Veröffentlicht am 09.10.2026 11:45

Auf der Wiesn mehr Gewalt gegen Mädchen und Frauen

Die „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*” ist eine gemeinsame Aktion von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauen*notruf München. (Foto: Aktion Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen* / AMYNA e.V. )
Die „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*” ist eine gemeinsame Aktion von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauen*notruf München. (Foto: Aktion Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen* / AMYNA e.V. )
Die „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*” ist eine gemeinsame Aktion von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauen*notruf München. (Foto: Aktion Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen* / AMYNA e.V. )
Die „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*” ist eine gemeinsame Aktion von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauen*notruf München. (Foto: Aktion Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen* / AMYNA e.V. )
Die „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*” ist eine gemeinsame Aktion von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauen*notruf München. (Foto: Aktion Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen* / AMYNA e.V. )

Im Jahr 2026 suchten 363 Mädchen und Frauen den Safe Space der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*” auf dem Oktoberfestgelände auf. Damit ist die Nachfrage nach Hilfsangeboten ähnlich hoch wie im Vorjahr - 2025 warenes 355 Fälle. Bei den konkreten Anlässen, wegen derer Mädchen und Frauen sich Hilfe holten, sind heuer allerdings deutlich mehr Gewaltfälle zu verzeichnen als im Vorjahr.

Übergriffe durch Fremde und Partner

In 44 Fällen suchten Mädchen und Frauen den Safe Space aufgrund aktuell erlebter Gewalt auf. In 27 dieser Fälle handelte es sich um sexualisierte Gewalt. Die Übergriffe reichten von unerwünschten Berührungen und ungewollten Küssen bis hin zu schweren sexualisierten Übergriffen. 17 Besucherinnen berichteten von körperlicher Gewalt durch Fremde oder den eigenen Partner.
Damit liegt der Anteil der Gewalterfahrungen mit rund 12 % deutlich über dem Wert des Vorjahres (2025: 7% / 25 Fälle).
Gerade bei solchen Vorfällen war das Team besonders gefordert. Nach einer ersten Einschätzung der Lage stand die individuelle Versorgung, Stabilisierung und Beratung im Fokus. Auf Wunsch begleiteten die Mitarbeiterinnen die Betroffenen zur Anzeigeerstattung bei der Wiesnwache. Je nach Situation wurden weitere Hilfen organisiert, beispielsweise medizinische Versorgung, ein sicherer Schlafplatz, ein geschützter Heimweg oder die Vermittlung an weiterführende Beratungs- und Unterstützungsangebote.
In 29 weiteren Fällen war eine intensivere Betreuung notwendig, da psychische Krisen Anlass für das Aufsuchen des Safe Spaces waren. Zu den Gründen gehörten unter anderem vergangene sexualisierte Gewalterfahrungen, familiäre Belastungssituationen oder psychiatrische Vorerkrankungen.
In acht Fällen bestand der ernsthafte Verdacht auf die Verabreichung von K.O.-Tropfen. Hier ist davon auszugehen, dass es in diesem Bereich - ebenso wie bei sexualisierter Gewalt und Partnerschaftsgewalt - eine hohe Dunkelziffer gibt.

Sicher nach Hause

Ein häufiges Anliegen der Besucherinnen war auch in diesem Jahr die sichere Heimkehr. 94 Besucherinnen hatten ihre Freund*innen, Partner*innen, Reisegruppe oder wichtige Wertgegenstände wie Schlüssel, Zimmerkarteoder Geldbörse verloren und benötigten Unterstützung, um sicher nach Hause oder zurück ins Hotel zu kommen. In 49 Fällen ging es ganz konkret um die Organisation und / oder Unterstützung eines sicheren Nachhausewegs. Zum Beispiel dann, wenn Frauen sich auf dem Gelände oder dem Heimweg nicht (mehr) sicher fühlten.
28 Mädchen und Frauen suchten Hilfe aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum.
Darüber hinaus benötigten auch Besucherinnen, die als Bezugspersonen z.B. von Betroffenen indirekt von Gewalt betroffen waren, Unterstützung und Stabilisierung. Auch in diesen Fällen (55) sorgte das Team für einen sicheren Nachhauseweg und informierte über Möglichkeiten einer professionellen Nachsorge.

878 Hilfeleistungen in 363 Fällen

Insgesamt erbrachten die Mitarbeiterinnen des Safe Spaces in diesem Jahr 878 konkrete Hilfeleistungen in 363 Fällen. Das Team beriet und stabilisierte jede Klientin individuell und unterstützte die Hilfesuchenden in ganz unterschiedlichen Situationen.
Die Hilfe reichte vom Wiederauffinden von Personen und Wertgegenständen über die Recherche von Adressen und Zugabfahrtszeiten bis hin zur Organisation eines sicheren Heimwegs. Die Mitarbeiterinnen begleiteten Wiesnbesucherinnen zur U-Bahn, zum Treffpunkt oder zum Taxi, liehen Geld oder Kleidung aus, luden Handys, vermittelten an Polizei oder Aicher Ambulanz, kümmerten sich um Nachsorgeangebote oder stellten einen Fahrdienst zur Verfügung.

Ein großer Teil der Hilfesuchenden waren Mädchen und junge Frauen. 315 der Klientinnen waren jünger als 30 Jahre, darunter 46 Minderjährige. Damit machten die Unter-30-Jährigen rund 87% aller Klientinnen aus.Die jüngste Hilfesuchende war 14 Jahre alt, die älteste 75.
42% der Mädchen und Frauen stammten aus der Stadt München oder dem Landkreis. Weitere 23% kamen aus anderen Teilen Deutschlands. Rund 33% der Hilfesuchenden waren Touristinnen aus dem Ausland.

Andere halfen

Ähnlich wie im Vorjahr kamen viele der Hilfesuchenden selbstständig zum Safe Space, um aktiv Hilfe und Unterstützung zu suchen (98 Personen). Ein weit größerer Teil allerdings fand den Weg mithilfe anderer Dienste oder Personen: 92 Mädchen und Frauen wurden über die Aicher Ambulanz vermittelt; weitere 48 über die Polizei. 51 Mal verwiesen Securities oder Oktoberfestpersonal Hilfesuchende an den Safe Space. In 35 Fällen wurden Mädchen und Frauen von Wiesnbesucher zum Safe Space begleitet.

Danke

Das Team des Safe Spaces bedankt sich herzlich für die erneut hervorragende Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Behörden, Organisationen und Diensten rund um das Oktoberfest. Ein besonderer Dank gilt auch den vielen engagierten Einzelpersonen, die die Aktion „Sichere Wiesn” und die Hilfe für Mädchen und Frauen tatkräftig unterstützen.

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