Der Verein „Freunde des Sechzger-Stadions” (FdS), der sich seit Jahrzehnten auf kultureller und politischer Ebene für den Erhalt des Grünwalder Stadions einsetzt, hat anlässlich der Kommunalwahl 2026 Parteien und Kandidaten in München befragt. Konkret wollten die Stadion-Freunde von ihnen wissen, wie sie persönlich zum Giesinger Wahrzeichen stehen. Die Umfrage sei „an alle demokratischen Parteien gegangen”, die sie dann „jeweils an ihre Kandidaten und Kandidatinnen weiterleiten sollten”, so die Aktivisten.
Zur Auswahl standen drei Antwortmöglichkeiten. Erstens: Das Stadion soll für den Spielbetrieb in der 1. und 2. Bundesliga ertüchtigt werden, beispielsweise über eine Erbpachtvereinbarung mit dem TSV 1860 München, verbunden mit einer Kapazitätserweiterung auf 25.000 Zuschauer. Die zweite Antwortmöglichkeit sah vor, den Status quo beizubehalten. Oder, Antwort drei, ein gänzlich anderer Standpunkt. Viele der Kandidierenden für den Münchner Stadtrat haben den „Freunden des Sechzger-Stadions” geantwortet. Dabei zeigt sich ein breiter Konsens unter den Befragten, quer durch alle Parteien, der auf eine Kapazitätserweiterung und Modernisierung hindeutet.
In persönlichen Statements erläutern viele Ihren Standpunkt. So etwa Nele Metzler (32) von der SPD, die sagt: „Ich unterstütze eine nachhaltige Modernisierung des Stadions an der Grünwalder Straße mit dem Ziel, langfristig auch höherklassigen Fußball zu ermöglichen. Voraussetzung hierfür ist ein tragfähiges Finanzierungs- und Betreiberkonzept unter maßgeblicher Beteiligung des TSV 1860, etwa auf Grundlage eines Erbbaurechtsmodells, das Investitionssicherheit schafft und Verantwortung klar zuordnet – bspw. auch in Zwischenschritten mit Ausbauoptionen. Die Risiken für die Stadt München müssen dabei verbindlich begrenzt bleiben. Eine städtische Investition darf nur erfolgen, wenn sie langfristige Perspektiven eröffnet – sportlich, wirtschaftlich und städtebaulich.” Ihre Parteikollegin Bilge Dükkancı wohnt in direkter Nachbarschaft zum Stadion und erklärt: „Ich stehe für einen Weg, der die Tradition der Löwen in Giesing bewahrt, dem Verein eine moderne Zukunft ermöglicht und gleichzeitig die Lebensqualität in unserem Viertel schützt.”
Ähnlich äußert sich die 47-jährige Simone Schirmer (Die LINKE): „Als direkte Nachbarin bin ich oft auch „Betroffene” der Spiele. Ich sammle Müll ein, fahr mir einen Platten ins Rad wegen der Scherben, schlängele mich mit Kind durch die Massen zum Supermarkt. Und trotzdem: Ich finde das Stadion wunderbar. Ich liebe es, wenn der Wind richtig steht und ich die Fans singen höre. Denn auch wenn mir Fußball persönlich relativ egal ist, das Stadion ist eine der wenigen urbanen und lebendigen Inseln dieser Stadt und unbedingt schützenswert! Daher stehe ich auch hier hinter unserem Wahlprogramm und ich will mich als Giesingerin und Anwohnerin FÜR den Ausbau des Stadions auf 25.000 Zuschauer mit einer Komplett-Überdachung der Zuschauerränge und geschlossene Stadionecken einsetzen.”
Eine andere Meinung vertritt die Rentnerin Georgina-Elisabeth Wismeyer. Die 77-jährige Vorsitzende der AG 60plus der SPD München aus Haidhausen sagt: „Das Stadion soll nicht ausgebaut werden, sodass die Kapazität bei 15.000 Zuschauern bleibt und weiterhin nur ein Spielbetrieb bis zur 3. Liga möglich ist. Die in den nächsten Jahren notwendigen Sanierungsmaßnahmen (siehe Stadtrats-Sitzungsvorlage vom 03.12.2025, Kosten ca. 40 Mio. Euro) werden von der LHM durchgeführt.”
Mit einer gemeinsamen Stellungnahme reagierten die Kandidierenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Sie erklären: „Uns ist wichtig, dass das Grünwalder Stadion bald ein Tip-Top Stadion wird und die 60er ihre Heimat in Giesing behalten. Deshalb haben wir schon vor 5 Jahren für den Ausbau des Grünwalder Stadions gestimmt. Wie groß das Stadion an dieser Stelle werden kann, prüft der TSV 1860 gerade mit einer Machbarkeitsstudie. Bevor wir über Planung und Finanzierung reden, sollten wir das Ergebnis dieser Studie abwarten. Damit aber die Zukunft des Stadions für die 60er nicht behindert wird, haben wir beantragt, dass die mögliche Bebauung am Candidplatz mit den 60ern abgestimmt wird. Was die Finanzierung eines ehrgeizigen 60er-Stadions angeht, bietet die Erbpachtvariante die größte Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeit für den Verein und für die Landeshauptstadt München.” (as)