Astrophysiker, Naturphilosoph, Fernsehmoderator – und nun auch offiziell Münchner Ehrenbürger: Im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses wurde Professor Dr. Harald Lesch von Bürgermeister Dominik Krause die Ehrenbürger-Urkunde überreicht. Damit kann er sich in den illustren Kreis der Münchner Bürger einreihen, die sich in ganz besonderem Maße um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben. Denn nur an solche Persönlichkeiten wird die Ehrenbürgerwürde verliehen. Es ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt München zu vergeben hat!
Bürgermeister Krause zitierte bei der Verleihung der Urkunde den Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg, der 1958 in seiner Festansprache zur 800-Jahr-Feier Münchens sagte, es sei eine Stadt, ›die sich mehr als irgendeine andere Industriestadt der Welt darum bemüht hat, der Technik ihre menschliche Seite abzugewinnen, und in der sich die Wissenschaft vor allem durch eine menschliche Unmittelbarkeit und Lebendigkeit auszeichnet.‹“ Professor Dr. Lesch habe sich in dieser Hinsicht ganz besonders verdient gemacht, so Krause. Als international renommierter Astrophysiker sei Lesch nicht nur einer der bekanntesten Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München. In seinen Fernsehsendungen stelle er die Grundzüge des Universums und des Sonnensystems auch so dar – auf Deutsch und ohne Fachausdrücke – dass er damit eine für wissenschaftliche Themen außerordentliche Reichweite erziele. „Indem Sie komplizierte Sachverhalte allgemeinverständlich erklären, begeistern Sie ein breites Publikum für Ihre Themen“, lobt Bürgermeister Krause den Geehrten.
Neben Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität unterrichtet Lesch auch Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München und macht sich als Mitglied des Bayerischen Klimarats für den Klima- und Umweltschutz stark. Als Botschafter unterstützt er auch Münchens Weg zur Klimaneutralität. Als München im vergangenen Jahr das offizielle Label der EU-Mission „Klimaneutrale und intelligente Städte“ erhielt, übernahm Lesch die Rolle als Klimabotschafter der Mission. Ziel der europaweiten Initiative ist es, neue Wege aufzuzeigen, wie Städte umweltfreundlicher, lebenswerter und zukunftsfähig gestaltet werden können. „Einen so renommierten und engagierten Münchner Wissenschaftler in den Kreis der Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger aufzunehmen, freut mich sehr“, erklärt Krause.
„Welch große Bedeutung das Ehrenbürgerrecht der Stadt München hat, sieht man daran, dass es seit 1818 erst 67 Mal vergeben wurde”, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter bereits im November, als der Stadtrat die Verleihung beschlossen hatte. Und auch er betont: „Es freut mich sehr, dass wir nun mit Professor Dr. Harald Lesch einen sehr renommierten Münchner Wissenschaftler in den Kreis der Ausgezeichneten aufnehmen werden, der nicht nur komplizierte Sachverhalte allgemeinverständlich erklären kann, sondern sich auch für den Klima- und Umweltschutz stark macht.“
Für Lesch reiht sich die Ehrung ein in eine ganze Reihe hochkarätiger Auszeichnungen, die er bereits entgegennehmen konnte – vom Bayerischen Verdienstorden über das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse bis zum Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst. Die außergewöhnlichste Ehrung ist aber, dass ein 1997 entdeckter Asteroid nach Harald Lesch benannt wurde.
„In München erhalten Sie mit der Ehrenbürgerwürde aber immerhin eine Ehrentafel im Foyer des Alten Rathauses”, erklärte Bürgermeister Dominik Krause dem Geehrten. Dieser zeigte sich „geplättet” angesichts der Ehrung durch die Stadt, in der er lebt. „München ist der ideale Platz für jemanden, der nach Möglichkeiten sucht”, erklärte Lesch. Hier könne er Physik und Philosophie lehren und Fernsehsendungen machen. „Hier können Menschen leuchten – ob in der Wissenschaft oder der Kunst.” Die Kommunikation über Wissenschaft sei ihm wichtig. Deshalb engagiere er sich zusammen mit seiner Frau Dr. Cecilia Scorza auch in der Lehrerfortbildung. Lesch appellierte auch ganz allgemein, sich nicht voneinander zu entfernen, sondern das Zusammensein zu stärken, „denn der Mensch ist ein Zoon politikon, nur in der Gemeinschaft ist er Mensch”.
Aktuell gibt es 18 lebende Münchner Ehrenbürger und Ehrenbürgerinnen – mit der Überreichung der Urkunde ist Professor Dr. Harald Lesch der 19. Das Ehrenbürgerrecht wird – zu Lebzeiten – Personen verliehen, die sich in hohem Maße um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben. Weitere bekannte Ehrenbürger sind Doris Dörrie (2022); Franz Herzog von Bayern, der Verleger Dr. Herbert Burda, Philipp Lahm, die Schauspielerin Michaela May, die jüdische Publizistin und Kulturvermittlerin Dr. Rachel Salamander, die Schauspielerin Jutta Speidel (alle 2019), Oberbürgermeister a.D. Christian Ude (2014), der Friedensforscher Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Peter Dürr (2007), die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. h.c. Charlotte Knobloch (2005), die ehemalige Staatsministerin Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher (1995), Oberbürgermeister Georg Kronawitter (1993) sowie Dr. h.c. Franz Josef Strauß (1981).
Auch der Komponist Dr. h.c. Karl Orff (1975), Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel (1965) und Kardinal und Erzbischof Dr. Michael von Faulhaber (1949) befinden sich unter den Geehrten.
Bereits über hundert Jahre her ist die Auszeichnung des Komponisten Dr. Richard Strauß (1924) und von Dr. Ferdinand Graf von Zeppelin (1909). Der Kunstmaler Franz von Defregger wurde 1905 geehrt und Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck im Jahr 1895. Weitere bekannte Namen aus dem 19. Jahrhundert sind Dr. Justus Freiherr von Liebig (1870) und Joseph Ritter von Fraunhofer (1824).
Die ganze Liste der Ehrenbürger der Stadt findet sich im Internet unter der Adresse https://stadt.muenchen.de/infos/ehrungen.html