Mit einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom (Frauenkirche) eröffnet Kardinal Reinhard Marx am Montag, 2. Februar, um 18 Uhr das Seligsprechungsverfahren für den Jesuitenpater und Widerstandskämpfer Alfred Delp, der am 2. Februar 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Delp wirkte in der Bogenhauser Pfarrei Heilig Blut als Seelsorger.
Im Rahmen des Gottesdienstes, der zum Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) stattfindet, wird der Erzbischof von München und Freising nach einer Ansprache durch Vizepostulator Pater Toni Witwer das Seligsprechungsverfahren eröffnen und die Mitglieder des kirchlichen Gerichtshofs, der das Verfahren leiten wird, ernennen. Rund 40 Jahre liegen die jüngsten Seligsprechungen in der katholischen Erzdiözese München und Freising zurück: So wurde Maria Theresia von Jesu Gerhardinger, die Gründerin der Kongregation der Armen Schulschwestern mit Sitz in München, 1985 seliggesprochen. Der Jesuit Rupert Mayer, der als „Apostel Münchens“ für sein karitatives Wirken und seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus verehrt wird, folgte 1987. Selige sind Personen, die in der katholischen Kirche regional verehrt werden, im Gegensatz zu den Heiligen, die weltweite Bedeutung haben.
„Für die Nationalsozialisten war Alfred Delps christliche Überzeugung von der Freiheit und Würde aller Menschen eine solche Bedrohung, dass sie ihn gefangengenommen, gedemütigt und schließlich hingerichtet haben”, erklärt Kardinal Marx: „Wir beginnen sein Seligsprechungsverfahren in dem Bewusstsein, dass auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdrückung anderer Menschen ein Zeichen von Stärke sehen. Ihnen stellen wir uns entgegen: Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit.”
Pater Alfred Delp (1907-1945) wurde zunächst evangelisch erzogen und konvertierte als Gymnasiast zum katholischen Glauben. 1926 trat der gebürtige Mannheimer in den Jesuitenorden ein. 1937 wurde er zum Priester geweiht, 1939 wurde er Redakteur bei den „Stimmen der Zeit”, einer bis heute erscheinenden Zeitschrift der Jesuiten. Ab diesem Jahr wirkte Delp auch als Seelsorger in der Pfarrei Heilig Blut in München-Bogenhausen. 1941 wurde er Kirchenrektor von St. Georg. Nach dem Verbot der Zeitschrift „Stimmen der Zeit” im Juni 1941 stellte Delp sich in Predigten und Artikeln weiterhin gegen die Ideologie der Nationalsozialisten und deren feindliche Haltung gegenüber dem Christentum.
Im Frühjahr 1942 nahm Delp Kontakt zum „Kreisauer Kreis” um Helmuth James Graf von Moltke auf. Die Gruppe von Intellektuellen und Politikern stellte sich gegen das Regime und beschäftigte sich mit den Fragen einer künftigen Gesellschaftsordnung in Deutschland. Alfred Delp brachte bei den Beratungen kirchliche Impulse und Forderungen für soziale Gerechtigkeit ein. Aufgrund seiner Kontakte zum Kreisauer Kreis und zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde Pater Delp am 28. Juli 1944 im Zusammenhang mit dem Attentat auf Adolf Hitler - unmittelbar nach der Frühmesse in St. Georg - verhaftet und schließlich wegen Hoch- und Landesverrats angeklagt. Trotz der Gefahr für sein Leben blieb der Priester standhaft in seinem Glauben. Sein Mitbruder Franz von Tattenbach besuchte ihn im Gefängnis und nahm dem an den Händen gefesselten Delp die Letzten Gelübde als Jesuit ab.
Anfang Januar 1945 wurde Alfred Delp vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. „Mein Verbrechen ist, dass ich an Deutschland glaubte, auch über eine mögliche Not- und Nachtstunde hinaus”, schrieb Delp unmittelbar nach seiner Verurteilung und fügte hinzu, dass er dies „als katholischer Christ und als Jesuit” tue. Am Nachmittag des 2. Februar 1945 wurde Alfred Delp in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee gehängt. Seine Asche wurde auf den Berliner Rieselfeldern verstreut. So wollten die Nazis verhindern, dass Menschen sich an den Getöteten erinnerten.
In Bogenhausen gibt es heute mehrere sichtbare Zeichen des Gedenkens an Alfred Delp. So steht am Rande der Maximiliansanlagen, gegenüber dem Pfarrhaus der Kirche St. Georg, ein Denkmal für den standhaften Jesuitenpater. Es trägt ein Bronzerelief mit dem alttestamentarischen Motiv der „Drei Jünglinge im Feuerofen”. Der Gedenkstein für Pater Delp wurde im Mai 1981 durch den damaligen Münchner Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., geweiht und gesegnet. Zudem hängt eine Gedenktafel an der westlichen Außenmauer von St. Georg, auf der Alfred Delp ebenso genannt wird wie drei weitere Widerstandskämpfer, Hermann Josef Wehrle, Franz Sperr und Ludwig Freiherr von Leonrod, die alle in der Pfarrei Heilig Blut tätig waren oder in Bogenhausen lebten.
Ebenso verläuft in Bogenhausen die Delpstraße, die nördlich des Gymnasiums Max-Josef-Stift beginnt und vorbei am Böhmerwaldplatz bis zur Denninger Straße führt. Es ist eine pikante historische Fußnote, dass in eben jener Delpstraße einst Eva Braun, die Geliebte Adolf Hitlers, eine Villa bewohnte. Damals hieß die Straße noch Wasserburger Straße, 1955 erhielt sie von der Stadt München ihren heutigen Namen. Die Villa ist vor rund zehn Jahren abgerissen worden.
Mit der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses sind alle Gläubigen aufgerufen, dem kirchlichen Gerichtshof Informationen zukommen zu lassen, die für das Seligsprechungsverfahren nützlich sein könnten, etwa zum Leben und Wirken von Alfred Delp oder zu Gebetserhörungen (per Post an: Erzbischöfliches Ordinariat München, Fachreferent für Seligsprechungsverfahren, Dr. Johannes Modesto, Postfach 33030, 80063 München oder per E-Mail an seligsprechungen@eomuc.de).