Zwischen Dachauerstraße und Görresstraße, also fast auf ihrer gesamten Länge, wird die Augustenstraße umgestaltet. Begonnen wurde mit dem Abschnitt zwischen der Gabelsberger- und der Theresienstraße. Ende nächsten Jahres soll das gesamte Projekt fertiggestellt sein; Restarbeiten können sich noch bis ins Frühjahr 2028 hinziehen. Ziele der umfangreichen Arbeiten sind laut Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Mobilitätsreferent Georg Dunkel erläutert die Maßnahmen: „Künftig wird es genug Platz zum Flanieren, dem entspannten Einkaufen und Verweilen unter neu gepflanzten Bäumen und auf den vielen zusätzlichen attraktiven Sitzgelegenheiten geben. Auch größere Freischankflächen können künftig Platz finden. Der Verkehr auf der Fahrbahn fließt dank baulicher Maßnahmen künftig langsamer, sodass auch der Radverkehr dort sicher unterwegs sein kann. Der Lieferverkehr bekommt zahlreiche neue Lieferzonen und kann künftig geordnet stattfinden.“
Nicht bei allen kommen diese Maßnahmen gut an: Die von den Münchner Wochenanzeiger befragten Geschäftsleute und Passanten sind geteilter Meinung. Begeistert zeigt sich Blumenladeninhaber Lucas Urban: „Die Stadt gehört den Menschen, nicht den Autos”, sagt er. Besonders begrüßt er, dass die Radfahrer künftig auf der Straße fahren müssen, denn die Situation bisher sei „schlimm”, besonders, wenn Radler überholten. Für sein Geschäft, das er seit zehn Jahren an der Augustenstraße führt, verspricht er sich durch den Umbau Vorteile. Auch Erich Lies, Inhaber einer Weinhandlung, sieht die Verlagerung des Radverkehrs auf die Straße und die Verbreiterung der Gehwege positiv, vor allem für die Gastronomen. Delwar Uddin, der in einer Bäckerei verkauft, findet, die Straße „wird freier und schöner” und die Umgestaltung werde auch für Kinder ein Pluspunkt sein. Bäume und Sitzplätze könnten allerdings auch dazu verleiten, dass abends dort länger getrunken werde.
Der damit verbundene mögliche Lärm ist jedoch nicht der einzige Kritikpunkt, der am Umbau laut wurde. Peter Büscher führt in dritter Generation ein Koffergeschäft an der Augustenstraße und „kämpft seit zwei Jahren” gegen den Umbau. „Die Augustenstraße dient der Versorgung der Maxvorstadt und Schwabings und ist keine Flanierzone”, sagt er. Der Umbau sei vor allem auch für alte Menschen schlecht. Es sei beispielsweise kein einziger Behindertenparkplatz geplant. Darüber hinaus würden alle Parkplätze gestrichen. Das werde „der Tod der Straße werden”, prophezeite er. Besonders die Situation mit Lieferfahrzeugen kritisiert er. Kein Lkw werde mehr Platz haben; es sei auch jetzt schon eng. Wenn dazu noch die Fahrräder auf der Straße fahren, werde dies zu einem Chaos führen. „Wenn da was passiert, dann soll man die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen”, fordert er.
Der Bund der Münchner Bürgerinitiativen hat zusammen mit der Bürgerinitiative Liebe zur Augustenstraße, deren Sprecher Peter Büscher ist, eine Umfrage durchgeführt. 95 Prozent der darin befragten Betriebe lehnen den Umbau ab. „Die Befragung hat ergeben, dass es für viele Läden das Aus bedeuten wird und eine gewachsene Struktur – insbesondere der Abschnitt Gabelsberger- / Theresienstraße - einer Ideologie zum Opfer fällt”, so Büscher. „Wir haben hier eine Versorgungsstraße, die, wie der Name schon sagt, der Versorgung dient. Dafür hatte man auch die Kurzparkzonen geschaffen: Hier wird das Auto benötigt und es führt zu keinen Problemen. Wir sind 66 Jahre in dieser Straße – und es gibt nachweislich keine Unfallauffälligkeiten.”
Im Einzelnen sieht der Umbau folgende Maßnahmen vor: Die bestehenden Radwege zwischen der Brienner und der Görresstraße werden entfernt; statt ihrer entstehen breitere Gehwege, mit einer Mindestbreite von vier Metern. Zusätzlich werden an den Kreuzungen Gabelsberger-, Steinheil, Rottmann-, Heß- und Zieblandstraße die Gehwegbereiche verbreitert. Dadurch sollen Fußgänger besser über die Straße kommen können. Die mit Ampeln ausgestatteten Kreuzungen erhalten spezielle Querungen für Menschen mit Mobilitäts- und Seheinschränkungen. Es handelt sich dabei um die Kreuzungen Brienner-, Gabelsberger- und Theresienstraße.
Die Fahrradfahrer sind nach dem Umbau auf der Fahrbahn zusammen mit den Autofahrern unterwegs. In Richtung Brienner- und Gabelsbergerstraße entstehen „aufgeweitete Radaufstellstreifen”, „von denen aus der Radverkehr vor dem Kfz-Verkehr gut sichtbar in alle Richtungen abbiegen kann”, so die Stadt. Fast entlang der ganzen Augustenstraße – zwischen der Brienner- und der Görresstraße – sind zudem 36 neue Sitzbänke geplant. Was die vorhandenen Bäume betrifft, so werden alle davon erhalten. Es kommen noch 17 neue, klimabeständige hinzu.