Am Vorabend des Internationalen Frauentags, 7. März, kommen auf dem Dach des BADEHAUSES Waldramerinnen zu Wort kommen, die von ihrer Vertreibung aus der alten Heimat und von ihrer Ankunft im Isartal erzählen.
Die Lichterinstallation wird begleitet von einem Kurzvortrag von Brezinova-Maschke und Liedern der jungen Geretsrieder Sängerin Leonie Hahn sowie einem Zeitzeuginnen-Interview mit ihrer Großmutter Anna Hahn, die 1944 mit ihrer Familie aus Ungarn fliehen musste. Anschließend findet im Erinnerungsort BADEHAUS ein Empfang statt, bei dem man mit den Zeitzeuginnen aus der Lichtinstallation ins Gespräch kommen kann.
Diese Kunst- und Geschichtsaktion im öffentlichen Raum ist ein Gemeinschaftsprojekt des BADEHAUS Teams mit den Wolfratshauser Lichtspezialisten Alfred und Leo Fraas. Die multimediale Projektion wird täglich zweimal hintereinander ab 20 Uhr gezeigt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand bei Wolfratshausen das Lager Föhrenwald, das größte und am längsten bestehende Lager für jüdische DPs (Displaced Persons). Heimatlos gewordene Juden warteten hier auf ihre Ausreise unter anderem nach Israel und Canada. Manche von ihnen bleiben nur für wenige Tage im Lager Föhrenwald, andere leben dort Jahre, denn das Lager wurde erst 1957 aufgelöst. Ein 2018 eröffnetes Museum in Wolfratshausen-Waldram (früherer Ortsteil Föhrenwald) zeigt, wie das Leben damals in Föhrenwald verlief. Das Areal war 1956 vom Katholischen Siedlungswerk gekauft worden, um dort katholische Heimatvertriebene aus beispielsweise Böhmen, Mähren oder Schlesien ein neues Zuhause zu bieten. Während auf der einen Seite die jüdischen Mitbewohner sich aufmachten, das Land zu verlassen oder sich anderweitig in Deutschland niederzulassen (rund 500 gingen nach München, hauptsächlich nach Giesing, Anm. d. Red.), zogen die Heimatvertriebenen in die Siedlung ein. Nicht frei von Spannungen war diese Zeit, aber es gab auch Freundschaften, die dort geschlossen wurden, die ein Leben lang hielten, wie man in der Ausstellung erfahren kann. An diese Geschichte erinnert in Waldram heute nur noch das Badehaus, das von einer Bürgerinitiative vor sieben Jahren vor dem Abriss gerettet und dank vieler Unterstützer und jeder Menge ehrenamtlichen Engagements zum Museum umgebaut wurde. Die Vorsitzende des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ Dr. Sybille Kraft ist stolz auf die Arbeit, die der Verein bis heute geleistet hat und weiterhin leistet. Rund 17.000 Ehrenamtliche Stunden sind in die Sanierung des Hauses und die Konzeption des Museums geflossen, ein Ende ist nicht abzusehen, denn alle Dienste rund ums Museum werden auch weiterhin ehrenamtlich erbracht. Die Menschen, die von 1945 bis 1957 in Föhrenwald lebten, hatten sich ihre eigene jüdische Welt, ihr „Schtetl“ erschaffen. Eine Synagoge gab es ebenso wie Schulen, Krankenstationen, ein Kino, ein Waisenhaus, denn viele Kinder hatten ihre Familien verloren als auch einen Sportverein. Für Deutsche war der Zutritt zum „Schtetl“ verboten. Zunächst stand es unter der Leitung der Amerikaner, die es Anfang der 50er Jahre dann an die Deutsche Regierung übergaben. Die Sprache im Schtetl war Jiddisch, das von nahezu allen Einwohnern dort gesprochen wurde. Aber nicht nur das religiöse Leben wurde wieder aufgenommen, sondern auch das politische, denn viele bereiteten sich dort auf die Auswanderung nach Israel vor. Anhand von vielen Einzelschicksalen wird der Weg, den der heutige Ortsteil durchschritten hat, aufgezeigt und deutlich gemacht. Das Museum hat an den Wochenenden geöffnet, es befindet sich in Waldram-Wolfratshausen am Kolpingplatz 1. Es ist immer freitags von 9 bis 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr erfährt man unter www.erinnerungsort-badehaus.de