Migration nach Bayern: Ausstellung in der MVHS Moosach

Anlaufstelle in Moosach für Geflüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg: In der Trinkl-Siedlung siedelten sich ab 1951 Heimatvertriebene aus der Batschka an. (Foto: bas)
Anlaufstelle in Moosach für Geflüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg: In der Trinkl-Siedlung siedelten sich ab 1951 Heimatvertriebene aus der Batschka an. (Foto: bas)
Anlaufstelle in Moosach für Geflüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg: In der Trinkl-Siedlung siedelten sich ab 1951 Heimatvertriebene aus der Batschka an. (Foto: bas)
Anlaufstelle in Moosach für Geflüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg: In der Trinkl-Siedlung siedelten sich ab 1951 Heimatvertriebene aus der Batschka an. (Foto: bas)
Anlaufstelle in Moosach für Geflüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg: In der Trinkl-Siedlung siedelten sich ab 1951 Heimatvertriebene aus der Batschka an. (Foto: bas)

„Alles auf 0” lautet der Titel einer Ausstellung, die sich mit dem Thema „Migration nach Bayern” befasst - genauer: mit der Aufnahme von Geflüchteten und Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis Donnerstag, 30. April, ist die Ausstellung in der Galerie Moosach im Stadtteilzentrum der MVHS (Baubergerstraße 6a) zu sehen. Im Fokus der begleitenden Veranstaltungen steht die Trinkl-Siedlung im Moosacher Nordwesten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Europa eine der größten Bevölkerungsverschiebungen seiner Geschichte: Allein mehr als eine Million Menschen kamen aus den tschechoslowakischen Gebieten nach Bayern. Was brachten sie von dort mit? Welche Kultur, welche Hoffnungen, welche Impulse? Wie konnte Integration gelingen? Was bleibt von der Verbundenheit zur vertrauten Heimat und wie gestaltete sich die neue Heimat?

Die Ausstellung der MVHS versteht sich als „ein Zeitreiseprojekt für Empathie”. Sie zeigt Bayern als Migrationsland - mit Informationen zu Kultur und Geschichte der Sudeten- und Karpatendeutschen sowie reichen Schätzen aus privaten Fotoalben. Zwischen vergilbten Fotos und eindringlichen Alltagsaufnahmen soll sich in dieser Ausstellung ein Blick auf einen kaum erzählten Teil bayerischer Geschichte richten. Besichtigt werden kann die Ausstellung bei freiem Eintritt immer montags bis donnerstags von 10 bis 20 Uhr, freitags, an den Wochenenden und in den Ferien nur bei Veranstaltungsbetrieb in der Volkshochschule.

Die ausgestellten Dokumente und Fotografien stammen vom Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg, vom Bundesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie vom Verein Trinkl-Siedlung, der seinen Sitz in Moosach hat. Die Trinkl-Siedlung, die sich im Moosacher Nordwesten zwischen den Straßen Moosanger und Am Neubruch erstreckt, steht auch im Zentrum der begleitenden Veranstaltungen. Am Montag, 2. März, um 19 Uhr bringen Horst Rückert und Klaus Billert die Moosacher „Mondscheinsiedlung” Interessierten in einem Vortrag näher. Eine Führung durch die Trinkl-Siedlung ist in Kooperation mit dem gleichnamigen Verein für Sonntag, 28. Juni, um 10.30 Uhr geplant. Die Teilnahme ist jeweils kostenlos, eine Anmeldung unter www.mvhs.deoder Telefon 480066868 wird jedoch erbeten.

Die Trinkl-Siedlung ist ab 1951 entstanden. Josef Trinkl, ein Gast- und Landwirt aus Untermenzing, hatte den Siedlern eine Schafweide überlassen. Die Siedler, in den meisten Fällen Heimatvertriebene aus der Batschka im heutigen Serbien und Ungarn, errichteten ihre kleinen Häuschen mit Garten quasi über Nacht, also „bei Mondschein“ - und zwar als Schwarzbauten. Um die 20 solcher „Mondscheinsiedlungen” entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in München, neben Moosach zum Beispiel in Feldmoching oder Johanneskirchen. Aufgrund der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Häuser von der Stadt zwar geduldet, doch bis zur Legalisierung der Bauten sollten in einigen Fällen Jahrzehnte vergehen.

Erst 1973 erhielt die Trinkl-Siedlung fließendes Trinkwasser, 1977 wurden - auf Kosten der Siedler - die Straßen im Viertel geteert sowie eine Straßenbeleuchtung installiert. 2002 wurde schließlich der Bebauungsplan für die Trinkl-Siedlung rechtskräftig. Damit konnten die Schwarzbauten durch ein nachträgliches Genehmigungsverfahren legalisiert werden. Danach erst vergab die Stadt offizielle Straßennamen, darunter der Mondscheinweg, der an die Entstehungsgeschichte des Viertels erinnert.

Das Anliegen eines Bauträgers, westlich der Siedlung neue Wohnhäuser zu errichten, lehnte der Stadtrat 2019 ab, auch weil die kleinen Straßen und Wege nicht auf Durchgangsverkehr ausgelegt sind. Die Trinkl-Siedlung ist so weiterhin beschaulich, ja fast ländlich geblieben - und damit ein Anachronismus im dicht bebauten und urbanen Moosach.

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