Ergebnis der „Stunde der Wintervögel” zeigt Schwund im Garten

Hier „turnt” ein Bunspecht am Meisenknödelhalter. Die Zahl der gesichteten Wintervögel liegt heuer etwas unter der vom Vorjahr.  (Foto: Markus Brindl, LBV Bildarchiv)
Hier „turnt” ein Bunspecht am Meisenknödelhalter. Die Zahl der gesichteten Wintervögel liegt heuer etwas unter der vom Vorjahr. (Foto: Markus Brindl, LBV Bildarchiv)
Hier „turnt” ein Bunspecht am Meisenknödelhalter. Die Zahl der gesichteten Wintervögel liegt heuer etwas unter der vom Vorjahr. (Foto: Markus Brindl, LBV Bildarchiv)
Hier „turnt” ein Bunspecht am Meisenknödelhalter. Die Zahl der gesichteten Wintervögel liegt heuer etwas unter der vom Vorjahr. (Foto: Markus Brindl, LBV Bildarchiv)
Hier „turnt” ein Bunspecht am Meisenknödelhalter. Die Zahl der gesichteten Wintervögel liegt heuer etwas unter der vom Vorjahr. (Foto: Markus Brindl, LBV Bildarchiv)

Schnee, Eis und klirrende Kälte ließen am zweiten Januarwochenende, von Freitag, 9. bis Sonntag, 11 Januar, besonders viele Vogelfreunde zum Fernglas greifen, um an der 21. „Stunde der Wintervögel” des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und seinem bundesweiten Partner NABU teilzunehmen. In Bayern zählten rund 29.600 Menschen in mehr als 21.300 Gärten und Parks insgesamt 626.600 Vögel.

Winter lässt Hiergebliebene abfliegen

„Das winterliche Wetter erschwerte einigen Vogelarten die Futtersuche im Freiland und brachte auch ungewöhnliche Besucher an die Futterstellen und in die Nähe der Menschen”, sagt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. „Der große Einflug von Wintergästen aus dem Norden blieb heuer aus. Dafür zogen manche der daheimgebliebenen Vögel wie Kraniche über Bayern fluchtartig nach Süden auf der Suche nach schnee- und eisfreien Flächen.”

29 Vögel pro Garten gezählt

Die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten lag in diesem Jahr wieder leicht unter dem Vorjahreswert. Im Mittel wurden etwa 29 Vögel pro Garten gezählt – das sind rund zwei Stück weniger als im Vorjahr. „Anders als im vergangenen Jahr blieben große Einflüge von Bergfinken und anderen nordischen Wintergästen wie Erlenzeisigen aus. Solche großen Vogelschwärme können die Durchschnittswerte deutlich nach oben treiben und hatten 2025 vermutlich einen maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis”, erklärt Angelika Nelson. Unabhängig davon lässt sich jedoch ein schleichender, aber kontinuierlicher Rückgang der Vogelzahlen in den Gärten nicht von der Hand weisen. „Viele Teilnehmende berichten von einem besorgniserregenden Schwund von früher häufigen Vögeln in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Insekten und Lebensraum fehlen

Auch ein Blick auf die vergangenen 20 Jahre zeigt klar, dass sowohl die Vielfalt als auch die Anzahl der Vögel im Garten abnimmt”, so die Ornithologin. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig und komplex. Vor allem fehlt es vielen Vogelarten zunehmend an geeigneten Lebensräumen und genügend Insekten zur Jungenaufzucht.

Die Spitze der Rangliste der häufigsten Wintervögel ist schon seit Jahren stabil mit nur geringfügigen Verschiebungen: Auch heuer führt der Haussperling die Top Ten an, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling. Dahinter tauschten Amsel und Blaumeise die Plätze – die Amsel rückte auf Rang vier vor. Als Bodenfresser benötigt sie schneefreie Stellen, die sie heuer hauptsächlich an Futterstellen fand. Davon profitierte auch das Rotkehlchen und schafft es auf Rang 9. Vor ihm liegen Buchfink (6.), Elster (7.) und Grünfink (8.). Den Abschluss bildet die Rabenkrähe (10.) Der Bergfink, der im vergangenen Jahr auf Platz sieben lag, ist wieder aus den Top Ten verschwunden. Er ließ sich heuer kaum in Bayern blicken.

Herbstzug diesmal im Winter

Spannende Beobachtungen gab es auch über die häufigen Wintervögel hinaus. Fliegende Formationen laut rufender Kraniche überraschten einige Teilnehmer. „Vermutlich handelte es sich bei diesen Vögeln um eine Winterflucht infolge des deutlichen Kälteeinbruchs am Zählwochenende: Kraniche versuchen zunehmend, in Norddeutschland zu überwintern, bei anhaltender Kälte ziehen sie jedoch rasch entlang ihrer üblichen Route weiter nach Südwesten”, erklärt Angelika Nelson. Da die wichtigste Zug-Route über Hessen führt, konnten nur Teilnehmer in Nordbayern dieses Naturschauspiel, das man sonst aus dem Herbst kennt, genießen. Auch Kormorane sammelten sich und suchten gemeinsam nach eisfreien Flüssen und Seen, um dort Fische zu fangen. Dabei wurde ihr Vorbeifliegen oft von den Teilnehmern der „Stunde der Wintervögel” beobachtet.

Seltene Gäste am Futterhaus

Für Staunen sorgten zudem einzelne Sichtungen von Wiedehopf, Bekassine, Zippammer und Brachvogel. Bei allen handelt es sich um Zugvögel, die normalerweise die kalte Jahreszeit in südlichen Gefilden verbringen und zudem als selten und scheu gelten. Ob auch sie versuchten, die im Schnitt milder werdenden Winter in Bayern zu verbringen oder ob sie als Irrgäste hier gelandet sind, lässt sich nicht klären. Durch Schnee und Frost wurden sie an leicht erreichbare Nahrungsquellen, in die Nähe von Siedlungen und oft direkt an die Futterstellen getrieben. Besonders bemerkenswert waren die Sichtungen des Wiedehopfs: Bereits vor der Stunde der Wintervögel waren beim LBV entsprechende Meldungen mit Fotobeweis aus dem Landkreis Forchheim in Oberfranken eingegangen. „Der Wiedehopf ist eine wärmeliebende, auf größere Insekten angewiesene Art und zählt zu den Langstreckenziehern, die normalerweise südlich der Sahara überwintern”, sagt LBV-Biologin Nelson.

Große Aktion

Die Stunde der Wintervögel ist Deutschlands größte bürgerwissenschaftliche Mitmachaktion. Die gesammelten Meldungen geben einen einzigartigen Einblick in die heimische Vogelwelt. Die Ergebnisse aus allen bayerischen Regierungsbezirken und Landkreisen sind unter www.stunde-der-wintervoegel.de einsehbar.
Die nächste Vogelzählung findet vom 8. bis 10. Mai statt. Dann rufen LBV und NABU alle Vogelfans auf, bei der „Stunde der Gartenvögel” die Brutvögel in den Gärten und Parks zu zählen.

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