Strom für 20.000 Haushalte: Mit dem Bürgerwindprojekts Windkraft Forstenrieder Park entsteht ein wichtiger Beitrag für Energieunabhängigkeit und Klimaschutz im Süden Münchens. Mit dem Spatenstich am 23. Februar ging das Projekt jetzt in die Bauphase – und wird damit zunehmend sichtbarer. Jetzt wird erst einmal gebaut werden. Los geht es mit der Befestigung der bereits vorhandenen Forstwege. Wie viele Wälder um München verfügt auch der Forstenrieder Park über ein oftmals schnurgrades und gut befestigtes Wegenetz. Das muss allerdings an manchen Stellen etwas freigeschnitten und nachgebessert werden. Danach starten in wenigen Wochen die tatsächlichen Fundamentarbeiten.
„Der Aufwand für den Bau eines Windparks ist enorm. Alleine hätten wir die vielen notwendigen Gutachten nicht schultern können. Dass wir jetzt am Punkt des Spatenstichs sind, wäre ohne die gute Kooperation mit unseren Nachbargemeinden nicht möglich gewesen“, sagt Christian Fürst, Bürgermeister der Gemeinde Schäftlarn.
Seine Gemeinde ist die südlichste der vier am Windpark beteiligten Kommunen. Zusammen haben die vier Gemeinden Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn insgesamt sechs Windenergieanlagen auf den Weg gebracht. „Zwei davon gehören allerdings der Innovativen Energie Pullach, kurz IEP“, sagt Susanna Tausendfreund.
Es ist ein aus Sicht der ersten Bürgermeisterin der Gemeinde Pullach wichtiger Schritt in Richtung Unabhängigkeit von fossilen Energiequellen: „Der Windstrom dieser Anlagen dient zukünftig der Stromversorgung unserer Geothermie. Oberbayern ist Strommangelland und ohne einen Ausbau erneuerbarer Stromquellen ist kein weiterer Ausbau der Geothermie möglich“, sagt sie.
Die übrigen vier Windenergieanlagen verteilen sich auf die vier Gemeinden – und auf die Energiegenossenschaften BENG eG und Fünfseenland, die ebenfalls an dem Windpark und seiner Betreibergesellschaft beteiligt sind: „Damit ist der Windpark vollständig in Bürgerhand“, sagt Harald Zipfel, erster Bürgermeister der Gemeinde Neuried. „Uns ist es wichtig, dass hier Menschen aus der Region für Menschen in der Region arbeiten. Über die beiden Energiegenossenschaften ist eine direkte finanzielle Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger möglich geworden. Hinzu kommt die indirekte Beteiligung durch die Gemeinden. Bei diesem Projekt gibt es keine Fremdinvestoren – alles ist regional“, sagt er.
Die regionale Wertschöpfung war auch für Patrick Ott, Bürgermeister von Baierbrunn, ein wichtiger Grund, um sich mit seiner Gemeinde an dem Projekt zu beteiligen: „Weil wir Energie woanders einkaufen müssen, fließen jährlich hohe Millionensummen aus unserem Landkreis ab. Je mehr Strom wir vor unserer Haustür erzeugen, desto mehr Geld bleibt in unserer Region. Der Windpark soll Ende des Jahres ans Netz gehen. Ab 2027 können wir dann gemeinsam von unserem Strom profitieren.“
Bürgerinnen und Bürger haben 2,4 Mio. Euro über die beiden Genossenschaften EGF und BENG investiert und die Beteiligung war sehr schnell mehrfach überzeichnet. Die Menschen wollen die Energiewende. Das ist ein Erfolgsfaktor dieses Projekts. Vorstandsvorsitzende Katharina Habesbrunner freut sich: „Wo Menschen mitentscheiden, entsteht Akzeptanz. Wo Bürger beteiligt sind, entsteht Vertrauen. Wo Erträge vor Ort bleiben, entsteht Identifikation. Wo Nachbarinnen und Nachbarn gemeinsam investieren, entsteht Rückhalt.“
Das Bürgerwindprojekt Windkraft Forstenrieder Park ist eine Initiative der vier Kommunen Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn. Gemeinsam mit der Innovative Energie für Pullach (IEP) wollen sie sechs Windräder im Forstenrieder Park errichten und Bürgerinnen und Bürger am Projekt über Energiegenossenschaften finanziell beteiligen. Die vier Gemeinden sind in der Ende 2023 gegründeten Betreibergesellschaft vertreten. Die Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG und die Energiegenossenschaft Fünfseenland eG wurden im Jahr 2024 ebenfalls Kommanditisten der Betreibergesellschaft. Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden konnten sich am Windprojekt finanziell beteiligen. Die Energiegenossenschaften organisierten die Bürgerbeteiligung.