Veröffentlicht am 17.10.2026 10:05

Veranstaltungsreihe zur dekolonialen Gedächtnissuche bis 29. November

Nando Nkrumah sucht eine visuelle Kunst zu schaffen, die zu Reflexion, Dialog und imaginativen Möglichkeiten anregt. (Foto: Shootsnapper)
Nando Nkrumah sucht eine visuelle Kunst zu schaffen, die zu Reflexion, Dialog und imaginativen Möglichkeiten anregt. (Foto: Shootsnapper)
Nando Nkrumah sucht eine visuelle Kunst zu schaffen, die zu Reflexion, Dialog und imaginativen Möglichkeiten anregt. (Foto: Shootsnapper)
Nando Nkrumah sucht eine visuelle Kunst zu schaffen, die zu Reflexion, Dialog und imaginativen Möglichkeiten anregt. (Foto: Shootsnapper)
Nando Nkrumah sucht eine visuelle Kunst zu schaffen, die zu Reflexion, Dialog und imaginativen Möglichkeiten anregt. (Foto: Shootsnapper)

Mehr als zehn Jahre nach dem großen Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt Decolonize München im Münchner Stadtmuseum wird der postkoloniale Stadtraum erneut Anlass gemeinsamer Auseinandersetzung. Mit Sensing Sites - Dekoloniale Gedächtnissuche öffnen sich Räume und Orte für zeitgenössisches Erinnern, für kritische Forschung und für die Frage, wie deutsche Kolonialgeschichte und ihre – bis heute wirksamen – Folgen in der Stadt sichtbar, spürbar und verhandelbar werden können. Das vielfältige Programm wird mit einem Eröffnungswochenende vom 23. bis 25. Oktober begonnen und bietet in den darauffolgenden Wochen stadtweite Veranstaltungen; die Abschlussveranstaltung ist am 29. November im Volkstheater.

Installation auf dem Alten Südfriedhof

Ausgangspunkt ist die Installation Living Layers von Nando Nkrumah auf dem Alten Südlichen Friedhof. Damit wird nun auch ein öffentlich zugängliches Kunstwerk für Menschen und Gemeinschaften gesetzt, die von Kolonialgeschichte, Verschleppung, Gewalt und der Auslöschung eigener Geschichte betroffen waren. Dies gilt ebenso für jene, die sich kolonialer Ausbeutung entgegenstellten, Widerstand leisteten und deren Arbeit bis heute fortgesetzt wird.
Mit der künstlerischen Intervention Living Layers will Sensing Sites – Dekoloniale Gedächtnissuche anregen, über Formen eines würdigen Gedenkens nachzudenken. Gedächtnissuche bedeutet, den Stadtraum nach Spuren zu erkunden, wo Erinnerung fehlt und Geschichten sichtbar zu machen, die verdrängt wurden.

Was ist ihnen passiert?

Ausgehend vom Alten Südlichen Friedhof macht die Installation die Geschichten von Menschen sichtbar, die im kolonialen Kontext des 19. Jh. entrechtet, verschleppt oder zur Schau gestellt wurden und deren Biografien mit München verbunden sind. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Geschichten von Cula, Badià Akafèfè Dallè und Juri und Miranha. Wer waren diese Menschen? Woher kamen sie? Was ist ihnen passiert? Warum sind sie in München begraben? Das Projekt richtet den Blick auf die bis heute wirksamen kolonialen Verflechtungen im Stadtraum und Formen widerständigen Erinnerns: Welche Geschichten bleiben im öffentlichen Gedächtnis und welche verschwinden?

Ihrer Würde beraubt

Die Bronzestele Living Layers setzt sich aus mehreren Scheiben zusammen. Jede Scheibe steht für eine Person und ihre Geschichte, Menschen, die in kolonialen Kontexten ihrer Würde beraubt wurden. Ihre Namen sind auf den Scheiben sichtbar. Auf der Oberfläche der Scheiben befindet sich jeweils ein gegossenes Relief, das aus Lebensringen besteht und auch persönliche Narrative auf abstrakter, grafischer Ebene visualisiert. Dadurch wird auch eine Anbindung an die virtuellen 3D-Skulpturen geschaffen, um den vier Menschen, die einst auf dem Alten Südlichen Friedhof begraben wurden, näher zu kommen. Die Stele ist robust konzipiert, witterungsbeständig und resistent. Der vertikale Teil kann als Zeitachse verstanden werden, zu der die Scheiben chronologisch aufeinanderfolgend orientiert sind.

Auf vielfältige Weise erfahrbar

Mit künstlerischen Performances, Vorträgen und Gesprächen aus verschiedenen Perspektiven wird der Stadtraum im Rahmenprogramm von Sensing Sites - Dekoloniale Gedächtnissuche als Ort des gemeinsamen Erinnerns auf vielfältige Weise erfahrbar. Gedenken soll dabei nicht ausschließlich schmerzhaft und belastet wahrgenommen werden, sondern auch Raum für inspirierende Widerstandskraft und Verbundenheit eröffnen.

Eröffnungswochenende

Programm zum Einweihungswochenende des dekolonialen Gedenkortes:

  • Freitag, 23.10., 19 Uhr, Gasteig HP8 (Hans-Preißinger-Str. 8):
    Eröffnung u.a. mit samo-Projektteam Sarah Bergh und Modupe Laja, Künstler Nando Nkrumah und dem KMZ-Kollektiv.
  • Samstag, 24.10., 12 Uhr, Pathologisches Institut der LMU (Thalkirchner Str. 36):
    Performance von Njamy Sitson und Einweihung der Installation Living Layers.
    Im Anschluss Friedhofsrundgang mit Decolonize München.
  • Samstag, 24.10., 15 Uhr, Gasteig HP8 (Hans-Preißinger-Str. 8):
    Panel-Talk „Wie geht postkoloniales & dekolonisierendes Gedenken im öffentlichen Raum?“
  • Samstag, 24.10., 18 Uhr, schwere Reiter (Dachauer Str. 114 a):
    Vorstellung Zea Mays des KMZ-Kollektivs im Rahmen des Internationalen Figurentheaterfestivals Wunder.
  • Sonntag, 25.10., 15 Uhr, Gasteig HP8 (Hans-Preißinger-Str. 8):
    Ausstellungseröffnung „Auf den Spuren der Familie Diek“ mit Abenaa Adomako und Lesung.
  • Sonntag, 25.10., 18 Uhr, Pathos Theater (Dachauer Str. 110 d):
    Vorstellung „Mein Opa auf den Marshallinseln“, Theater TIER im Rahmen des Internationalen Figurentheaterfestivals Wunder.

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