Im Januar wurde der Kirchplatz zum Symbol für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gelebte Demokratie: Rund 200 Menschen folgten dem kurzfristigen Aufruf des Vereins gemeinsam.demokratisch.bunt e.V. und setzten mit einem Lichtermeer ein eindrucksvolles Zeichen für Mitmenschlichkeit und gegen demokratiefeindliche Strömungen.
„Ich bin erst 15. Als ich in der Grundschule war – da kam Fridays for future gerade so auf. Ich fand das spannend, wollte Teil dieser Bewegung sein – und hatte die Hoffnung, dass die Regierung etwas unternimmt.“ So begann Schülersprecher Tamino aus Gilching seine Rede. „Und wie ist es heute? Jetzt stehen wir hier – und fordern die Basics, die Grundwerte unserer Demokratie.“ Sicher, es geht auch immer noch um den Planeten, Klimaschutz bleibt drängend. Aber dazu ist jetzt eine andere Gefahr gekommen. Wie soll die Gesellschaft aussehen, die wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen?
Der Verein gemeinsam.demokratisch.bunt e.V. steht für Vielfalt und den Schutz von Minderheiten. Dazu sagt Vereinsgründerin Christian Krinner „Unser Name ist Programm: Wir engagieren uns aktiv für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Verteidigung unserer Demokratie. Ziel ist es, demokratiefeindlichen Parteien und Organisationen entgegenzutreten und die bunte Vielfalt unserer Gesellschaft zu stärken. Ziel ist auch der Schutz von Minderheiten.“
Deshalb lag ein Schwerpunkt der Veranstaltung auf dem Beitrag der Initiative @bring.osayande.back. Die Abschiebung der alleinstehenden Imuetynian Osayande mit ihren zwei minderjährigen Kindern sorgt immer noch für Entsetzen. Und die Nachrichten aus Nigeria sind alles andere als gut. Sinnloses Leid? Eine Frau, die dem Menschenhandel entkommen ist und bei uns ein ruhiges und voll angepasstes Leben führt, findet keinen Schutz mehr. Kinder, in Europa geboren, die hier integriert sind, sich in der Schule anstrengen, sich bei uns ein Leben aufbauen wollen, werden in ein Land verfrachtet, das sie nicht kennen, in dem sie der Boko Haram ausgeliefert sind. „Warum? Um die Abschiebequoten zu erfüllen“, sagt dazu Karin Busch von der Berger Initiative. „Aber eines müssen wir uns immer vor Augen halten: Die Quote, das sind nicht nur Zahlen. Das sind Schicksale.“
Es stehe sinnbildlich für eine Politik, die viele Menschen so nicht mehr mittragen wollen. Dazu meint Verena Machnik, grüne Gemeinderätin in Berg: „Genau deshalb sind wir heute hier zusammengekommen. Weil wir nicht akzeptieren, dass die Grenzen durch den vermeintlichen Druck einer rechtsextremen Partei immer weiter verschoben werden. Weil wir unsere Demokratie verteidigen. Und weil wir wieder daran erinnern werden, dass sie Achtung der Menschenwürde der oberste Grundsatz dieser Demokratie ist.“ Damit hat sie – über alle Parteigrenzen hinweg – den Anwesenden aus der Seele gesprochen.