München ist eine Stadt im stetigen Wandel. Spätestens mit der Zusage zu den Olympischen Spielen 1972 veränderte sich die Stadt grundlegend. Große Infrastrukturprogramme wurden gestartet – wie der Bau der S-Bahn, der U-Bahn oder die Fertigstellung des Mittleren Rings. Doch nicht alle geplanten Projekte konnten umgesetzt werden; manche scheiterten an der Finanzierung, einige auch am Protest der Bevölkerung. Eines hatten jedoch alle größeren Verkehrs- und Planungsprojekte gemeinsam: die kritische Begleitung durch das Münchner Forum.
Schon bei den ersten Schritten zur Umsetzung des Stadtentwicklungsplans aus dem Jahr 1963, dem Bau des Altstadtrings und der Untertunnelung des Prinz-Carl-Palais (Altstadtring-Tunnel, Nähe Haus der Kunst und Amerikanischem Konsulat) regte sich Widerstand unter Architekten und Studenten an den Münchner Universitäten. Er führte zur Gründung des Vereins Münchner Bauforum, der schließlich 1968 unter dem Namen Münchner Forum (Diskussionsforum für Entwicklungsfragen e.V.) als gemeinnütziger Verein eingetragen wurde. Seitdem begleitet das Münchner Forum die Stadtplanung intensiv, kritisch und unabhängig.
Das Stadtarchiv konnte nun die Unterlagen des Vereins übernehmen. Insgesamt sind es acht Meter Archivmaterial – das einen besonderen Stellenwert in der Überlieferung des Stadtarchivs einnimmt: „In den Unterlagen findet sich eine andere Perspektive auf die großen Infrastrukturprogramme der letzten 50 Jahre. Daher sind die Akten des Münchner Forums besonders wertvoll für die Forschung zu diesen Themen”, sagt Daniel Baumann, der Leiter des Stadtarchivs.
Martin Fürstenberg, langjähriges Mitglied des Münchner Forums hebt hervor: „Auch wenn wir nicht immer einer Meinung mit der Stadtverwaltung und Politik waren, so haben wir unsere Perspektiven und Anregungen gerne eingebracht, um München als lebenswerte Stadt zu erhalten.“
Einen wissenschaftlichen Blick auf die Zeit nach den Olympischen Spielen richtet die Tagung „Planung, Protest, Partizipation“, die das Stadtarchiv gemeinsam mit der Universität Augsburg und dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ) durchführt. Forscher diskutieren über Prozesse, Strukturen und Akteure, die die Politik in München in den genannten Jahren bestimmten. Am Dienstag, 13. Oktober, findet ab 19.00 Uhr ein öffentlicher Vortrag von Professor Dr. Martin Baumeister in der Rotunde des Stadtarchivs (Winzererstraße 68) statt. Er trägt den Titel „Abschied vom Schlaraffenland mit Kir Royal. Westdeutsche Großstädte im Wandel von den 1970er bis in die frühen 1990er Jahre”.
Am Mittwoch, 14. Oktober, sprechen von 09.00 bis 12.00 Uhr im Institut für Zeitgeschichte (Leonrodstraße 46b) vier verschiedene Redner zum Thema „Protest, Partizipation und politischer Aktivismus an den Rändern der Stadtgesellschaft”. Von 12.00 bis 13.00 Uhr gibt Christian Rau vom IfZ einen Kommentar dazu und leitet die Abschlussdiskussion. Weitere Informationen und alle weiteren Infos zur Tagung finden sich unter stadt.muenchen.de/infos/muenchen-nach-olympia.html.