München hat einen der teuersten Wohnungsmärkte Deutschlands. Gleichzeitig stehen zahlreiche Büroflächen leer: Laut einer Erhebung des Immobiliendienstleisters Colliers waren es 2023 rund 1,6 Millionen Quadratmeter. Besonders betroffen sind Bürostandorte außerhalb der Innenstadt, die für Unternehmen zunehmend weniger attraktiv sind. Könnten die leerstehenden Gebäude nicht einfach zu Wohnungen umgebaut werden?
Nach Einschätzung von Karin Schmid, Architektin, Stadtplanerin und Professorin an der Fakultät für Architektur der Hochschule München (HM), eignen sich dafür besonders ältere Bürogebäude, die ohnehin saniert werden müssen und sich nur schwer wieder vermieten lassen. Doch die größten Hürden sind derzeit wirtschaftlicher Natur. Viele Bürogebäude gehören Immobilienfonds, die ihre Gebäude noch mit hohen Werten in den Büchern führen. Da sich mit Wohnungen häufig weniger Mieteinnahmen erzielen lassen als mit Büros, müssten die Eigentümer bei einem Umbau möglicherweise einen Wertverlust hinnehmen.
Auch rechtliche Vorgaben und die Lage der Gebäude, etwa in Gewerbegebieten, können den Umbau erschweren. Gleichzeitig zeigen studentische Arbeiten der HM, dass sich selbst Bürogebäude mit ungünstigen Grundrissen in Wohnungen umwandeln lassen. Solche Projekte könnten nach Einschätzung von Schmid nicht nur neuen Wohnraum schaffen, sondern ganze Viertel aufwerten.
Konkrete Planungen gibt es bereits für die „Ten Towers” in Berg am Laim: Der frühere Sitz der Hauptverwaltung der Deutschen Telekom AG für Bayern soll in ein gemischt genutztes Quartier mit Büros, einem Hotel sowie Wohnmöglichkeiten für Studierende und Auszubildende umgewandelt werden.