Der Mobilitätsausschuss des Stadtrats hat sich mit den Evaluationsergebnissen des Verkehrsversuchs mit Gelbmarkierung in der Martin-Luther-Straße befasst - und die Umsetzung einer kostengünstigeren Vorzugsvariante für Rad- und Fußwege beschlossen. Die Kosten von bis zu 1,3 Millionen Euro sollen aus der Nahmobilitätspauschale finanziert werden. Die Gelbmarkierung soll bis zur baulichen Umsetzung bestehen bleiben.
Seit der Einrichtung des Verkehrsversuchs im November 2023 steht in der Martin-Luther-Straße eine Fahrspur pro Richtung mit angrenzendem Radfahrstreifen zur Verfügung, der teilweise mit einer Sperrmarkierung von der Fahrbahn abgetrennt ist. Vor der Kreuzung am Giesinger Berg und in der Ichostraße sowie ab dem südlichen Ende der Martin-Luther-Straße erfolgen mittels Gelbmarkierung Fahrspurreduzierungen, um die geordnete Einfädelung in eine Fahrspur sicherzustellen.
„Zählungen an der Kreuzung im Oktober 2023 sowie im Juli 2025 zeigen, dass sich das Kfz-Aufkommen trotz der Spurreduzierung auf nahezu demselben Niveau befindet wie vor der Gelbmarkierung”, erläutert die Stadt München in der Rathaus Umschau. Trotz der verminderten Fahrspuren sei die Leistungsfähigkeit des Knotens weiterhin gegeben - der Verkehr weiche also nicht auf andere Strecken aus. Gleichzeitig habe hier laut Stadt der Radverkehr zugenommen: An zwei Zähltagen im Sommer 2025 waren trotz Regenwetters 18 beziehungsweise 27 Prozent mehr Radfahrende gegenüber einer Zählung aus der Zeit vor der Gelbmarkierung unterwegs.
Um die Qualität des Verkehrsflusses bewerten zu können, sind zudem Echtzeitverkehrsdaten ausgewertet worden. Dabei wurde auf der Strecke vom Kolumbusplatz zur Silberhornstraße eine Geschwindigkeitsreduzierung bei Kfz bis maximal 6 km/h festgestellt, was eine Fahrzeitverlängerung von 5 bis 15 Sekunden bedeutet. Diese Zeit wird seitens der Stadt als verträglich bewertet. Auch bei den im Umfeld verkehrenden Tram- und Buslinien seien keine signifikanten Fahrzeitveränderungen festgestellt worden. Eine Stellungnahme der Polizei zeige zudem, dass das Unfallgeschehen für den Kfz-Verkehr nach der Einrichtung der Gelbmarkierung auf ähnlichem Niveau geblieben ist. Unfälle mit Radfahrbeteiligung wurden nicht aufgenommen.
Angesichts dieser Zahlen und Erhebungen hat der Mobilitätsausschuss die dauerhafte Umgestaltung der Martin-Luther-Straße gemäß der neuen, kostengünstigeren Variante beschlossen. Dabei bleiben die Gehwege im Bestand erhalten, die Radwege werden auf beiden Seiten auf Fahrbahnniveau geführt. Die Abgrenzung zur Fahrbahn und zur Längsparkbucht erfolgt mittels baulicher Elemente. Mit dem Umbau soll eine Lücke des Münchner Radwegenetzes geschlossen werden.
Der Radweg wird nach Angaben der Stadt rund 2,15 Meter breit sein. Auf der Westseite wechseln sich zwischen Wirtstraße und Weinbauernstraße Längsparkplätze und Baumpflanzungen ab. Am Knoten Martin-Luther-/Wirt-/Tegernseer Landstraße ist die ursprünglich geplante Zweirichtungsradfurt über die Martin-Luther-Straße nur als Einrichtungsradfurt von Ost nach West möglich. Wenige Meter südlich davon ist eine Radfurt von West nach Ost ohnehin vorgesehen. Gleichzeitig soll zudem eine Deckensanierung durchgeführt werden.
Die Umbauarbeiten am direkt an die Martin-Luther-Straße anschließenden Giesinger Berg haben bereits Mitte März begonnen. Innerhalb eines Jahres werden hier bergauf getrennte Rad- und Fußwege entstehen. Wer an der Kreuzung Ichostraße/Silberhornstraße über die Straße muss, wird das künftig sicher und barrierefrei tun können.