In der aktuellen Spielzeit begleitet den TSV 1860 München eine für den Klub bittere Kontinuität: Kein anderer Drittligist ist derart häufig von Fehlentscheidungen der Unparteiischen zu seinen Ungunsten betroffen. Den Giesingern wurde in den bisherigen 23 Spielen bereits elf Mal ein fälliger Elfmeter verweigert oder dem Gegner ein unberechtigter Strafstoß zugesprochen. Zudem wurde dem Team von Trainer Markus Kauczinski ein regelkonformer Treffer aberkannt.
Auch im vergangenen Auswärtsspiel bei der Zweitvertretung des VfB Stuttgart hätte es nach Ansicht der TV-Bilder und einer fachlichen Bewertung durch den ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für das Portal „liga3-online” (https://www.liga3-online.de/auswertung-der-strittigen-szenen) zwei Strafstöße für die Münchner Löwen geben müssen. Sowohl ein Beinstellen des Stuttgarters Mirza Catovic gegen Max Reinthaler als auch ein Tritt von Leny Meyer gegen Florian Niederlechner waren laut Rafati regelwidrig.
Die unglücklichen Entscheidungen der Unparteiischen betreffen auch die Individualstrafen gegen Spieler des TSV 1860 München. In der laufenden Saison kassierten Akteure der Löwen bereits fünf Mal einen unberechtigten Platzverweis oder der Gegner erhielt trotz eines klaren Regelverstoßes keine Hinausstellung. In der Tabelle der Fehlentscheidungen gegen sich belegen die Löwen damit derzeit den einsamen Spitzenplatz in der Liga. Umgekehrt profitierten die Münchner lediglich fünf Mal von Fehlentscheidungen zu ihren Gunsten (Platz 16 von 20).
Im statistischen Vergleich ist in der 3. Liga während der letzten Jahre eine kontinuierliche Zunahme an Fehlentscheidungen zu verzeichnen. Die Ursachen dafür sind vermutlich vielschichtig und bedürften einer eigenen sportwissenschaftlichen Untersuchung. Schiedsrichter stehen unter Druck, nicht den Eindruck von Bevorzugung zu erwecken, und entscheiden in Zweifelsfällen daher möglicherweise eher gegen den sogenannten Favoriten. Zudem werden Aktionen bekannter Spieler, wie etwa Kevin Volland, intensiver beobachtet und kritischer bewertet, sodass Regelverstöße schneller wahrgenommen oder strenger ausgelegt werden.
Im Fußball ist die These weit verbreitet, dass sich Bevorzugungen und Benachteiligungen über die gesamte Saison hinweg ausgleichen. Das dürfte meistens auch stimmen. Im Fall des TSV 1860 München wird es dafür allerdings langsam eng. (as)