Poetischer Adventskalender im Giesinger Untergrund

Giesing · 24 Felder mit frischer Lyrik

Vom 4. bis zum 28. Dezember dient dieses Plakat im U-Bahnhof Silberhornstraße den Passanten als poetischer Adventskalender. Foto: Poesieboten

Vom 4. bis zum 28. Dezember dient dieses Plakat im U-Bahnhof Silberhornstraße den Passanten als poetischer Adventskalender. Foto: Poesieboten

Giesing · „Für Sterne sind wir die Sterne“ : Dieser poetische Perspektivwechsel prangt oben auf einem Großflächenplakat in der Schalterhalle der Giesinger U-Bahnstation Silberhornstraße, schräg gegenüber vom Lift.

Vom 4. bis 28. Dezember dient das Plakat den Passanten als poetischer Adventskalender. Täglich füllt sich hier eines der 24 freien Felder mit frischer Lyrik, von einem Poeten oder einer Poetin des Poesiebriefkastens selbst gedichtet und mit der Hand hineingeschrieben. Der Bezirksausschuss 17 Obergiesing-Fassangarten unterstützt das Projekt.

Philosophischer Text eines Künstlers

Auch die Initiative HeimatGiesing und die Südbayrischen Wohnwerkstätten für Blinde und Sehbehinderte haben sich heuer beteiligt ‒ letztere mit einem Werk in Braille-Schrift. Der Künstler Thomas Hirschhorn, dessen Ruinenskulptur aktuell in der Villa Stuck zu begehen ist, steuert einen eigens verfassten philosophischen Text zu den flüchtigen Momenten der Grazie (Gnade) bei, den er Simone Weil gewidmet hat. Auch die Passanten können ihre Gedanken in die vorhanden „Freifensterl“ eintragen oder dazu kleben.

Zum dritten Mal Entschleunigung

Es ist der bereits der dritte poetische Adventskalender, den der Münchner Verein Poesieboten, der von Freunden des Poesiebriefkastens gegründet wurde, in der Giesinger U-Bahnstation veranstaltet. Die Kunstaktion will inmitten des vorweihnachtlichen Trubels und der Hektik eines Sperrengeschosses entschleunigen. Hier auf dem täglichen Weg in die Arbeit oder zum Einkaufen können die Menschen drei Wochen lang miterleben wie nur aus Worten ein gemeinsames Werk entsteht.

Manche Passanten bleiben stehen, um die Gedichte vor Ort zu lesen, andere machen ein Handyfoto, lesen unterwegs und posten es weiter. Diese kurze geistige Verschnaufpause vom Alltagstrott kann schon ein lyrisches Kopfkino auslösen. Und wer weiß, vielleicht wird mancher Lesende selbst zum Dichten angeregt.

Informationen und Fotos zum Verlauf der Aktion finden sich im Internet unter www.poesiebriefkasten.de

Artikel vom 04.12.2018
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