Seit 25 Jahren leistet die Münchner Aids Hilfe wertvolle Arbeit in München. Am Freitag, 13. Februar, feierten Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Gäste im Alten Rathaus das 25-jährige Bestehen der Organisation. Seit 1984 bietet die Münchner Aids Hilfe Infizierten Hilfe. Damals wurde ihnen von der bayerischen Staatsregierung mit Absonderung und Zwangstest gedroht.
Geschäftsführer Thomas Niederbühl eröffnete die Jubiläumsfeier und dankte allen anwesenden Gästen. Darunter Oberbürgermeister Christian Ude, Bürgermeister Hep Monatzeder, Tino Henn von der Deutschen Aids Hilfe, zahlreiche Parteimitglieder, Gründungsmitglieder und einige Ärzte die sich auf HIV spezialisiert haben. Niederbühl ging auf die veränderten Ziele der Münchner Aids Hilfe ein, die sich von Sterbebegleitung mittlerweile zu einem Netz aus Prävention, Aufklärung, Beratung, Betreuung, Arbeits- und Beschäftigungsprojekten entwickelt hat. Anfangs wurde die Arbeit noch im Wohnzimmer organisiert. Später zog die Organisation in einen Keller in der Müllerstraße. Heute befindet sich die Aids Hilfe in einem fünf Etagen umfassenden Büro in der Lindwurmstraße. „Auf diese Entwicklung sind wir stolz”, sagte er.
Oberbürgermeister Christian Ude lobete in seiner Ansprache die Arbeit der Organisation und dankte insbesondere den ehrenamtlichen Mitarbeitern. Er nannte die Politik der Bayerischen Staatsregierung in den 80er Jahren einen „Ausdruck der Hilflosigkeit”. Ude weiter: „Das politische Klima war anders. Grau. Es mutet spätmittelalterlich an.” Das Projekt wird seit 1986 kommunal von der Stadt München mit mittlerweile jährlich 2,5 Millionen Euro unterstützt. Der OB mahnte aber auch, dass das Wissen um Übertragung und Infektion wieder abnehme. Und damit die Zahl der Neuinfizierten steige.
Karolina Gernbauer, Ministerialdirektorin für das Thema Gesundheit im Bayerischen Staatsministerium, vertrat den Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Gesundheit Markus Söder, der terminlich verhindert war. Auch sie dankte den „Gründungsmitgliedern für die Pionierarbeit” und der Münchner Aids Hilfe für die Aufklärungsarbeit. Sie warnte vor einer „gefährlichen Gleichgültigkeit”, was die Infizierung mit HIV angehe.
Als letzter sprach der Mediziner Hans Jäger, der sich auf die Betreuung und Behandlung von HIV-Infizierten spezialisiert hat. Er legte drei Fälle dar, die er während seiner Arbeit behandelt hat und zeigte daran, dass man heute auch mit Aids ein geregeltes Leben führen kann. Jäger geht davon aus, dass Aids in absehbarer Zeit heilbar ist, wenn die Entwicklung der Medizin weiter so rasant voranschreitet. Als Möglichkeit der Prävention führte er Aidsmedikamente an, die — ähnlich wie bei Malaria — bei gesunden Menschen die Ansteckungsgefahr verringern sollen. Die Möglichkeit der Impfung sei für die Zukunft geplant, momentan sei aber nur die Virusunterdrückung möglich. Bis dahin besitze die Krankheit allerdings ein „hohes Diskriminierungspotential”. Jäger erklärte, dass 50 Prozent der Ansteckungen durch frisch Infizierte stattfänden, die selbst noch nichts von ihrer Krankheit wissen. Bei allem medizinischen Fortschritt dürfe die Krankheit Aids auf keinen Fall unterschätzt werden. „Jede Infektion ist eine zuviel.” Er empfahl deshalb regelmäßige Tests, um die Gefahr einer unerkannten Infizierung zu minimieren.