Nachlass von Franziska zu Reventlow vollständig digitalisiert

Doppelporträt von Franziska zu Reventlow (rechts) und Anna Petersen, aufgenommen 1890 im Fotostudio A. Duvez.  (Foto: Preetz, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia, FR F 38-1)
Doppelporträt von Franziska zu Reventlow (rechts) und Anna Petersen, aufgenommen 1890 im Fotostudio A. Duvez. (Foto: Preetz, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia, FR F 38-1)
Doppelporträt von Franziska zu Reventlow (rechts) und Anna Petersen, aufgenommen 1890 im Fotostudio A. Duvez. (Foto: Preetz, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia, FR F 38-1)
Doppelporträt von Franziska zu Reventlow (rechts) und Anna Petersen, aufgenommen 1890 im Fotostudio A. Duvez. (Foto: Preetz, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia, FR F 38-1)
Doppelporträt von Franziska zu Reventlow (rechts) und Anna Petersen, aufgenommen 1890 im Fotostudio A. Duvez. (Foto: Preetz, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia, FR F 38-1)

Die Monacensia, das im Hildebrandhaus sitzende Literaturarchiv der Stadt München, hat zum 155. Geburtstag von Franziska zu Reventlow am 18. Mai 2026 den kompletten Nachlass der Schriftstellerin online gestellt.

Die gemeinfreien Materialien – darunter persönliche Briefe, 15 Tagebücher aus den Jahren 1886 bis 1910, biografische Dokumente, Fotografien und Manuskripte – sind ab sofort weltweit über Monacensia-Digital frei zugänglich. Damit macht die Monacensia einen der bedeutendsten weiblichen literarischen Bestände der Moderne umfassend recherchierbar.

Eine Ikone der Freiheit

Franziska zu Reventlow (1871–1918), geboren im Schloss vor Husum, gilt als eine der schillerndsten Figuren der Schwabinger Boheme. Ihr Leben war geprägt von künstlerischer Eigenständigkeit, gesellschaftlicher Unangepasstheit und literarischer Produktivität. In München verkehrte sie im Kreis der „Kosmiker”, veröffentlichte im „Simplicissimus” und schrieb Romane wie „Ellen Olestjerne” (1903), „Herrn Dames Aufzeichnungen” (1913) und „Der Geldkomplex” (1916). Reventlow starb 1918 in Locarno.

1,5 laufende Meter Material

Der Reventlow‑Nachlass umfasst 14 Archivkartons mit rund 1,5 laufenden Metern Material und 1.080 Verzeichniseinheiten. Besonders umfangreich ist die Korrespondenz: Sie besteht vor allem aus Briefen an Franziska zu Reventlow aus verschiedenen Lebensphasen – von frühen persönlichen Beziehungen über literarische Kontakte bis hin zu Personen, von denen sie Unterstützung erhielt.

Eine Besonderheit sind hierbei zwei umfangreiche Konvolute eigenhändiger Briefe Franziska zu Reventlows – über 200 an ihren Jugendfreund Emanuel Fehling und rund 70 an Hans Walter Gruhle –, die ungewöhnlicherweise nicht in den Nachlässen der Empfängern, sondern geschlossen im Bestand überliefert sind. Ergänzt wird das Material durch 110 Fotografien, biografische Unterlagen sowie wenige Manuskripte.

Mit der vollständigen Digitalisierung sind diese Quellen nun zum ersten Mal ortsunabhängig zugänglich. Für die internationale Forschung bedeute laut Monacensia das einen erheblichen Fortschritt: Briefwechsel lassen sich leichter abgleichen, editorische Lücken werden sichtbar - und Forschende können ohne Reiseaufwand auf das gesamte Material zugreifen.

Weibliches Kulturerbe im Fokus

Die digitale Bereitstellung des Reventlow-Nachlasses ist ein zentraler Baustein im sammlungspolitischen Fokus der Monacensia. Im Projekt #FemaleHeritage rückt das Literaturarchiv gezielt weibliches Kulturerbe in den Fokus und macht Autorinnen sichtbar, die die Kultur- und Stadtgeschichte wesentlich geprägt haben. Direkt abrufbar ist der Reventlow‑Nachlass online unter www.monacensiadigital.de/reventlow.

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