Schnelle, niederschwellige und kostenlose Hilfe bei psychischen Problemen aller Art - das bieten die Sozialpsychiatrischen Dienste Bogenhausen/Region Nord-Ost. Die Beratungsstelle sitzt in der Denninger Straße 225. Zuständig ist sie nicht nur für den Stadtbezirk Bogenhausen, sondern auch für Ismaning, Unterföhring und weitere Gemeinden im Landkreis München.
„Wir haben ein niederschwelliges Angebot”, erklärt Olivia Kirchner. Die Sozialpädagogin leitet die Einrichtung, die sich im Süden Dennings befindet. Niederschwellig, das heißt: Jeder, der eine psychische Erkrankung aufweist oder sich in einer psychisch belasteten Lebenslage befindet, kann in der Beratungsstelle nach Terminvereinbarung (siehe Kasten) Hilfe bekommen - auch ohne zuvor gestellte ärztliche Diagnose. Das Angebot ist kostenlos, finanziert wird es hauptsächlich vom Bezirk Oberbayern und der Landeshauptstadt München. Träger der Beratungsstelle ist die Diakonie München und Oberbayern.
Genau genommen, sitzen in Denning sogar zwei Beratungsstellen unter einem Dach: Die Sozialpsychiatrische Fachstelle für Menschen von 18 bis 59 Jahren deckt neben dem Stadtbezirk Bogenhausen auch die Landkreisgemeinden Ismaning, Unterföhring, Aschheim, Kirchheim und Feldkirchen sowie die Stadt Haar ab. Die Gerontopsychiatrische Fachstelle richtet sich hingegen nur an Menschen ab 60 Jahren, die in den genannten Kommunen des Landkreises München wohnen. In Ismaning, Unterföhring und Haar finden regelmäßig Außensprechstunden statt, zudem sind je nach Lebenssituation auch Hausbesuche oder Online-Beratung möglich. Für Senioren aus Bogenhausen wiederum ist die Sozialpsychiatrische Fachstelle im Stadtteil Hasenbergl zuständig.
„Allgemein helfen wir Menschen im schwierigen Lebensphasen”, erklärt Olivia Kirchner. Das können Depressionen, Ängste, Traumata, Trauer oder allgemeine Lebenskrisen sein. Für Suchtpatienten gibt es eigene Suchtberatungsstellen. Da Betroffene meistens aber auch weitere psychische Probleme aufweisen, ist eine Sucht kein Ausschlusskriterium. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialpsychiatrischen Fachstelle hören den Klienten zu, beraten sie und vermitteln sie bei Bedarf an Kliniken oder andere Stellen weiter. Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.
Zwar ersetzen die Angebote keine Therapie, aber sie können dabei helfen, einen ersten Schritt in Richtung Therapie zu machen. Sie unterstützen zudem Menschen, die gerade aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden sind, auf ihrem Weg zurück in den Alltag. „Man kann sagen, dass wir überbrücken und begleiten”, meint Kirchner: „Wir übernehmen eine stabilisierende Funktion.”
Im Jahr 2025 haben laut der Leiterin 526 Menschen Hilfe in der Beratungsstelle Bogenhausen/Nord-Ost gesucht. Davon waren 441 Betroffene und 85 Angehörige. „Gerade Angehörige von psychisch kranken Menschen kommen schnell an ihre Grenzen”, sagt Olivia Kirchner. Die Zahl der Anfragen pro Jahr ist während der Corona-Pandemie etwas gestiegen, aber seither nahezu konstant geblieben.
Die Symptome und Erkrankungen, mit denen Menschen sich an die Sozialpsychiatrischen Fachstellen wenden, sind vielfältig. Rund 50 Prozent weisen eine Depression auf, 16 Prozent Traumafolgestörungen und zwölf Prozent eine Psychose. Auch diese Anteile sind in den vergangenen Jahren ungefähr konstant geblieben. Für die Betroffenen gibt es verschiedene Angebote, darunter eine monatliche Selbsthilfegruppe für Menschen mit Traumafolgen.
Die Biografien der Teilnehmenden seien unterschiedlich, berichtet Olivia Kirchner. Einige haben in der Kindheit Gewalt und/oder Vernachlässigung erlebt, andere schwere Unfälle oder Naturkatastrophen. Im geschützten Raum können sie sich mit anderen austauschen und lernen, mit Symptomen wie Flashbacks - dem plötzlichen Wiedererleben traumatischer Erlebnisse - umzugehen. Auch hier gilt: Die Gruppe ersetzt keine Traumatherapie - sie soll vor allem zur Stabilisierung und Selbstfürsorge dienen.
Doch das Angebot der Sozialpsychiatrischen Dienste reicht über Beratungsstunden und Gruppensitzungen hinaus. So organisiert die Einrichtung für ihre Klienten Ausflüge, Wanderungen, Filmabende, gemeinsames Kochen oder eine Kreativwerkstatt. Als Besonderheit gibt es unter dem Titel „Kids Time” einmal im Monat stattfindende Workshops, die sich an Kinder psychisch erkrankter Eltern und ihre Familien richten. „Jeder Workshop steht unter einem Motto, wie zum Beispiel: Umgang mit Ängsten”, erzählt Olivia Kirchner. Während die Eltern sich in Gesprächsrunden untereinander und mit Fachkräften austauschen können, dürfen die Kinder einen Film zu dem Thema drehen. Am Ende des Tages schauen sich alle gemeinsam den Film an und essen Pizza. Aktuell nehmen zehn Familien an der „Kids Time” teil.
Sozialpsychiatrische Dienste Bogenhausen / Region Nord-Ost
Denninger Straße 225
81927 München
Tel. 089/932003
Telefonzeiten:
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