Seit 1951 wurde am Kriegerdenkmal Forstenried an die beiden Brüder Josef und Ludwig Kübler als „Vermisste des Zweiten Weltkrieges” erinnert. Diese Inschrift war bekanntermaßen falsch: Die Brüder haben im Zweiten Weltkrieg als Wehrmachtsoffiziere Kriegsverbrechen befohlen oder waren an ihnen beteiligt. 1947 (dieses Jahr nennt auch die Gravur am Forstenrieder Gedenkstein) wurden sie wegen ihrer Kriegsverbrechen in Ljubljana verurteilt und hingerichtet.
Der Veteranen- und Soldatenverein bat die Denkmalschutzbehörden 2022, diesen Sachverhalt zu „überprüfen und zu bewerten”. Zugleich beantragte er die Genehmigung zur Löschung der Gravur auf der Gedenktafel. Der Bezirksausschuss im Münchner Süden stellte sich hinter diesen Antrag. Das städtische Kulturreferat hatte sich indes gegen eine Löschung der beiden Namen ausgesprochen und stattdessen vorgeschlagen, die Namen auf dem Stein sichtbar durchzustreichen. Darauf haben sich der Bezirksausschuss und Forstenrieder Vereine 2024 mit dem Kulturreferat geeinigt.
Die Stadt München hat dies nun umgesetzt: Nach 75 Jahren wurden die Namen der Küblers mit aufgesetzten Metallbalken unkenntlich gemacht. Eine neue Tafel mit QR-Code erklärt die Geschichte des Denkmals und erläutert diesen Eingriff. Damit macht die Stadt die historische Einordnung sichtbar und setzt sich mit der Erinnerungskultur rund um Kriegerdenkmäler auseinander.
Ludwig Kübler war im Zweiten Weltkrieg General der Gebirgstruppe. Eine Studie des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes bescheinigt ihm eine „äußerst positive Einstellung zum Nationalsozialismus“ sowie „überzogene Härte und Brutalität“, was (allerdings erst 1995) die Umbenennung der nach ihm benannten Kaserne in Mittenwald zur Folge hatte. Seinen Grausamkeiten verdankt er den Beinamen „Bluthund von Lemberg” (heute Lviv in der Ukraine).
Im Bundestag legten Abgeordnete 1995 Dokumente vor, die die Vorwürfe belegen, u.a. Küblers Befehl vom 24. Februar 1944, in dem er Terror gegen die Zivilbevölkerung verlangt und ein gnadenloses Vorgehen gegen Frauen und Kinder befiehlt: „Im Kampf ist alles richtig und notwendig, was zum Erfolg führt. Ich werde jede Maßnahme persönlich decken, die diesem Grundsatz entspricht”, schrieb Kübler. Nicht nur Hunderte von unschuldigen Frauen und Kindern verloren dadurch ihr Leben, auch 300 Gebirgsjäger wurden deshalb in den Tod gejagt, erinnerten die Bundestagsabgeordneten.
Josef Kübler war Generalleutnant. Unter seinem Kommando war die Wehrmacht an Kriegsverbrechen und Massakern in Serbien beteiligt.
Das Kulturreferat und der Bezirksausschuss 19 (Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln) laden am Donnerstag, 22. Oktober, um 16 Uhr zur Vorstellung der kritischen Kommentierung im Pfarrsaal der Katholischen Kirchenstiftung Heilig Kreuz Forstenried, Forstenrieder Allee 180, ein. Kulturreferent Marek Wiechers eröffnet die Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des Bezirksausschusses 19, Dr. Ludwig Weidinger. Im Anschluss sprechen die Historikerin Dr. Karin Pohl und die Kulturwissenschaftlerin Dr. Bettina Keß über die Geschichte des Denkmals. Dabei geht es auch um die Frage, welche Bedeutung Kriegerdenkmäler heute haben und wie ein verantwortungsvoller Umgang mit ihnen aussehen kann. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.