Er weiß, was gespielt wird: »Die wichtigste Regel ist, das jeder aufeinander Rücksicht nimmt«, stellt Andy Seidel von der Jugendkulturwerkstatt Soundcafé in der Traubestraße fest. Und das sei auch die einzige Regel bei der Jamsession, die jeden ersten Freitag im Monat auf der hauseigenen Showbühne stattfindet.
»Jeder soll hier seine Chance bekommen«, beschreibt Seidel die Grundidee der regelmäßigen offenen Bühne. Vor rund zwei Jahren bereits habe er, als Betreuer vor allem für die Musiker im Soundcafé zuständig, einen Workshop für Nachwuchsmusiker veranstaltet und dabei den Bedarf an Spielgelegenheiten klar erkannt. »Es gibt doch erstaunlich wenig Angebote für junge Musiker«, analysiert Seidel. Oft seien die Hürden, auf die Bühne zu kommen, viel zu hoch für den unbekannten Nachwuchs. »Es gibt zwar auch in anderen Lokalen Jamsessions, aber meistens sind es doch immer die gleichen, die dort spielen.«
Ein Trend, dem Seidel auf der eigenen Bühne von Anfang an entgegen wirken wollte. Schnell war eine vielversprechende Kooperation mit der Jazzschule »Ohrwurm« auf die Beine gestellt, »und so entsteht immer wieder eine bunte Mischung aus echten Profis und blutjungen Anfängern.« Eine spannende Kombination, bei der es »schon mal richtig heftig zur Sache gehen kann«.
Dabei ist Seidel selbst ein eingefleischter Jazz-Gitarrist. Hoch hängt das Holz und wenn er spielt, scheint er das Drumherum schnell zu vergessen. Dass das dem pädagogischen Grundkonzept der Jamsession, »Alte Hasen« führen die jungen Talente im musikalischen Miteinander, nicht besonders zuträglich ist, zeigt die magere Resonanz. Als einen »eher lockeren Verbund« beschreibt Seidel die Session-Gruppe, die sich da monatlich formiert inzwischen hauptsächlich die gleichen. Und die »Ohrwurm«-Gäste blieben dem Treiben am vergangenen Wochenende auch wieder fern. Scheint, als wäre auch die offene Bühne im Soundcafé zur »geschlossenen Gesellschaft« geworden.
Dagegen wehrt sich Seidel allerdings mit neuen Ideen: »Weitere Kooperationen sind geplant.« Etwa mit der Stiftung Pfennigparade oder dem Verein Blinde Musiker e.V. habe er bereits erste Kontakte geknüpft und Gespräche geführt. Konkrete neue Projekte für die offene Bühne seien allerdings erst für Herbst geplant. G. Feind