Ihr unbeachtetes Leid mahnt zur Fürsorge

Neue Gedenktafel am Rathaus für die Opfer des Oktoberfest-Attentats 1980

Oberbürgermeister Dieter Reiter und der seit dem Attentat auf den Rollstuhl angewiesene Dimitrios Lagkadinos vor der neuen Gedenktafel.	Foto: Robert Bösl

Oberbürgermeister Dieter Reiter und der seit dem Attentat auf den Rollstuhl angewiesene Dimitrios Lagkadinos vor der neuen Gedenktafel. Foto: Robert Bösl

München · Jedes Jahr zählt das Münchner Oktoberfest über sechs Millionen Besucher. Weltweit kennt man es, in vielen Ländern außerhalb Europas wird Deutschland oft als Erstes mit diesem größten Volksfest der Welt verbunden. Es steht für Freude, Offenheit und Geselligkeit.

Doch das Oktoberfest hat auch eine belastete Vergangenheit: Das Sprengstoff-Attentat vom 26. September 1980 ist bis heute nicht restlos aufgeklärt und aufgearbeitet. Für die überlebendende und die Hinterbliebenen der getöteten Opfer ist das schwierig. Die Stadt München hat jetzt ein Zeichen gesetzt, dass diese Menschen nicht vergessen werden. Eine neue Gedenktafel im Rathaus soll an Betroffene und Opfer des Oktoberfest-Attentats vor 38 Jahren erinnern. Oberbürgermeister Dieter Reiter übergab sie Anfang September der Öffentlichkeit. Die Tafel wird in der Mitte der Stadt, nämlich am Neuen Rathaus an die schreckliche Tat und ihre Folgen erinnern. Bei der Enthüllung am 4. September begrüßte Reiter Dimitrios Lagkadinos als Redner. Der heute 55-Jährige war bei dem Attentat schwer verletzt worden, verlor beide Beine. Er hat maßgeblich an der Anbringung dieser Gedenktafel mitgewirkt.

Die Bombe am Haupteingang des Oktoberfestes und riss im September 1980 zwölf Menschen und den Attentäter in den Tod. 211 Menschen wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Es war der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Inschrift der Gedenktafel »Ihr unbeachtetes Leid mahnt uns zur Fürsorge. Rechtsextreme Taten fordern unsere Wachsamkeit. München erinnert an alle Betroffenen und Todesopfer des Oktoberfest-Attentats vom 26.09.1980« wurde gemeinsam mit den Betroffenen entworfen. Damit wird nicht nur an das Terror­attentat erinnert; die Stadt macht auf das Leid der Betroffenen aufmerksam und bringt selbstkritisch die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte und den in die Zukunft gerichteten Fürsorgeauftrag zum Ausdruck. Die zweisprachige, von dem Künstler Toni Preis im Auftrag des Baureferates gestaltete Gedenktafel, ist im Durchgang zum Prunkhof des Rathauses, rechts am Treppenaufgang, angebracht. Im Durchgang wird bereits mit Inschriften auf verschiedene Ereignisse in der Stadtgeschichte hingewiesen.

Die Stadt hat es sich 2010 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Oktoberfests zur Aufgabe gemacht, das öffentliche Bewusstsein verstärkt auch auf das Oktoberfest-Attentat von 1980 zu lenken. Unter anderem wurde dazu eine Broschüre unter dem Titel »26. September 1980 – Das Oktoberfest-Attentat« herausgegeben, die 2017 in der dritten überarbeiteten Neuauflage die aktuellen Entwicklungen aufgreift.

2014 waren die bereits eingestellten Ermittlungen über die Tathintergründe von der Justiz wieder aufgegriffen worden. Die Broschüre ist im Infopoint Museen und Schlösser im Alten Hof erhältlich und als kostenloser Download in deutscher und englischer Sprache unter www.muenchen.de/kulturreferat unter dem Stichwort »Stadtgeschichte« abrufbar. Seit 2015 führt die Stadt ein Forschungsprojekt durch, das der Dokumentation der Lebensschicksale der Opfer des Oktoberfest-Attentats dient und dem Prozess des Verdrängens und Vergessens entgegenwirken soll. Das Kulturreferat führt dazu einen Dialog mit den Betroffenen. Die Realisierung der Gedenktafel durch das Baureferat ist ein erstes fruchtbares Ergebnis dieses Austausches.

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Artikel vom 20.09.2018
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