Veröffentlicht am 11.05.2026 13:02

Das Krokodil im Kasten

Markus Hummel und Sonja Graf spielen „Das Krokodil im Kasten”, führen Regie und haben das Buch zu dem Stück geschrieben. (Foto: S & W. Kunst)
Markus Hummel und Sonja Graf spielen „Das Krokodil im Kasten”, führen Regie und haben das Buch zu dem Stück geschrieben. (Foto: S & W. Kunst)
Markus Hummel und Sonja Graf spielen „Das Krokodil im Kasten”, führen Regie und haben das Buch zu dem Stück geschrieben. (Foto: S & W. Kunst)
Markus Hummel und Sonja Graf spielen „Das Krokodil im Kasten”, führen Regie und haben das Buch zu dem Stück geschrieben. (Foto: S & W. Kunst)
Markus Hummel und Sonja Graf spielen „Das Krokodil im Kasten”, führen Regie und haben das Buch zu dem Stück geschrieben. (Foto: S & W. Kunst)

Am Samstag, 30., und am Sonntag, 31. Mai, zeigt das Theater des hölzernen Gelächters seine Produktion „Das Krokodil im Kasten und andere phantastische Tiere”. Das Stück nach Fjodor M. Dostojewski, Franz Kafka und anderen ist in der Elisabethstraße 53, jeweils um 20.00 zu sehen. Es beinhaltet Filmprojektionen und Live-Musik. Der Eintrittspreis beträgt regulär 15 Euro. Karten sind unter Telefon 089/127 37 135 oder per E-Mail an die Adresse brmarkus@yahoo.com erhältlich.

Unseliger Iwan

„Ich sah – o Gott! Was musste ich erblicken! Ich sah den unglücklichen Iwan Matwejewitsch in den schrecklichen Kiefern des Krokodils, das ihn quer um den Leib gefasst hatte und ihn hoch in die Luft hob, wo er verzweifelt mit den Beinen strampelte. Noch einen Moment – und mein unseliger Freund war ganz verschwunden…”, lautet ein Zitat aus dem Dostojewskis 1865 erschienenen Erzählung „Das Krokodil”.

    Was aber treibt Iwan Matwejewitsch im Bauch des Krokodils? Denn das Tier hat ihn ja nicht einfach gefressen, es hat ihn nur verschlungen. Und deshalb sitzt er nun dem Ungetüm wohlbehalten und unverdaut im Magen, denkt über die Menschheit nach und verkündet „Wahrheit und Licht”. Wie es zu der Katastrophe gekommen ist? Nun, eines Tages hat der Beamte beschlossen, in Gesellschaft seiner Frau und eines befreundeten Verwandten und Kollegen, die Attraktion einer Schaubude in Petersburg zu besichtigen, nämlich ein in einem Blechkasten ausgestelltes Krokodil. In einem Moment der Unachtsamkeit schnappt das Biest zu, doch Iwan Matwejewitsch wird zunächst von niemandem vermisst. Zumindest nicht weiter. Denn der Staatsdiener hätte – so die allgemeine Ansicht – ohnehin einen dreimonatigen Auslandsaufenthalt angetreten. Derweil erprobt Jelena Iwanowna den Strohwitwenstand und die Kollegen erfreut das vorläufige Verschwinden eines unliebsamen Rivalen. Nach einem ökonomischen Arrangement mit dem Schaubudenbetreiber verwendet der Verschlungene also die neu gewonnene Aufmerksamkeit für sich...

    Sensationelles von tierlichen Helden

    Fjodor M. Dostojewskis (1821 – 1881) absurde und phantastische Satire reicht weit über eine bloße Persiflage kapitalistischer oder politischer Verhältnisse hinaus. Der kaleidoskopartige Wechsel der Perspektiven in der Verkehrung der Realitäten und die strikte Behauptung verblüffender Unwahrscheinlichkeiten erzeugen eine Atmosphäre des Traumes, wenn nicht gar des Alptraums, der letztlich keine Lösung findet. Grundlegen dafür ist das Prinzip der Grenzüberschreitung – ironisch oder beunruhigend –, die auch zahlreiche andere literarische Tiergeschichten kennzeichnet. Wie in Franz Kafkas (1883 – 1924) berühmter Erzählung „Josefine, die Sängerin”, in der er das Volk der Mäuse über den fragilen Wert der Kunst disputieren lässt. Das Theater des hölzernen Gelächters versammelt einige der tierlichen Heldinnen und Helden, von denen Sensationelles berichtet wird.

    Die Idee und das Buch zu dem Stück stammen von Sonja Graf und Markus Hummel. Die beiden Darsteller führen auch die Regie und sind für die Kameraaufnahmen verantwortlich. Die Produktion findet mit Unterstützung des BA 4 (Schwabing-West) der Landeshauptstadt München statt.

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