Veröffentlicht am 08.02.2026 11:15

„Unreif gespielt, keine Eier gehabt“

Rustikal: Sportpark Fautenhau. (Foto: M. Forster)
Rustikal: Sportpark Fautenhau. (Foto: M. Forster)
Rustikal: Sportpark Fautenhau. (Foto: M. Forster)
Rustikal: Sportpark Fautenhau. (Foto: M. Forster)
Rustikal: Sportpark Fautenhau. (Foto: M. Forster)

Tief im Wald des Rems-Murr-Kreises in Baden-Württemberg befindet sich eines der optisch seltsamsten Stadien der Republik. Im Sportpark Fautenhau tragen sowohl die SG Sonnenhof Großaspach als auch der VfB Stuttgart II ihre Heimspiele aus. Ein in die Haupttribüne integriertes riesiges Blockhaus im kanadischen Stil verleiht der Sportstätte, die 10.000 Zuschauern Platz bietet, den Flair einer überdimensionalen Sauna. Am Samstag pilgerten 4.500 Fußballfreunde zur Begegnung zwischen den Reserve des Bundesligisten VfB Stuttgart und dem TSV 1860 München. Die meisten Zuschauer dürften es mit den Münchner Löwen gehalten haben. Am Ende jubelten jedoch die rund 1.000 Schwaben. Ihr Team besiegte den Favoriten aus München mit 2:1 (2:0).

Das Giesinger Nachwuchstalent Loris Husic (18) gab sein Drittliga-Debüt in der Startelf. Doch nur in der Anfangsviertelstunde zeigten die Gäste aus Bayern, dass sie bereit waren, um einen Platz im Verfolgerfeld in der Tabelle zu kämpfen. Kevin Volland (6. Min.) und Patrick Hobsch (11. Min.) kamen gefährlich zum Abschluss und einem Treffer von Sigurd Haugen wurde wegen Abseitsstellung die Anerkennung versagt (15. Min.). Mit einem Doppelschlag der Stuttgarter nach zwanzig Minuten endete die weiß-blaue Euphorie abrupt.

Nach einem starken Tempogegenstoß über den ehemaligen Löwen Mansour Ouro-Tagba und Justin Diehl traf Noah Darvich zum 1:0 (20. Min.). Nur kurz darauf legten die Weiß-Roten nach. Diesmal schickte Torschütze Darvich den Vorlagengeber Diehl mit einem Steckpass in die Tiefe auf die Reise. Der 21-Jährige vollendete frei vor Schlussmann Thomas Dähne zum 2:0 (26. Min.). Mit dem zweiten Treffer war den Löwen der Zahn gezogen. Bis zum Halbzeitpfiff dominierten die Hausherren die Partie beinahe nach Belieben.

Erst nach dem Seitenwechsel kamen auf die Sechzger wieder vor das Tor der Schwaben, doch die hatten in Torhüter Florian Hellstern einen sicheren Rückhalt. Der 18-jährige Juniorennationalspieler parierte reaktionsschnell gegen Haugen (47. Min.) und Volland (49. Min.). Danach ebbte der Schwung der Gäste wieder ab. Die jungen Stuttgarter verteidigten souverän ihren Vorsprung und kamen selbst noch einmal zu einem gefährlichen Torabschluss durch den agilen Darvich, den Dähne entschärfte (65. Min.).

In einer turbulenten Schlussphase gelang den Münchnern schließlich der Anschlusstreffer. Eine scharfe Hereingabe des eingewechselten Kilian Jakob klatschte Hellstern zur Seite. Tim Danhoff hielt den Ball mit einer Grätsche im Spiel und lenkte ihn von der Grundlinie zurück auf Haugen, der aus drei Metern Torentfernung zum 2:1 traf (85. Min.). Nur eine Minute später ergab sich bereits die nächste Gelegenheit für die Münchner. Haugen setzte zu einem Seitfallzieher an, traf den Ball aber nicht richtig, sodass dieser zum neu ins Spiel gekommenen Florian Niederlechner gelangte. Beim Versuch, das Leder anzunehmen, wurde der Stürmer vom Stuttgarter Verteidiger Leny Meyer am Fuß getroffen. Der Unparteiische Yannick Sager ließ jedoch weiterspielen. Eine Fehlentscheidung wie TV-Bilder zeigen. Es hätte einen Strafstoß für die Gäste geben müssen.

Löwen-Kapitän Thore Jacobsen brachte den Auftritt des TSV 1860 nach Spielschluss am Mikrofon von „Magenta Sport“ kurz und bündig auf den Punkt. In der ersten Halbzeit habe man „unreif gespielt, keine Eier gehabt – jeder hat gemacht, was er wollte“. Die Gegentore seien „viel zu billig“ gefallen. Sein Trainer Markus Kauczinski sah das ähnlich und kommentierte: „Wir haben dem Gegner zu viel Platz gelassen.“ Nach dem ersten Gegentor sei bei der Mannschaft der Faden verloren gegangen. Sein Fazit: „Insgesamt geht der Sieg für Stuttgart in Ordnung.“

Auf die Frage, ob die Aufstiegshoffnungen der Giesinger nun ad acta gelegt werden müssten, antwortete Kauczinski: „Die Mannschaft kämpft und will, aber wir haben Probleme, die wir lösen müssen. Über den Aufstieg brauchen wir gar nicht zu reden.“ Am kommenden Samstag, den 14. Februar führt der Spielplan den TSV 1860 München zum stark abstiegsbedrohten TSV Havelse 1912 aus Garbsen in Niedersachsen. Anpfiff der Begegnung ist um 14 Uhr im Eilenriedestadion in Hannover. (as)

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