»Ich glaub. Ich wähl.«

Kirchenvorstandswahl in der evangelischen Emmauskirche

Pfarrer Christoph Reichenbacher und Vertrauensmann Helmut Schmidt sagen: »Wählen gehen – und zwar erst am 14. Oktober und dann gleich noch einmal am 21. Oktober.	Foto: hw

Pfarrer Christoph Reichenbacher und Vertrauensmann Helmut Schmidt sagen: »Wählen gehen – und zwar erst am 14. Oktober und dann gleich noch einmal am 21. Oktober. Foto: hw

Harlaching · »Helmut Schmidt sagt: »Bitte gehen Sie wählen!«. Gemeint ist hier aber nicht der 2015 verstorbene Alt-Bundeskanzler, sondern der langjährige Vertrauensmann und Kirchenvorstand der evangelischen Emmauskirche, der ein Namesvetter des SPD-Kanzlers ist.

In ganz Bayern finden in diesem Monat nämlich nicht nur Landtags- sondern auch Kirchenvorstandswahlen statt. Der Kirchenvorstand wird alle sechs Jahr gewählt. In der Harlachinger Emmauskirche stehen 19 Kandidaten zur Wahl, acht davon können gewählt werden. Im Gegensatz zum Kommunalwahlrecht darf man in der evangelischen Kirche bereits mit 16 Jahren an die Wahlurne schreiten, beziehungsweise mit 14 Jahren wenn man bereits konfirmiert ist. Jeder darf maximal acht Stimmen vergeben, jeder Kandidat kann allerdings nur eine Stimme bekommen, häufeln, wie bei der Komunalwahl ist nicht möglich.

Die Möglichkeit zur Briefwahl gibt es auch. »Wir haben alle bereits angeschrieben und hoffen, dass viele in der Emmausgemeinde von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen«, betont Pfarrer Reichenbacher. Der Kirchenvorstand besteht insgesamt aus 13 Personen. Drei davon stellen die Pfarrer der Gemeinde, acht werden gewählt und zwei werden berufen. »Die Berufenen können aus der Wahlliste stammen, aber auch aus anderen kirchlichen Kreisen kommen«, erläutert Pfarrer Reichenbacher. Stolz ist Pfarrer Reichenbacher auch auf die bunte Mischung, die sich hier zur Wahl stellt. »Ein optimaler Kirchenvorstand ist immer eine Mischung aus Erfahrung und Frische.«

Zufrieden ist er auch mit der relativ hohen Wahlbeteiliung in seiner Gemeinde. »Bei uns in der Emmauskirche haben wir eine Wahlbeteiligung von rund 20 Prozent. In München liegt der Durchschnitt bei 13 Prozent«, so Christoph Reichenbacher weiter. Insgesamt sind in Bayern rund 2,4 Millionen Evangelische aufgerufen, sich an den Kirchenvorstandswahlen zu beteiligen. Aus den Reihen des Kirchenvorstandes wird dann ein Vertrauensmann oder eine Vertrauensfrau gewählt.

In den letzten 18 Jahren hat in Emmaus Helmut Schmidt dieses Amt bekleidet. Jetzt mit 84 Jahren wolle er sich aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stellen, bekennt er. Gerne habe er im Kirchenvorstand mitgewirkt, ingesamt mehr als 30 Jahre in wechselnden Positionen. Als »Chefdiplomaten« bezeichnet ihn Pfarrer Reichenbacher anerkennend. Gemeinsam bereiten die Pfarrer und der Vertrauensmann auch die jeweiligen Vorstandssitzungen vor, die etwa einmal im Monat stattfinden.

Der Kirchenvorstand bekleidet in der evangelischen Kirche eine wichtige Position: Gemeinsam mit den Pfarrern einer Gemeinde legen sie fest, wie das Gemeindeleben gestaltet werden soll, welches Personal eingestellt wird und wofür die Haushaltsmittel verwendet werden. In der Emmauskirche hatte der Kirchenvorstand beispielsweise viel Arbeit mit der energetischen Sanierung von Pfarrhaus und Kirche. Hier gilt es nicht nur die Maßnahmen zu diskutieren, sondern auch wie der Eigenanteil, den jede Kirchengemeinde bei solchen Arbeiten aufbringen muss, erwirtschaftet werden kann. So wird von einem Arbeitskreis des Kirchenvorstandes derzeit der Emmaus-Kirchenbasar (13. und 14. Oktober) organisiert. Der Erlös aus den verkauften Spenden kommt der Pfarrei zu Gute.

Aber nicht nur organisatorische Entscheidungen wollen getroffen und beraten werden. Auch wie die Kirchengemeinde gemeinsam leben will. So ist beispielsweise die Emmauskirche auch wochentags zugänglich, damit die Menschen dort ein Ort der Ruhe und des Friedens ist. »Wir wollen eine offene Kirche sein«, betont Pfarrer Reichenbacher im Namen der Emmauskirche. Wer die Kandidaten gerne einmal näher kennenlernen möchte, der hat dazu die Gelegenheit am Sonntag, 7. Oktober.

Im Anschluss an den Familiengottesdienst zu Ernte Dank um 10 Uhr werden sich die Kandidaten für die Wahl bereitstellen und stellen sich gerne den Fragen der Kirchenbesucher. Wer bei der Kirchenvorstandswahl nicht gewählt wird, braucht allerdings nicht traurig sein, denn es ist mittlerweile gute Sitte geworden, dass die Kandidaten, die nicht genug Stimmen auf sich vereinen konnten, in einer Art Beirat bei den Sitzungen des Kirchenvorstandens teilnehmen. »Ideen und Vorschläge sind immer willkommen. Nur bei den Abstimmungen dürfen nur die offiziell gewählten, sowie die Pfarrer als auch die Berufenen abstimmen. hw

Artikel vom 03.10.2018
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