen Bestand an Original- und Sekundärliteratur zu Natur- und Technikwissenschaften mit nunmehr einer Million Bänden. „Jedes Jahr kommen so ca. 6.000 bis 7.000 Bücher dazu”, sagt Hilz. Das meiste sind Geschenke - von Verlagen, Autoren oder auch von privat. „Uns werden immer wieder ganze Sammlungen aus Nachlässen angeboten, aber da müssen wir schon aus Platzgründen sehr genau auswählen, was für unseren Bestand wirklich eine Bereicherung ist.” Der einmillionste Band war tatsächlich sogar einen Ankauf wert.

Herausragender Zustand

Wobei das Buch auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein Technikmuseum erscheinen mag: Es handelt sich um ein Lieferungswerk aus dem 19. Jahrhundert, das sich detailliert mit der historischen Mode- und Ausstattungsgeschichte Frankreichs befasst. Das Werk wurde, wie auf der Titelseite handschriftlich vermerkt ist, 1837 vom königlich-preußischen Hoftheatermaler Karl-Johann Gerst (1792-1854) erworben. Es ist farbig illustriert und befindet sich in einem herausragenden Erhaltungszustand, ohne die sonst oft üblichen Feuchtigkeitsschäden oder Bibliotheksstempel.

Nirgendwo sonst komplett vorhanden

„Dieses Werk ist in Deutschland nirgendwo sonst komplett vorhanden und stellt damit eine absolute Rarität dar“, sagt Helmut Hilz. „Es fügt sich ideal in unseren historischen Bestand ein. Wir sammeln seit jeher Literatur zur alten Textiltechnik und Bekleidungshistorie. Auch wenn dieser Bereich in unseren aktuellen Ausstellungen weniger stark im Fokus steht, ist das Werk für unsere wissenschaftliche Sammlung absolut anschlussfähig und eine wertvolle Bereicherung.“

Aufwendige visuelle Gestaltung

Das französische Lieferungswerk, das zwischen 1834 und 1837 in 20 monatlichen Lieferungen erschien, besticht vor allem durch seine aufwendige visuelle Gestaltung. Auf 100 feinen, von Hand aquarellierten Lithografien werden rund 2500 historische Kostüme, Waffen, Möbel, Instrumente und viele weitere Ausstattungsstücke präsentiert. „Anders als in den steifen und isolierten Darstellungen älterer Trachtenbücher agieren die Figuren hier in lebendigen, theaterartigen Szenen miteinander – sie debattieren, gestikulieren oder präsentieren sich gegenseitig ihre Gewänder”, sagt Hilz. Die präzise Kolorierung macht die feinen Texturen von schwerem Brokat, filigraner Spitze, Pelzbesatz und glänzendem Metall „geradezu greifbar”, sagt Hilz.

Den Wandel der Mode dokumentiert

Die detailreichen Tafeln dokumentieren den Wandel der Mode durch die Epochen: von spärlich bekleideten Galliern aus der Römerzeit oder Edelleuten des 14. Jahrhunderts in zweifarbigen Waffenröcken und spitzen roten Schnabelschuhen über die prunkvollen, mit opulenten Schleifen verzierten Hoftrachten unter dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. bis hin zu den antikisierenden, hochtaillierten Chemisenkleidern aus der Zeit Napoleons. Die Vorlagen für die Lithografien und die beschreibenden Texte stammen aus der Feder von Charles Auguste Herbé (1801-1884), einem Publizisten und Künstler aus Reims.

Besonders selteneund wertvoll

„Die einzelnen Hefte haben damals drei Francs in schwarzweiß, sechs Francs mit Farbe gekostet”, sagt Helmut Hilz, „bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von zwischen 450 und 580 Francs.” Die Bibliothek konnte das Buch jetzt für 250 Euro aus Privatbesitz erwerben. Es wird künftig zu den sogenannten „Libri rari“ gehören – jenen 15.000 besonders seltenen und wertvollen Büchern, die in einem speziellen Raum untergebracht sind. „Das ist wahrlich ein würdiger Rahmen für unser millionstes Buch”, freut sich Bibliotheksleiter Hilz.

Für alle offen

Die Bibliothek des Deutschen Museums ist eine Bestandsbibliothek (keine Ausleihe) und hat täglich von 9 bis 17 Uhr für jedermann geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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