Kein SPD-Landtagskandidat aus dem Landkreis Erding

Erding · Auf Zweitstimmenjagd

Das Erdinger SPD-Team für die kommenden Wahlen (v.l.): Michael Gruber, Elif Cindik, Ulla Dieckmann, Horst Schmidt und Kreisvorsitzende Michaela Meister. 	Foto: bb

Das Erdinger SPD-Team für die kommenden Wahlen (v.l.): Michael Gruber, Elif Cindik, Ulla Dieckmann, Horst Schmidt und Kreisvorsitzende Michaela Meister. Foto: bb

Erding · Das Beispiel Hildegard Kronawitter, die als Münchnerin zehn Jahre den Landkreis Erding im Landtag vertrat und dabei kräftig Zweitstimmen aus München sammelte, galt den Erdinger Genossen auch für die Landtagswahl im September 2013 als Vorbild.

Demnach soll kein Kandidat aus dem Landkreis, sondern die Münchner Deutschtürkin Elif Cindik das schwache Ergebnis von Nicole Schley aus dem Jahr 2008 (13,4 Prozent) möglichst steigern. Zweitstimmenkandidat wurde Horst Schmidt. Für den Bezirkstag treten Ulla Dieckmann (Erststimmen) und Michael Gruber (Zweitstimmen) an.

Das hatte es lange nicht mehr gegeben, dass ein Veranstaltungssaal bei der Kreis-SPD aus allen Nähten platzte. Doch zur Stimmkreiskonferenz waren 35 von 37 Kandidaten aus dem Landkreis samt Anhang und Freunde in den Saal des Gasthauses Zur Post gekommen, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Wer zunächst fehlte, war die Landtagskandidatin Elif Cindik, die mit einer Stunde Verspätung dann aber versprach, künftig häufiger nach Erding kommen zu wollen und auch bald die Wege finden werde. „Ihr müsst mir helfen und sagen, warum die Erdinger „Schwarz“ wählen, was wir ändern können und müssen. Ich kenne mich hier noch nicht aus, werde mich aber voll einarbeiten“, versprach die 42 Jahre alte Psy­chiaterin.

Zunächst lobte Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer per Brief – aufgrund von Haushaltsberatungen war er unabkömmlich in Berlin – dass alle Erdinger SPD-Kandidaten ein Gewinn für die SPD seien. „Der Landkreis Erding ist wirtschaftlich stark mit viel Zuwachs, auch bei den Bewohnern. Nun muss es unser Ziel sein, hier in Zukunft deutlich stärkere sozialdemokratische Ausrufezeichen zu setzen. Elif Cindik ist die richtige Powerfrau für Erding“, meinte Schurer.

Es folgten zahlreiche, formal notwendige Wahlgänge ohne Überraschungen. Als Delegierte zur Wahlkreiskonferenz Oberbayern wurde zunächst SPD-Kreischefin Michaela Meister gewählt, dann setzte sich Nicole Schley im zweiten Wahlgang gegen Horst Schmidt durch. Für den Bezirkstag bewarb sich Ulla Dieckmann. Sie sitzt seit zehn Jahren im Gemeinderat von Wörth, seit 2008 im Kreistag und ist aktuell stellvertretende Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung. „Mein Schwerpunkt wird die Inklusion, also das gleichberechtigte Nebeneinander von Behinderten und Nichtbehinderten sein. Für mich ist außerdem ein Skandal, dass im reichen Landkreis Erding kaum noch Geld da ist für die Jugendhilfe, Suchtprävention und Familienberatung“, schimpfte die Diplom-Sozialpädagogin. Die Thematik Behinderung und Inklusion kennt sie sehr gut, da sie eine behinderte Schwester hat.

Michael Gruber, Zweitstimmenkandidat für den Bezirkstag, ist Marktgemeinderat in Wartenberg, Mitglied des Kreistags und war der letzte Landratskandidat der SPD. „Bei der CSU geht es nur um Erbhöfe und Proporz ohne Kompetenz, bei den Grünen ist es eine ‚One-Woman-Show‘ mit einem einzigen Thema, bei den Freien Wählern weiß man nicht, wer nach der Wahl doch wieder bei der CSU landet, um dort etwas zu werden. Nur die SPD steht hier mit qualifiziertem Personal da!“ Kreisvorsitzende Michaela Meister begründet die Entscheidung der Erdinger Genossen so: „Wir haben uns lange Gedanken über unseren Landtags-Kandidaten gemacht, nachdem Nicole Schley nicht noch einmal antreten wollte. Da in Bayern nur in den Landtag kommt, wer genügend Stimmen hat und nicht der, der über einen guten Listenplatz verfügt, haben wir nach einer entsprechenden Person gesucht, die ausreichend Stimmen in mehreren Wahlkreisen sammeln kann. Alle anderen reden immer nur von der Integration der Migranten, wir praktizieren sie. Mit Elif Cindik haben wir wohl die ideale Kandidatin für die SPD gefunden.“

Elif Cindik ist in der Türkei geboren, in Frankfurt aufgewachsen, hat eine Zeit lang in den USA studiert. Sie ist Psychiaterin sowie ausgebildete Ärztin für das öffentliche Gesundheitswesen. „Ich bin die einzige Türkisch sprechende Psychiaterin in München, daher Expertin für die speziellen Probleme von Migranten in und mit dem deutschen Gesundheitssystem. Als erste Landtagskandidatin im Landkreis Erding mit ausländischem Ursprung hoffe ich natürlich auch auf viele Stimmen von Eingebürgerten, will aber oberbayernweit Zweitstimmen holen“, sagte Cindik. Kümmern will sie sich um die soziale Gerechtigkeit bei den Renten, um die Absicherung aller Einkommensschichten, um die schulische und Ausbildungs-förderung aller, nicht nur der Eliten und um „die Förderung der Singles in Erding – aber gibt es denn viele Singles?“ Bayern sei kein Erbhof der CSU, aus ihrer Sicht könne 2013 tatsächlich ein Machtwechsel stattfinden. „Mein Vorbild ist Hildegard Kronawitter. Wer Ude und die Bayern-SPD will, der muss mich wählen!“, rief sie unter dem Applaus der Genossen. Zweitstimmenkandidat für den Landtag wird Horst Schmidt. Der Vorsitzende der Erdinger SPD, Stadtrat und Fraktionsvorsitzende im Kreistag bewarb sich ausführlich um den letzten Platz, „damit mich die Wähler als ,Rote Laterne‘ leichter auf dem Wahlzettel finden“. bb

Artikel vom 06.12.2012
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