Seit Jahren stehen etliche Räumlichkeiten in der Eschenpassage leer. Die trostlose Situation wollte Vhs-Vorsitzende Naciye Özsu nicht einfach hinnehmen und initiierte im vergangenen Herbst über die Rock Capital Group die Zwischennutzung von leerstehenden Räumen für Künstler, soziale Einrichtungen und Vereine für gerade einmal 4,50 Euro Miete pro Quadratmeter. Jetzt wurde diese Zwischennutzung verlängert. Die Wochenanzeiger sprachen mit Özsu über die aktuelle Entwicklung.
Unmittelbar nachdem die Zwischennutzung verlängert wurde, haben sich einige der Nutznießer beklagt, dass sie nicht wissen, wie es weitergeht. Von einer „ungewissen Zukunft“ war die Rede. Was ist denn da passiert?
Naciye Özsu: Die Zwischennutzung der Räume für Werkstätten, Ateliers und Kursangebote sind eine große Bereicherung für unsere Gemeinde und die totgeglaubte Eschenpassage. Sie war zunächst bis Ende März befristet. Das war von Anfang an kommuniziert und allen Nutzern bewusst. Dank der Unterstützung der Rock Capital Group konnte ich vor Ablauf der Verträge eine Verlängerung der Zwischennutzung um weitere drei Monate erwirken. Die Räumlichkeiten stehen uns also bis Ende Juni weiter zur Verfügung.
Dass dennoch von „Unsicherheit“ gesprochen und geschrieben wurde, hat mich überrascht. Umso mehr freue ich mich, dass wir noch einmal neue Impulse für den Austausch geben können.
Kann die Zwischennutzung nach Juni ein weiteres Mal verlängert werden?
Naciye Özsu: Nein. Das haben wir mit den Eigentümern besprochen. Eine nochmalige Verlängerung im Sommer ist leider nicht machbar. Das wissen alle Nutzer.
Einige der ursprünglichen Nutzer sind in der „zweiten Runde“ nicht mehr dabei …
Naciye Özsu: Wir hätten die Zwischennutzung gerne mit allen ursprünglichen Mietern fortgeführt. Es ist mir ein großes Anliegen, mit der Zwischennutzung Taufkirchner Künstlern und Kreativen eine Chance und vor allem Sichtbarkeit in der Mitte unserer Gemeinde zu geben. Dafür habe ich mich gerne ehrenamtlich eingesetzt, die Organisation übernommen und bei Problemen mit der Zahlung der ohnehin geringen Miete vermittelt.
Einige Mieter haben sich im März entschieden, ihre Räume nicht weiter zu nutzen. Diese Räume stehen jetzt anderen Taufkirchnern zur Verfügung, die sich natürlich sehr über diese Chance freuen. Wir haben jetzt mit Roswitha Töchterle eine Schnittdirektrice, die Dirndl- und Trachtenschnitte entwirft; Ebru Albayrak-Kayabasi gibt Acyrlmalkurse; zudem wird Mehmet Kamci Boxkurse und Selbstverteidigungskurse auch für Frauen geben.
Die Eschenpassage steht seit Jahren leer. Macht eine Zwischennutzung für nur einige Monate großen Sinn?
Naciye Özsu: Die Belebung der Passage hat viele Bürgerinnen und Bürger erfreut. Sie haben sich sehr positiv darüber geäußert, dass sich hier etwas bewegt. Insbesondere der Tag der offenen Tür hat uns gezeigt, wie hoch der Bedarf an solchen kulturellen und gemeinschaftlichen Angeboten ist. Leerstand von Räumlichkeiten ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.
Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, wie marode die Eschen- und auch die Lindenpassage mittlerweile sind. Sie blühen mit unserer Zwischennutzung vor dem Umbau noch einmal auf.
Ich bin dankbar, dass wir – jetzt insgesamt für mehr als ein halbes Jahr – einen Ort der Begegnung und konkrete Angebote für die Menschen hier schaffen konnten. Das stärkt den Zusammenhalt ganz unmittelbar. Das ist es, was ich unter pragmatischem Tun und Gemeinschaft verstehe.