Das kommunale Klimanetzwerk Ebersberg-München, bestehend aus 17 Kommunen aus vier Landkreisen, hat viel vor. Gemeinsam wollen sie ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, ihren CO2-Verbrauch senken und sich dabei gegenseitig unterstützen weitere potenzielle Projekte in Angriff zu nehmen. Dabei stellten alle beteiligten Kommunen jetzt bei einem Treffen in Hohenbrunn ihre geplanten Aufgaben vor mit denen sie in Summe rund 1.730 Tonnen CO2-Einsparung erzielen wollen. Aber nicht nur CO2-Einsparung ist ein Thema, sondern auch Flächenentsiegelung und Wasserrückhaltung.
Alle teilnehmenden Kommunen stellten ihre Ziele im Schnelldurchlauf vor.
So plant die Gemeinde Baierbrunn beispielsweise auf dem Rathaus und dem Bauhof eine PV-Anlage zu installieren, auch die Straßenbeleuchtung soll auf LED umgerüstet und ein Fragenkatalog für neue Bauvorhaben entwickelt werden. Außerdem soll die Ladestruktur für E-Fahrzeuge ausgebaut werden. Zieleinsparung: Rund 60 T/CO2 pro Jahr.
In Planegg soll ein Klimaschutzkonzept beschlossen, die Heizung der Aussegnungshalle optimiert und Hitzeschutzmaßnahmen für die Bücherei beschlossen und umgesetzt werden. Außerdem sind Flächenentsiegelungen im Gemeindegebiet geplant und die Musikschule soll saniert werden. Zieleinsparung: Rund 60 T/CO2 pro Jahr.
In Pullach soll die Mittelschule saniert werden, hier vor allem die Heizung. Weitere PV-Anlagen sollen installiert und die Beleuchtung durch LED weiter ausgebaut werden. Ein Windrad soll im Forstenrieder Park in Betrieb genommen und weitere Flächen entsiegelt werden.
Auch die Gemeinde Unterhaching hat viel vor. So soll der Ausbau der PV-Anlagen auf gemeindlichen Gebäuden wie beispielsweise auf dem Hort in der Fasanenstraße vorangetrieben werden. Auch ein Energiemanagementsystemen steht auf der To-do-Liste. Ferner sollen weitere Parkplätze entsiegelt und die Umrüstung der Flutlichtanlage auf LED vollzogen werden. Zieleinsparung: Rund 180 T/CO2 pro Jahr.
Hohenbrunn will unter anderem in ein Energiemanagementkonzept investieren sowie PV-Anlagen auf das Rathaus und den Sportcampus installieren. Ferner soll die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt werden. Außerdem ist geplant ein Paket mit Hitzeschutzmaßnahmen zu schnüren. Zieleinsparung: Rund 120T/CO2 pro Jahr.
Ein Schwerpunkt des Treffens war der Austausch über die Zielsetzungen innerhalb der dreijährigen Netzwerkphase. Sebastian Gröbmayr vom Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV), zeigte sich beeindruckt: „In diesem Maßnahmenpaket steckt enormes Potenzial – und es ist erst der Anfang. Wir sind überzeugt, dass daraus noch viele weitere Impulse entstehen werden, und freuen uns, diesen Prozess begleiten zu dürfen.“ Die über 1.000 geplanten Einzelmaßnahmen reichen von der Errichtung von Windkraftanlagen und dem Ausbau von Photovoltaik über die Sanierung von Bestandsgebäuden bis hin zu LED-Umrüstungen und der Entsiegelung von Flächen und der Planung von Wasserrückhalten. Ein zentraler Baustein ist zudem die Einführung von Energiemanagementsystemen, die nahezu alle Kommunen planen.
Den fachlichen Rahmen setzte Professor Georg Sahner, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für energieeffizientes Bauen an der Hochschule Augsburg und Leiter des Architekturbüros G.A.S. planen bauen forschen. Seine zentralen Botschaften: Sanierung sollte konsequent Vorrang vor Neubau haben, viele kleinere Projekte könnten oft wirkungsvoller als wenige große sein und Baustandards dürften zwar Orientierung geben, sollten aber individuelle und budgetgerechte Lösungen nicht behindern.
Ein konkretes Praxisbeispiel stellte Jörg Moser von OLUFEMI MOSER Architekten vor. Am Beispiel der Sanierung eines Kindergartens aus den 1970er Jahren in der Gemeinde Feldkirchen plädierte er für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Bestandsgebäuden. Statt diese grundsätzlich infrage zu stellen, müsse die zentrale Frage lauten: „Was kann ich mit dem Gebäude sinnvoll machen?“
Im konkreten Projekt zeigte sich, dass eine Sanierung nicht nur Ressourcen schont, sondern auch den Charakter und die Natur des Ortes erhält. Ein Neubau hätte erhebliche Eingriffe bedeutet, etwa durch notwendige Baumfällungen. Mosers Fazit: Wenn ein Bestandsgebäude seine Funktion erfüllen kann, also eine ausreichend gute Substanz aufweist, ist die Sanierung meist nicht teurer als ein Neubau.