Zum zweiten Mal luden HORIZONT-Gründerin Jutta Speidel und ihr Team zur HORIZONT-Dialogreihe ein. Nach der erfolgreichen Veranstaltung letzten Herbst zum Thema Gewalt gegen Frauen, führte Moderatorin Tina Gentner auch diesmal wieder durch ein inspirierendes Panel, in dem Dr. Mertcan Usluer und Christina Pingel zentrale Fragen rund um Geschlechterungleichheiten im Gesundheitswesen erörterten. Im Fokus stand die Frage, warum Frauen in unserem Gesundheitssystem oft benachteiligt werden – von Forschung und Diagnostik bis hin zur Behandlung (u.a. von Endometriose).
Christina Pingel, Autorin von „Diagnose: Frau - Wie mich die männerbasierte Medizin fast das Leben kostete“ (Piper Verlag) und Aktivistin, schilderte ihre persönlichen Erfahrungen. Ihr Herzleiden blieb über Jahre hinweg unerkannt, sogar eine lebensnotwendige Herzoperation musste verschoben werden, weil medizinische Abläufe den weiblichen Zyklus nicht ausreichend berücksichtigten.
Eindringlich schilderte sie, wie die Symptome ihrer Krankheit in der medizinischen Routine nicht ernst genommen wurden und ihr Alltag geprägt war von Unsicherheit, Wartezeiten und Angst.
Dr. Mertcan Usluer, Arzt, Journalist und Content Creator, erklärte, dass viele medizinische Standards und Lehrinhalte nach wie vor überwiegend auf männlichen Körpern basieren. Unterschiede zwischen den Geschlechtern würden in Ausbildung und Praxis zu wenig vermittelt, was zu Fehldiagnosen und verzögerter Behandlung führen könne.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Prävention und niedrigschwelliger Gesundheitsversorgung. Die Diskussion hob die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen fehlender Vorsorge hervor: Spätfolgen, höhere Kosten und eine weitere Verschärfung von Ungleichheiten. Die Frage, wie bereits im Kindesalter gesellschaftliche Rollenbilder geprägt werden, stand ebenfalls im Mittelpunkt. Die Expert:innen betonten, dass Empathie, Gesundheitsbildung und eine Sensibilisierung von (männlichen) Ärzten früh ansetzen müssen, um langfristig eine gerechtere Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.
HORIZONT-Gründerin Jutta Speidel betonte die Relevanz geschlechtersensibler Gesundheitsversorgung. In diesem Zusammenhang kündigte sie die Eröffnung eines neuen HORIZONT-Hauses mit integriertem „Haus für Gesundheit und Therapie“ im Herbst 2026 an. Ziel ist es, niedrigschwellige und ganzheitliche Unterstützung für Frauen zugänglich zu machen.