Veröffentlicht am 07.03.2026 06:00

100 Jahre Obst- und Gartenbauverein Hartmannshofen

Thomas Nickl, Erster Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Hartmannshofen, wird auch diesen Herbst wieder die 100-jährige Presse in Gang setzen.  (Foto: Thomas Nickl)
Thomas Nickl, Erster Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Hartmannshofen, wird auch diesen Herbst wieder die 100-jährige Presse in Gang setzen. (Foto: Thomas Nickl)
Thomas Nickl, Erster Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Hartmannshofen, wird auch diesen Herbst wieder die 100-jährige Presse in Gang setzen. (Foto: Thomas Nickl)
Thomas Nickl, Erster Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Hartmannshofen, wird auch diesen Herbst wieder die 100-jährige Presse in Gang setzen. (Foto: Thomas Nickl)
Thomas Nickl, Erster Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Hartmannshofen, wird auch diesen Herbst wieder die 100-jährige Presse in Gang setzen. (Foto: Thomas Nickl)

Manchmal macht die Hydraulik ein paar Probleme. Doch bei einer 100-Jährigen sieht man schon mal über ein paar Zipperlein hinweg. Denn ansonsten läuft sie noch immer einwandfrei – genauso wie damals, als sie zum ersten Mal Früchte für den Obst- und Gartenbauverein in der Fasanerie Hartmannshofen gepresst hat. Bis heute rückt sie noch jeden Herbst den Früchten der Besucher zu Leibe und drückt leckeren Obstsaft aus ihnen heraus. Ihren Geburtstag feiert die historische Obstpresse gemeinsam mit dem Verein. Er wird heuer 100 Jahre alt!
Seinen Mitgliedern bietet der Verein neben der großen Feier, die im Juni stattfinden wird, noch eine Menge andere nützliche und unterhaltsame Dinge. So findet am Samstag, 14. März, wieder ein Obstbaumschnittkurs statt. Denn wer im Herbst schöne große Äpfel, Birnen und andere Früchte ernten will, sollte seinen Bäumen von Zeit zu Zeit durch den richtigen Schnitt auf die Sprünge helfen. Wie man dabei fachmännisch vorgeht, erfahren Mitglieder, aber auch jeder andere Gartenfreund, beim Kurs, der um 14 Uhr beginnt und zwei Stunden dauert. Treffpunkt ist im westlichen Teil der großen Wiese an der Hartmannshofer Straße zwischen Reinolt- und Lauterbachstraße. Wer an dem Schnittkurs teilnehmen möchte, meldet sich beim Schriftführer Bernhard Piller per E-Mail an die Adresse info@vsp.de oder unter Telefon 089 5156 27 70 an. Wenn vorhanden, darf gerne eigenes Baumschnittwerkzeug, zum Beispiel eine gute Schneideschere, zum Kurs mitgebracht werden, denn jeder darf sich selbst betätigen.
Die herbstlichen Obstpressungen führt der Obst- und Gartenbauverein Hartmannshofen übrigens seit den 1930er-Jahren durch – zunächst mit einer kleineren Presse. Die jetzige 100-Jährige wurde 1957 gebraucht gekauft.

Baum Nummer 13 ist besonders

Die Streuobstwiese wurde 2009 auf dem von der staatliche Schlösser- und Seen-Verwaltung zur Verfügung gestellten Grundstück im Hartmannshofer Park angelegt. Ein Jahr später pflanzte der Verein dort in ehrenamtlicher Arbeit insgesamt zwölf von Mitgliedern gespendete Hochstamm-Apfelbäume. Weil zwölf aber nicht genug sind, gibt es noch einen – ganz besonderen – 13. Baum: Er ist ein sogenannter Korbinian-Apfel, benannt nach Pfarrer Korbinian Aigner. Der Geistliche (1885 - 1966) hatte während seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau aus einer Sämlingsauslese eine neue Apfelsorte gezüchtet, die zunächst den Namen KZ 3 erhalten hat. Zum 100. Geburtstag des Pfarrers im Jahr 1985 wurde zu seinen Ehren die Apfelsorte in „Korbinian-Apfel” umbenannt. Mit diesem Baum will der Verein an Pfarrer Aigner, der der „Braunen Macht” widersprach, erinnern und ihn würdigen. Vereinsvorstand Nickl weist darauf hin, dass inzwischen von den insgesamt 13 Bäumen einer eingegangen ist. Deshalb sind es heute wieder nur zwölf Bäume, die auf der Streuobstwiese stehen.

Geselligkeit und Austausch beim Stammtisch

Auch die Geselligkeit hat beim Obst- und Gartenbauverein Hartmannshofen ihren Platz. Wer Lust hat, kommt am letzten Freitag eines Monats zum Gartler-Stammtisch, der elf Mal im Jahr stattfindet; nur im Dezember macht er Pause. Man trifft sich um 18.00 Uhr in der Gaststätte Lechelgarten (Lechelstraße 35). Neue Gesichter sind dabei immer willkommen.

Mitglied sein lohnt

Wer sich entschließt, dem Obst- und Gartenbauverein Hartmannshofen beizutreten, kann von vielen Vorteilen profitieren. Neben Rat und Hilfe bei allen Themen rund um die Pflege von Obstbäumen, Gemüse- und Zierplanzen ist auch viel Gelegenheit zum Austausch mit anderen Interessieren geboten. Mitglied werden können neben Gartenfreunden aus Untermenzing-Hartmannshofen, Moosach und den angrenzenden Vierteln auch alle anderen Interessierten. Unter der Adresse www.ogv-hartmannshofen.de/ erfährt man alles Weitere.

    Beginn in der schlechten Zeit

    Die Fasanerie Hartmannshofen liegt an der Grenze zwischen Moosach, Untermenzing und Obermenzing. Das Areal wurde 1920 vom Freistaat Bayern zur Bebauung und Erstellung einer Kleinhaus-Wohnanlage im Erbbaurecht freigegeben. In der damaligen schlechten Zeit war es für viele Leute ein Glück, ein günstiges Grundstück zu erhalten, auf dem sie ein Haus errichten und eigene Lebensmittel erzeugen konnten. So entstanden in Eigenregie und Nachbarschaftshilfe 1925/26 zunächst etwa 30 Häuser mit großen Selbstversorger-Gärten und Kleintierstallungen.
    Um sich bei der Bewirtschaftung gegenseitig zu unterstützen, beschlossen die Neusiedler, einen Gartenbauverein zu gründen. Der damalige Bezirks- und der Landesverband für Gartenbau in München war dabei mit Ratschlägen und Fachliteratur behilflich. Im September 1926 gründeten Georg Gerlinger, Michael Hammerl senior, Johann Miller und Franz Reithmeier offiziell den „Gartenbauverein Hartmannshofen und Umgebung.” Rund zehn Jahre später, am 19. Mai 1936, wurde der Verein ins Vereinsregister des Amtsgerichts eingetragen. Den ersten Vorstand bildeten Georg Gerlinger als erster Vorsitzender und Hans Zitzelsberger als sein Stellvertreter.

    Im Jahr 1955 änderte man den Vereinsnamen in „Obst- und Gartenbauverein Hartmannshofen” um. 1960 musste die Vereinssatzung neu gefasst werden. Unter der Vorstandschaft von Georg Gerlinger, Josef Eicher und Carl Eiermann erfolgte am 5. April 1960 die Eintragung ins Vereinsregister. Georg Gerlinger verstarb 1962 überraschend. Er war dem Verein ohne Unterbrechung 36 Jahre vorgestanden. Sein Nachfolger wurde Josef Ernst.
    Nach mehreren folgenden Vorstandswechseln wurde 1990 Johann Liebhard Erster und Engelbert Negele Zweiter Vorsitzender. In den Jahren 2002/03 wurde die Vereinssatzung abermals überarbeitet. Mit Datum vom 17. November 2003 genehmigte das Amtsgericht die neue Fassung. Vom Finanzamt wurde der Verein ab 2004 als „gemeinnützig” anerkannt. Johann Liebhard kandidierte bei der anstehenden Neuwahl 2011 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, Christa Fahmüller-Klose trat seine Nachfolge an. 2019 gab sie den Vorsitz an Thomas Nickl ab.

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