Fünf Jahre sind eine verdammt lange Zeit – erst recht, wenn man sie im Tierheim verbringt. Für Amstaff-Mix Otto gehörten Zwinger, Gassirunden und seine vertrauten Tierpflegerinnen und Tierpfleger mehr als sein halbes Leben lang zum Alltag. Dabei erwies sich der heute neunjährige Rüde im Tierheim München als absolutes Goldstück. Trotzdem schien ein eigenes Zuhause lange in weiter Ferne.
Otto brachte gleich mehrere Vermittlungshürden mit. Als American-Staffordshire-Terrier-Mischling zählt er in Bayern zu den sogenannten Listenhunden der Kategorie 1 und darf hier grundsätzlich nicht gehalten werden. Ein neues Zuhause musste deshalb außerhalb des Freistaats gefunden werden. Hinzu kamen gesundheitliche Vorerkrankungen und Schwierigkeiten bei Begegnungen mit anderen Hunden. Und mit zunehmendem Alter wurden seine Vermittlungschancen nicht gerade größer.
Doch aufgegeben wurde Otto nie. Immer wieder wurde er vorgestellt und auf die Suche nach den Menschen geschickt, die nicht nur seine Baustellen, sondern vor allem seinen wunderbaren Charakter sehen. Schließlich brachte ausgerechnet ein neues Video in den sozialen Medien die Wende: Plötzlich erreichten das Tierheim mehrere vielversprechende Anfragen.
Im Mai war es dann tatsächlich so weit. Nach fünf langen Jahren durfte Otto seine Sachen packen und das Tierheim endgültig hinter sich lassen. Heute lebt er außerhalb Bayerns in einem Haus mit Garten – und als wäre das nicht schon schön genug, hat er dort sogar eine Hundefreundin an seiner Seite. Die ersten Bilder aus seinem neuen Zuhause zeigen einen entspannten, zufriedenen Otto, der offenbar längst angekommen ist.
Seine Geschichte macht auch den Tierheimmitarbeiterinnen und -mitarbeitern Mut. Denn im Tierheim warten immer wieder Tiere, die aufgrund ihres Alters, gesundheitlicher Probleme, ihrer Vorgeschichte oder besonderer Anforderungen kaum Interessentinnen und Interessenten finden. Manche verbringen Monate oder sogar Jahre hier.
Otto zeigt, dass sich das Warten trotzdem lohnen kann. Manchmal braucht es einfach den richtigen Menschen zur richtigen Zeit und jemanden, der bereit ist, einem Tier mit Vergangenheit eine Zukunft zu schenken. „Nun drücken wir die Daumen, dass auch unsere anderen Dauersitzer irgendwann ihre ganz persönliche Erfolgsgeschichte schreiben dürfen”, verlautet aus dem Tierheim.