Besonderer Baum

Moosach · Röth-Linde steht seit über 300 Jahren in Nederling

Die Röth-Linde an der Nederlinger Straße gilt als ältester Baum auf Münchner Stadtgebiet. Kleines Bild: Der Landschaftsmaler Phlipp Röth saß oft unter der Linde, die heute seinen Namen trägt. Fotos: bs

Die Röth-Linde an der Nederlinger Straße gilt als ältester Baum auf Münchner Stadtgebiet. Kleines Bild: Der Landschaftsmaler Phlipp Röth saß oft unter der Linde, die heute seinen Namen trägt. Fotos: bs

Moosach · Moosach ist modern, aber Moosach hat auch viel Tradition. Die früher eigenständige Landgemeinde wurde schon 807 erstmals urkundlich erwähnt, womit Moosach zu den ältesten Orten im Raum München zählt. Die alte Pfarrkirche St. Martin gehört zu den ältesten erhaltenen Kirchen im Stadtgebiet.

Zudem steht am Georg-Brauchle-Ring das höchste Haus der Stadt – und auch im Bereich Natur ist Moosach rekordverdächtig: Die Röth-Linde gilt als Münchens ältester Baum.

Alteingesessenen dürfte der mächtige Baum wohl bekannt sein, Neu-Moosachern vielleicht noch nicht: Das Naturdenkmal steht am Rand der stark befahrenen Nederlinger Straße, südlich der Kleingartenanlage Nord-West 12, nicht weit vom Westfriedhof. Gegenüber der ehrwürdigen Linde führt eine Einfahrt zum Gut Nederling, einem ehemaligen Bauernhof, in dem später Theaterstücke aufgeführt wurden. Jetzt ist hier ein Haus für Kinder eingerichtet.

Mindestens 300 Jahre alt ist sie, die Linde, vielleicht sind es auch 350 Jahre. Manche Quellen sprechen sogar von bis zu 600 Jahren. Da der Baum innen hohl ist, können auch Botaniker das exakte Alter des Baumes nicht bestimmen, jedenfalls nicht, ohne ihn anzubohren. Das würde er aber nicht überleben. Ein noch älterer Baum ist in München jedenfalls nicht bekannt. Gewiss ist hingegen, dass die Linde rund 23 Meter hoch ist und einen Stammumfang von über sechs Metern aufweist.

Botanisch gesehen ist die Röth-Linde eine Winterlinde, die nach Angaben des LBV München (Landesbund für Vogelschutz) zu den häufigsten Straßenbäumen zählen. Sie wachsen in gut wasserversorgten, nährstoffreichen, tiefgründigen Böden, gelten dabei als weniger anspruchsvoll als die Sommerlinde. Bescheidenheit – auch bei Bäumen eine Voraussetzung, um lange und gesund zu leben. Generell können Winterlinden bis zu 1000 Jahre alt werden.

Benannt nach Landschaftsmaler

Ihren Namen hat die Röth-Linde von Philipp Röth (1841-1921) bekommen, daran erinnert eine Gedenktafel am Stamm. Der gebürtige Darmstädter war ein Maler und Zeichner. Seine Werke ordnen Experten der Spätromantik und dem Impressionismus zu. Röth kam über Düsseldorf in den Raum München. Er lebte in Haimhausen, Dachau sowie in Gern. Oft saß Röth unter der heute nach ihm benannten Linde und malte Landschaftsbilder. Der Baum muss seinerzeit schon mindestens 200 Jahre auf dem Buckel gehabt haben. Möglicherweise ist er bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) als Friedenslinde gepflanzt worden.

Geschichtlich hat die Röth-Linde einige Kriege, das Königreich Bayern und vor allem eine immer weiter wachsende Stadt München um sich herum miterlebt. Sie selbst ist aber nie einem Bauvorhaben zum Opfer gefallen. Bei der Gemeindebildung im Königreich Bayern 1818 war Nederling, damals eine Einöde mit zwei Bauernhöfen, der Gemeinde Moosach zugeschlagen worden. 1913 wurden beide Orte – und damit auch die Linde – ein Teil der Stadt München. Heute genießt der betagte Baum als eines von 117 Naturdenkmälern in München einen besonderen Schutz und ist ein beliebtes Fotomotiv. Möge die Röth-Linde noch lange leben!
Benjamin Schuldt

Artikel vom 12.01.2022
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