Wer im vergangenen Sommer an einem richtig heißen Tag im Hermannsdorfer was einkaufen, im Riviera ein Eis essen oder was in der Post abgeben wollte, der weiß ein Lied davon zu singen: Viel Schatten gibt es nicht am Harras, und am frühen Nachmittag kann es bei über 30 Grad im Schatten ganz ordentlich runterbrennen. Sich dann auf eine der Holzbänke zu setzen, ist dann eher etwas für ausgewachsene Masochisten.
Das möchte die SPD-Fraktion im Sendlinger Bezirksausschuss (BA6) ändern. Und reichte auf der jüngsten Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt 5.4.2 eine „modulare Verschattung für den Harras” ein. Konkret soll das Baureferat und das Referat für Klima- und Umweltschutz aufgefordert werden, „ein Pilotprojekt für mobile, oberirdisch verankerte Verschattungselemente mit Moosmodulen umzusetzen.”
„Der Harras ist einer der zentralsten, aber auch am stärksten hitzebelasteten Orte Sendlings”, begründet Dilek Bilenler den Antrag ihrer Fraktion. Aufgrund der weitläufigen Unterbauung durch die U-Bahn-Linie und zahlreicher Versorgungsleitungen seien klassische Baumpflanzungen auf weiten Teilen der Platzfläche technisch nicht realisierbar. Das Ergebnis sei „eine massive Hitzeinsel-Bildung”. Mit modulare Pergolen mit Sitzflächen oder beschwerten Sonnensegel-Systemen könne man relativ kostengünstig und baulich einfach den Platz zu einem „sicheren, kühlen Aufenthaltsort” machen.
Dagmar Irlinger von den Grünen unterstützt den Antrag, könnte sich auch Wasserbänke auf dem Platz vorstellen. Michael Kaiser (CSU) betont dagegen, dass der Harras als Multifunktionsplatz konzipiert sei, auf dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Und es existierten einige Einfahrten zu den Häusern, daher „möchte ich den Platz ungern weiter einschränken”.
Allein: Die gegenwärtige Gestaltung des 2013 erheblich umgestalteten Harras ist durch das Urheberrecht des Architekten vor Veränderungen geschützt. Darauf verwies auch Rene Kaiser von den FDP und betonte, dass der Umbau ja auch nach einer Bürgerbeteiligung entstanden sei. Also so gewollt gewesen sei.
Manuela Olhausen, im Frühsommer 2025 von der CSU zu den Freien Wählern gewechselt, verwies darauf, dass der Bezirksausschuss schon viel versucht habe in dieser Angelegenheit. Trotzdem würde mit mehr Schatten und einer Bepflanzung die Aufenthaltsqualität deutlich steigen, gerade wenn die Bepflanzung „als Abgrenzung und Schutz vor dem Verkehr” angelegt werde. „Wir sollten es versuchen”, so Olhausen.
Mehrheitlich unterstützen die BA-Mitglieder den Antrag, in dem das Baureferat explizit aufgefordert wird, die Architekten miteinzubeziehen.