Wolfgang Kuhn, Gebietsbetreuer des Ampertals bei den Landschaftspflegeverbänden Dachau und Fürstenfeldbruck, stellt jeden Monat einen „echten Ureinwohner“ des Ampertals vor. Im Februar widmet er sich dem Waldkauz der selbst bei Eis und Schnee in Hochzeitsstimmung kommt und mit seinen schaurig-schönen „Huuh – Huhuhu – Huuuh“-Rufen die Winternächte erfüllt.
Der Waldkauz (Strix aluco) ist die häufigste Eule Deutschlands und etwa so groß wie eine Krähe. Trotz seiner Größe und seiner weiten Verbreitung – er lebt überall dort, wo alte Bäume und offenes Gelände zusammentreffen, also auch entlang der Amper und sogar in Stadtparks – bekommen ihn viele Menschen nie zu Gesicht. Denn er ist strikt nachtaktiv und verbringt den Tag gut versteckt in Baumhöhlen oder dichtem Kronendach.
Seinen typischen Balzruf hingegen hört man in klaren, kalten Winternächten häufig. Damit markiert das Männchen sein Brutrevier, das es ganzjährig besetzt hält. Mit der Brut beginnt der Waldkauz oft schon im Februar. Als Nistplatz dienen bevorzugt natürliche Baumhöhlen, doch auch spezielle Nistkästen werden gerne angenommen.
Das Gelege besteht meist aus drei bis vier Eiern, die ausschließlich vom Weibchen rund vier Wochen lang bebrütet werden. Während dieser Zeit versorgt das Männchen seine Partnerin mit Nahrung. Zur Aufzucht der Jungen, die etwa zehn Wochen dauert, müssen dann beide Eltern jagen. Die Fütterung übernimmt jedoch weiterhin allein das Weibchen. Die Jungvögel verlassen die Höhle oft schon, bevor sie richtig fliegen können, und klettern im Geäst umher. Das erhöht ihre Überlebenschancen, denn würde ein Marder die Bruthöhle entdecken, wären alle Jungen auf einmal gefährdet. Solche Ästlinge werden dann gelegentlich von Erholungssuchenden entdeckt und aus falsch verstandener Tierliebe mitgenommen um sie in die Obhut einer Auffangstation zu geben – ein fataler Fehler da die Altvögel meist in der Nähe sind und die Jungen weiterfüttern würden.
Auf dem Speiseplan des Waldkauzes steht nahezu alles, was er überwältigen kann: vor allem Mäuse und andere Kleinsäuger, aber auch Frösche, Kröten, Käfer und sogar Regenwürmer. Selbst Vögel bis zur Größe einer Taube gehören gelegentlich dazu. Dank seines lautlosen Fluges überrascht er seine Beute stets unvorbereitet. Dabei helfen ihm zwei typische Eulenmerkmale: hervorragendes Sehen bei schwachem Licht und eine noch ausgeprägtere Hörfähigkeit.
Der Waldkauz ist bei uns noch relativ häufig. Sein gefährlichster Feind ist der deutlich größere Uhu, der inzwischen ebenfalls wieder im Ampertal vorkommt. Die lauten Balzrufe verraten den Waldkauz – und machen ihn in manchen Nächten zur leichten Beute seines großen Verwandten.