Kreuz und quer wird gebaut. Fast in jedem Gebäude gibt es einen Keller, oft eine Tiefgarage oder zumindest ein stabiles Fundament. Dafür muss ein Loch ausgehoben werden.
Die obere Schicht – Humus oder Oberboden – wird wiederverwendet. Doch die untere Schicht, der Unterboden, ab etwa einer Tiefe von einem halben Meter, gilt fast immer als minderwertig und wird meist für teures Geld auf einer Deponie entsorgt. Innerhalb der EU stellen Böden ein Viertel des Abfalls dar – das kann vermieden werden! Lauren Porter und Nadja Berger von der TUM in Weihenstephan, unterstützt vom „Graduiertenkolleg Research Training Urbane Grüne Infrastruktur“, entwickelten ein Verfahren und experimentierten mit Pflanzen, wonach man den Baustellen-Aushub mit organischen Abfällen aufwerten und weiterverwenden kann.
„Wir haben uns bei unserer Arbeit bewusst für Unterboden entschieden, weil der Oberboden aufgrund seines höheren organischen Anteils bereits wiederverwendet wird“, sagt Lauren Porter. Sie hat gerade ihre Doktorarbeit am Lehrstuhl für „Urbane Produktive Ökosysteme“ beendet. Laut Porter gilt Unterboden häufig als minderwertig. Ihr Ansatz war es daher, ein Material, das potenziell als „Abfall“ betrachtet wird, aufzuwerten und seine Funktionalität zu steigern, indem sie unterschiedliche organische Komponenten zusetzte.
Den Unterboden, den sie verwendete, ist eine Übergangsschicht zwischen Unterboden und Untergrund, eine sogenannte Rotlage. „Diese Schicht weist häufig einen hohen Kiesanteil auf. Eine reine Kiesschicht würde ich nicht empfehlen, da insbesondere die Fraktion unter 2 mm entscheidend für zahlreiche Bodenfunktionen ist“, sagt Porter. Sie und Nadja Berger haben die Aushub-Böden mit Grünabfallkompost und Pflanzenkohle vermischt, je 3 Prozent Kompost und Kohle zugefügt, dafür mussten sie fast drei Tonnen Erde sieben, mischen und testen. „Die Pflanzenkohle bestand aus organischen Abfallprodukten aus der Biogasproduktion, die häufig ungenutzt bleiben und entsorgt werden“, berichtet Berger. Die neu „konstruierten“ Böden zeigten enorme Verbesserungen der Bodenfunktionalität: Sie sind fruchtbarer durch einen bis zu vierfach erhöhten Stickstoffgehalt und erhöhte Kohlenstoffanreicherung. „Sie können bis zu 90 Prozent der Schadstoffe, wie Schwermetalle, halten und so etwa am Straßenrand enorm zum Grundwasserschutz beitragen.“
Man vermeidet also Abfall und kann den Boden als Grundlage für vielfältige Zwecke im städtischen Raum wiederverwenden, sagt Porter. Nadja Berger, sie beendete ihre Doktorarbeit am Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, testete die künstlich hergestellten Böden als Substrat in Gewächshäusern. „Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Pflanzen aus wechselfeuchten Gebieten auf diesen Böden gut wachsen: Leguminosen, Hornklee oder Wiesenknopf. Sie können gut verschiedenen Stressfaktoren wie Hitze, Überschwemmungen und Schadstoffen standhalten.“ Außer, dass man den Aushub nicht mehr teuer auf einer Deponie entsorgen muss, kann man ihn an spezifische Anwendungsfälle anpassen. „Soll der Boden etwa in einem Straßenrandstreifen verwendet werden, kann seine Schadstoffbindungsfähigkeit verbessert werden“, so Berger. Für andere Anwendungsfälle, wie die Nutzung auf grünen Erholungsflächen, in denen Pflanzen gedeihen sollen, steht die Erhöhung der Fruchtbarkeit im Vordergrund. Entsprechend können durch einen erhöhten Anteil an Pflanzenkohle oder Kompost die Funktionen beeinflusst werden. „Unsere Ergebnisse können Experten in der Stadt- und Bauplanung unterstützen“, sagt Porter. Sie und Berger können noch nicht beziffern, was ihr Verfahren kosten wird. Bei den Deponiergebühren ist die Transportdistanz entscheidend, wie weit also der Unterboden transportiert wird. Die Wiederverwendung einer so großen Abfallquelle scheint jedoch sowohl ökologisch als auch ökonomisch äußerst vorteilhaft.