Seit über zwei Jahren trifft sich die Gruppe „Farbgespräche” in den Räumen des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) Neuhausen-Nymphenburg. Von Anfang an standen dabei verschiedene Methoden aus den Bereichen Achtsamkeit, Kommunikation und Gruppenbildung im Mittelpunkt – und natürlich das kreative und gestalterische Arbeiten. Das Interesse an diesem Angebot war von Beginn an groß. Ebenso deutlich wurde der Wunsch nach einem niedrigschwelligen, barrierearmen Raum für Menschen, die mit erheblichen psychischen Belastungen leben: einem Raum, in dem sie sich ausprobieren können; einem Raum, in dem sie ihren Gefühlen begegnen dürfen, ohne etwas leisten oder darstellen zu müssen; einem Raum, in dem sie nicht funktionieren müssen.
Kreatives Arbeiten bedeutet hier weit mehr, als Farben auf Papier zu bringen oder ein Bild zu gestalten. Es kann helfen, Gefühle auszudrücken, für die es vielleicht noch keine Worte gibt. Es kann Anspannung und Stress reduzieren, innere Ruhe ermöglichen und neue Zugänge zu sich selbst eröffnen.
Die Farbgespräche bieten außerdem etwas, das keineswegs selbstverständlich ist: regelmäßige Begegnungen und Gemeinschaft. Viele der Teilnehmenden leben eher zurückgezogen, manche erfahren soziale Isolation oder leiden unter Ängsten, die Begegnungen mit anderen Menschen erschweren. In der Gruppe entstehen Kontakte oft ganz nebenbei. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich aus, lacht miteinander und erlebt, dass man mit seinen Gedanken und Gefühlen nicht allein ist.
Und dann geschieht noch etwas: Die eigenen Arbeiten werden sichtbar. Was zunächst vielleicht nur ein persönlicher Ausdruck war, etwas, das im geschützten Rahmen entstanden ist, bekommt Bedeutung. Die Bilder werden betrachtet, besprochen und wertgeschätzt. Das eigene Schaffen wird greifbar – und mit ihm vielleicht auch ein Stück mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Bis zum 11. November sind die Arbeiten der „Farbgespräche” im Kulturzentrum Trafo (Nymphenburger Straße 171a) öffentlich ausgestellt. Für alle Beteiligten ist diese Ausstellung ein besonderer Moment: Sie können stolz auf das sein, was hier entstanden ist: auf die einzelnen Werke, auf die gemeinsame Arbeit und auf den Mut, diese Arbeiten einem größeren Publikum zu zeigen.
Diese Ausstellung möchte ein sichtbares, buntes Zeichen gegen Stigmatisierung und für Offenheit, für Lebensfreude und für Vielfalt setzen. Sie zeigt Menschen nicht allein über ihre Belastungen oder Einschränkungen, sondern über das, was sie gestalten, ausdrücken und mit anderen teilen möchten.