Unter dem Titel „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig” ist ein außergewöhnliches Figurentheaterstück zur „Euthanasie” am Donnerstag, 28. Mai, um 19 Uhr im Kleinen Theater Haar (Casinostraße 6) zu sehen.
Während der NS-Diktatur wurden mehr als 300.000 Menschen Opfer der sogenannten „Euthanasie”: Männer, Frauen und Kinder wurden in Tötungsanstalten ermordet, zu Tode gehungert oder durch Medikamente getötet. Aus Sicht der Nationalsozialisten waren diese Menschen „erbbiologisch und sozial minderwertig” und daher nicht lebenswert.
Beispielhaft erzählt der vielfach ausgezeichnete Autor und Puppenspieler Nikolaus Habjan in dem Figurentheaterstück „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig” die reale Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel nach, der das „Kinder-Euthanasie-Programm” der Nationalsozialisten in Wien überlebte und als Erwachsener seinem damaligen Arzt und Peiniger wieder begegnete. In langen Gesprächen entwickelten und erarbeiteten Zawrel und Habjan gemeinsam das beeindruckende Stück. Bislang gab es 672 Aufführungen - somit ist es eines der am häufigsten gespielten Werke Habjans überhaupt.
Im Mittelpunkt des Figurentheaterstücks steht die Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel: eine Kindheit in Armut und Heimen, die Verfolgung in der nationalsozialistischen „Kinderfachabteilung” am Spiegelgrund sowie ein langer Kampf um Anerkennung, Erinnerung und juristische Aufarbeitung. Nikolaus Habjan und Simon Meusburger verdichten die Biografie Zawrels zu einem eindringlichen Theaterabend, der historische Gewalt und ihre Nachwirkungen über die individuelle Lebensgeschichte erfahrbar macht.
Die Vorläuferinstitution des kbo-Isar-Amper-Klinikums in Haar - die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar - war ein zentraler Tatort der „Euthanasie”: Patienten wurden von hier aus in Tötungsanstalten deportiert und dort ermordet. Die Ärzte und Pfleger der Klinik in Haar wussten genau darüber Bescheid. Insgesamt beklagt das Klinikum annähernd 4.000 Opfer.
Die Aufführung, die das Kleine Theater Haar in Kooperation mit dem kbo-Isar-Amper-Klinikum und dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie zeigt, steht im Kontext der Erinnerungsarbeit: der Auseinandersetzung mit der Geschichte von Psychiatrie und Forschung im Nationalsozialismus, mit institutioneller Verantwortung sowie mit einem würdigen Gedenken an die Opfer. Karten ab 33 Euro gibt es im Internet unter kleinestheaterhaar.de.