Der Kraillinger Seniorenbeirat unterstützt alle Möglichkeiten, die Vorteile aus der Digitalisierung für Seniorinnen und Senioren bieten. Trotzdem gebe es, so Karin Wolf, Vorsitzende des Kraillinger Seniorenbeirats, ein Recht auf analoges Leben, wie auch von der Senioren-Union gefordert.
„Behördengänge, Bankgeschäfte und Teilhabe im Alltag müssen auch ohne Internetzugang für alle möglich sein”, betont Wolf. „Wir sind in einer analogen Welt aufgewachsen, haben dort Schule, Arbeit und Alltag erlebt. Viele von uns älteren Senioren fühlen sich bzw. werden durch die Digitalisierung zunehmend ausgegrenzt. Viele ältere Menschen sind von der digitalen Welt überfordert, da sie oft nicht oder sehr geringfügig mit der Nutzung von Smartphones, Tablets und dem Internet vertraut sind und daher Angebote, die digitale Kenntnisse erfordern, schlichtweg nicht nutzen können.”
An einem selbst erlebten Beispiel macht Wolfgang Meichelböck, stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirates, die Problematik nochmal deutlich: „Bei einem Restaurantbesuch mit meiner Frau wurden wir bei der Frage nach der Speisekarte auf einen QR-Code verwiesen, der auf einem Tischaufsteller aufgedruckt war. Dieser sollte mit dem Handy eingescannt werden, um an das Speisenangebot zu gelangen.”
Für viele Senioren, die keine oder wenig Erfahrung mit diesen Digitaltechniken haben, bedeute das eine hohe Hürde, die oft unüberwindlich sei: Was ist ein QR-Code und was macht man damit? Hat man das Handy überhaupt dabei? Wenn ja, gibt es überhaupt einen QR-Code Reader auf dem Handy und wie macht man das mit dem Einscannen? Hat man eine Internetverbindung oder muss man sich erst mühsam in das WLAN-Netzwerk des Restaurants einloggen? Wenn man dann alle diese Hindernisse überwunden hat, kann man dann die Speisekarte ohne Probleme aufrufen? Anschließend muss die Speisekarte auf einem winzigen Handy Display gelesen werden und dann auch noch Vor- und Zurückblättern.
Auf deutlich ausgesprochenen Wunsch sei in dem Restaurant dann doch noch eine gedruckte Speisekarte ausgehändigt worden. Auch andere Gäste seien mit dieser unnötigen Digitalisierung heillos überfordert oder verärgert gewesen. Dieses Beispiel zeige klar: Mehr Rücksichtnahme und Augenmaß ist bei der Einführung von digitalen Angeboten gefordert.
Zwar sollten digitale Kompetenzen auch für Senioren bestmöglich gefördert werden, um die Selbstständigkeit im Alter zu erhalten und die Teilhabe zu ermöglichen. Trotzdem müsse sichergestellt werden, dass Behördengänge, Bankgeschäfte und insbesondere die Nutzung öffentlicher und anderer Dienstleistungen weiterhin auch auf analogem Weg möglich seien.
„Wir begrüßen daher jede Maßnahme wie zum Beispiel der Gemeindeverwaltungen, aber auch von jeglichen anderen Unternehmen und Geschäften, die Rücksicht auf die ältere Bevölkerung nehmen und eine analoge Teilhabe weiterhin ermöglichen. Wir appellieren daher an Jung und Alt, Senioren Hilfe anzubieten, die Schwierigkeiten bei der Nutzung digitaler Angebote haben. Ein Miteinander ist gefragt”, verlautet aus dem Seniorenbeirat Krailling.