Mit „Skin Bodies” zeigt der Kunstraum (Holzstraße 10 Rgb.) vom 16. bis 25. Januar eine Videoinstallation der Künstlerin Edith Saldanha. Der Kunstraum wird dabei zu einem Ort gemeinsamer Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich strukturelle Gewalt auf die Performativität von Körpern auswirkt – auf jene Regeln, nach denen Körper innerhalb gesellschaftlicher, institutioneller und ökonomischer Ordnungen handeln, erscheinen und überleben müssen.
Ausgehend von der Beobachtung, dass institutionelle Machtverhältnisse Körper nicht nur formen, sondern sie zu bestimmten Haltungen, Bewegungen und Erscheinungsweisen zwingen, begreift „Skin Bodies” Performativität nicht als frei verfügbaren Ausdruck. Vielmehr erscheint sie als Resultat historisch gewachsener Machtstrukturen. Der Körper wird zum Träger eines verinnerlichten Wissens, das aus Disziplinierung, Anpassung und fortgesetzter Gewalt hervorgeht. Performativität fungiert hier als Überlebensstrategie innerhalb eines Systems, das soziale Ungleichheiten stabilisiert und reproduziert.
In neun Szenen entfaltet die Arbeit eine Entwicklung, die von Selbstreflexion über Prozesse der Assimilation und emanzipatorische Versuche bis hin zur Epidermalisierung reicht – einem Zustand, der in eine ambivalente Form von Erlösung mündet. Der Körper wird dabei als Material sichtbar: gezeichnet von institutionellen Anforderungen, normativen Blicken und ökonomischen Zwängen. Widerstand erscheint nicht als heroischer Akt, sondern als fragile, körperlich eingeschriebene Praxis zwischen Anpassung, Erschöpfung und Beharren.
Im Zentrum der Arbeit steht die Haut als politischer und historischer Ort. Sie fungiert zugleich als Oberfläche, auf der Gewalt sedimentiert, und als Schwelle möglicher Transformation. Die Haut wird zum Archiv kollektiver und individueller Erinnerung, in das koloniale, rassistische und klassenspezifische Machtverhältnisse eingeschrieben sind. Durch die Betonung von Textur, Taktilität und Wiederholung hinterfragt die Arbeit die Vorstellung des Körpers als stabile Einheit und schlägt stattdessen vor, ihn als fluide Verhandlungszone zu begreifen.
Indem „Skin Bodies” das Paradox von Transformation innerhalb gewaltvoller Systeme untersucht, reflektieren die Ausstellung, ob tatsächliche Veränderung aus Strukturen hervorgehen kann, die Assimilation verlangen. Zugleich eröffnet sie einen Möglichkeitsraum für andere Formen von Präsenz, Beziehung und Handlungsmacht – jenseits institutioneller und ökonomischer Verwertungslogiken.
”Skin Bodies” wird am Donnerstag, 15. Januar, um 18 Uhr eröffnet und ist von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr zugänglich.
Die Paneldiskussion »Zwischen Freiraum und Marktlogik – Der Körper im Spannungsfeld von Kunst und Kultur« am Sonntag, 18. Januar, um 19 Uhr beleuchtet, wie künstlerische Körper innerhalb des Kunstbetriebs verhandelt werden, der maßgeblich von Markt-, Förder- und Verwertungslogiken bestimmt ist und autonome Ausdrucksräume zugleich ermöglicht wie begrenzt. Prof. Vika Kirchenbauer (Künstlerin), Mako Sangmongkhon (Haus der Kunst München), Kalas Liebfried (Lothringer 13 Halle), Bafta Sarbo (Autorin/Aktivistin) und Edith Saldanha (Künstlerin) diskutieren, wie sich diese Bedingungen auf Sichtbarkeit, Performativität und Widerstand auswirken und inwiefern Themen wie (Anti-)Faschismus und (Anti-)Rassismus unter solchen Voraussetzungen glaubwürdig verhandelt werden können. Ausgehend von der Ausstellung „Skin Bodies” werden körperliche Praktiken als politisch und strukturell geformte Prozesse diskutiert; moderiert von Sophie Eisenried (Kuratorin).