Veröffentlicht am 21.02.2026 13:33

Warum sagt die Stadt nicht, dass zwei Drittel der Parkplätze wegfallen?

So soll die Boschetsrieder Straße ab Mitte 2028 aussehen. (Foto: winhard 3D)
So soll die Boschetsrieder Straße ab Mitte 2028 aussehen. (Foto: winhard 3D)
So soll die Boschetsrieder Straße ab Mitte 2028 aussehen. (Foto: winhard 3D)
So soll die Boschetsrieder Straße ab Mitte 2028 aussehen. (Foto: winhard 3D)
So soll die Boschetsrieder Straße ab Mitte 2028 aussehen. (Foto: winhard 3D)

Das Baureferat beginnt am Montag mit den Arbeiten zum Umbau der Boschetsrieder Straße (zwischen Ratzingerplatz und Plinganserstraße). Sie werden bis Mitte 2028 andauern und 21 Millionen Euro kosten. In einer Erklärung zum Start der Bauarbeiten schreiben städt. Baureferat und Mobilitätsreferat, dass dadurch auch „einige ... Längsparkplätze umgewidmet” werden.
Was „einige” tatsächlich bedeutet, kann man im Stadtratsbeschluss von 2023 nachlesen: „Es verbleiben ca. 109 von bisher ca. 269 Stellplätzen”, heißt es dort. Im Klartext: Fast zwei Drittel der bisherigen Parkplätze (62,8 %) werden aufgegeben.

Warum verschweigt die Stadt die echte Zahl?

2023 hat der Stadtrat den Umbau der Boschetsrieder Straße beschlossen und damit auch den Wegfall von 169 der bestehenden 269 Parkplätze abgesegnet. Dafür gibt es gute Argumente wie Schulwegsicherheit und verändertes Mobilitätsverhalten.
Städt. Baureferat und Mobilitätsreferat sprechen nunmehr jedoch nur noch davon, dass „einige” Parkplätze wegfallen. „Einige” meint indes nicht eine eher kleine Zahl, sondern den Löwenanteil: zwei Drittel. Wir haben bei beiden Referaten nachgefragt, warum es die konkrete Zahl verschweigen und ob die Angabe”einige” für ”fast zwei Drittel” als sachlich empfunden wird. Sobald die Antwort vorliegt, ergänzen wir sie an dieser Stelle. Hoffentlich lässt sich die Stadt dafür nicht „einige” Tage Zeit ...

    Vor drei Jahren beschlossen

    Der Umbau soll mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer bringen. Bereits im Herbst hatte das städt. Baureferat erste Vorleistungen durchgeführt. Der rund 1,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen dem Ratzingerplatz und der Plinganser-/Wolfratshauser Straße ist eine wichtige Radverkehrsroute. Die bislang schmalen Geh- und Radwege werden verbreitert und baulich abgegrenzt. An Kreuzungen werden zudem die Aufstellflächen vergrößert. Der vor fast drei Jahren beschlossene Umbau soll insbesondere die Schulwegsicherheit für die Kinder der Boschetsrieder Schule erhöhen. Im Zuge der Baumaßnahme saniert das Baureferat zudem die Fahrbahn der vielbefahrenen Straße.

    Schulweg wird sicherer

    „Mit dem Umbau der Boschetsrieder Straße setzen wir ein Zeichen für die Verkehrssicherheit in unserer Stadt. Die Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr wird dem wachsenden Radverkehrsaufkommen gerecht und die Kinder bekommen einen sicheren Schulweg”, meinte die städt. Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer zum Start. „Wir nutzen die Maßnahme aber auch für mehr Bäume in der Boschetsrieder Straße, zur Aufwertung und Abkühlung des Straßenraums. Dieses Maßnahmenpaket stellt Weichen für verantwortungsbewusste Mobilität und behält dabei alle Bedarfe der unterschiedlichen Verkehrsarten im Blick.“
    Für Mobilitätsreferent Georg Dunkel greift der Umbau auch das veränderte Mobilitätsverhalten der Münchner auf, die mittlerweile die meisten Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen, und setzt Verbesserungen für den Wirtschaftsverkehr um, der künftig nicht mehr in zweiter Reihe halten müsse.

    Platz wird neu verteilt

    In der Boschetsrieder Straße wird der Straßenraum neu verteilt: Das Baureferat verbreitert den bisher schmalen, teilweise nur 80 bis 90 Zentimeter breiten Radweg fast durchgehend auf 2,30 Meter. Außerdem wird ein baulich abgegrenzter Radweg mit einem Sicherheitstrennstreifen von 0,50 bis 0,75 Meter umgesetzt. Neue, zwischen zwei und fünf Meter breite Gehwege erhöhen den Komfort und vor allem die Sicherheit für Fußgänger. Zudem entsteht Raum für rund 40 zusätzliche Bäume, Anlieferzonen und 170 Radabstellplätze. Um diese Verbesserungen zu realisieren, „werden einige bestehende Längsparkplätze umgewidmet”, so das Baureferat. Insgesamt bleiben rund 90 Parkplätze erhalten.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt der Maßnahme sind die Verbesserungen in der Barrierefreiheit und im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV): Das Baureferat baut sechs Bushaltestellen barrierefrei um, die vorhandenen signalisierten Kreuzungen bleiben bestehen und werden als differenzierte Querungen für mobilitäts- und sehbehinderte Personen optimiert.

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