Literarische Zeitreise

Realschülerinnen aus der Au haben einen Roman veröffentlicht

Stolz präsentieren die Schülerinnen der Klasse 8a der Theresia-Gerhardinger-Mädchenrealschule ihren Roman "Nur ein einziger Strich", der im Handel erhältlich ist. Foto: bs

Stolz präsentieren die Schülerinnen der Klasse 8a der Theresia-Gerhardinger-Mädchenrealschule ihren Roman "Nur ein einziger Strich", der im Handel erhältlich ist. Foto: bs

Au · Man nehme 24 motivierte Schülerinnen, lasse sie ihre Kreativität ausleben, dazu ein wenig historische Fakten recherchieren und erhalte einen vorzeigbaren Jugendroman: So könnte das Rezept für das Buch "Nur ein einziger Strich" lauten. Geschrieben hat es die Klasse 8a der Theresia-Gerhardinger-Mädchenrealschule am Mariahilfplatz.

Ob eine der Schülerinnen später Autorin werden möchte, lautet eine Frage auf der Pressekonferenz, die die Klasse 8a in der Turnhalle der Schule selbst auf die Beine gestellt hat. "Wir sind doch jetzt schon Autorinnen!", entgegnet Schülerin Hanna Blum mit einem strahlenden Lächeln.
In der Tat: Das Werk der Klasse ist in einer Auflage von 800 Stück im Buchhandel erhältlich. Sogar ein großer Online-Händler hat "Nur ein einziger Strich" in sein Programm aufgenommen.

"Das Projekt hat uns zusammengeschweißt"

"Wir sind sehr stolz", erklärt Schülerin Helena Lang, stellvertretend für ihre Klassenkameradinnen, die alle das 155 Seiten starke Buch in den Händen halten. "Unsere Klasse war schon immer ein tolles Team. Aber dieses Projekt hat uns noch enger zusammengeschweißt." Der Jugendroman ist das Resultat einer Projektaufgabe im Fach Deutsch, die sich über viereinhalb Monate hinzog. Einige Wochenenden und Abende seien dafür draufgegangen, berichtet Julia Maisch, die Deutschlehrerin der 8a. "Aber die Mädels sind mit Feuereifer an die Sache herangegangen. Die Arbeit hat uns allen große Freude bereitet."

In Zusammenarbeit mit der Regensburger Schriftstellerin Carola Kupfer entwickelten die Schülerinnen zunächst die Handlung. Die Protagonistin Lena ist eine ganz normale 13-Jährige, die von einem Moment auf den anderen per Zeitreise im Jahr 1845 landet – und zwar in der Au, die damals noch eine eigene Stadt war. Es war die Zeit, in der Theresia Gerhardinger, die Gründerin und Namenspatronin der Mädchenrealschule, lebte. Auch sie spielt in dem Roman, der spannende Elemente und auch ein wenig Herzschmerz beinhaltet, eine Rolle.

Für die Recherche und das Schreiben wurde die Klasse in acht Dreiergruppen eingeteilt. Jede Gruppe verfasste eines der acht Kapitel, die sich später zu einem großen Ganzen zusammenfügten. Julia Maisch und ihre Kollegin Esther Bernhard, die in der Klasse Geschichte unterrichtet, lasen die Texte Korrektur.

Die sogenannte "dramaturgische Schlussredaktion" übernahm dann Carola Kupfer. "Die Mädchen hätten Ideen für acht bis zehn Bücher gehabt", lacht Kupfer. Im Laufe des Projekts gab es immer wieder demokratische Entscheidungen. Welchen Charakter sollte die Hauptfigur Lena haben? In welcher Zeitform, aus welcher Perspektive sollte das Buch erzählt werden? Und wie sollte der Titel lauten?

Vor dem Schreiben mussten die jungen Autorinnen historische Fakten recherchieren, etwa wie es in der Au um 1845 aussah oder welche Uniform Polizisten damals trugen. "Wir haben viel gegoogelt", erzählt Schülerin Kiara Stephen. Auch die Lehrer, allen voran Geschichtslehrer Tobias Treml, standen mit ihrem Wissen zur Seite. Dazu befragten die Schülerinnen den Verein "Freunde der Vorstadt Au", lasen ein Buch über Theresia Gerhardinger und ließen sich direkt vor der Schultür inspirieren: Ein Besuch auf der Auer Dult gehörte ebenfalls zur Recherche.

Erschienen ist das Buch im Verlag von Wolfgang Schröck-Schmidt, der in der Reihe "Buch macht Schule" zuvor schon 26 deutsche Schulklassen zu Autoren gemacht hat. "Nur ein einziger Strich" ist das erste Werk einer Münchner Klasse. Benjamin Schuldt

Artikel vom 06.03.2019
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