Als das Jugendzentrum in Starnberg vor 50 Jahren entstand, waren Jochen Ebner und Christl Rauner von Beginn an dabei: Ebner als Mitglied des Arbeitskreises, Rauner als regelmäßige Besucherin. Ebner kam über sein Engagement bei den Naturfreunden zur Jugendarbeit und fand schnell Zugang, da ihm die Arbeit mit jungen Menschen vertraut war. Rauner suchte vor allem einen geschützten Raum für Jugendliche, den es bis dahin in Starnberg nicht gab.
Das Jugendzentrum befand sich damals in dem alten FT-Gebäude, gebraucht, improvisiert, aber voller Möglichkeiten. Einige Zimmer, darunter eine kleine Küche, ein Billardraum, eine „Turnhalle” für Musik und Partys sowie das Zimmer des ersten Leiters, bildeten die Grundausstattung. Die Stadt Starnberg unterstützte organisatorisch, ansonsten war die Struktur überschaubar und geprägt vom Engagement der Beteiligten. Der Alltag im Jugendzentrum war lebendig und spontan. Verschiedene Cliquen prägten das Haus: Schafkopfspieler, Tischtennisspieler, Musikliebhaber und Selbsterfahrungsgruppen, die sich beispielsweise mit Themen wie Traum- oder Sterndeutung beschäftigten. Besonders beliebt waren Partys und Konzerte, die das Zentrum rasch zu einem Anziehungspunkt machten. Für viele Jugendliche war es ein Ort, an dem Freizeit, Austausch und Gemeinschaft selbstverständlich wurden. Konflikte wurden meist direkt angesprochen, oft im Gespräch zwischen Jugendlichen und Leitung.
Wichtige Bezugspersonen waren die beiden ersten Leiter: Klaus Peter Stohl und Klaus Peter Lappan. Gerade die intensiven Gespräche, besonders mit Lappan, beschrieben Ebner und Rauner als prägend. Rauner erinnert sich besonders gern an die Demokratiegespräche mit dem zweiten Leiter, die sie bis heute beeinflussen. Momente wie das Eröffnungskonzert oder gemeinsame Projekte mit lokalen Betrieben blieben ihnen besonders in Erinnerung. Beide blicken dankbar auf diese Zeit zurück. Ebner spricht davon, dass ihn die Pionierphase „Flügel” verlieh und sein Selbstbewusstsein nachhaltig stärkte, während Rauner vor allem Selbstbewusstsein, demokratisches Denken und wichtige Lebenserfahrungen mitnahm, wie die Einsicht, dass Selbstwert nicht von äußeren Einflüssen abhängig ist.
Zum 50-jährigen Jubiläum freuen sich beide auf ein großes Wiedersehen, auf Geschichten, alte Weggefährten und die Erinnerung daran, wie alles begann. Mit Blick auf die heutige Jugendarbeit wünschen sie sich, dass junge Menschen wieder stärker mitgestalten dürfen. Denn ihrer Meinung nach lebt Jugendarbeit von genau dem: eigenen Erfahrungen, Freiräumen und dem Mut, Neues auszuprobieren, genauso wie damals. Der Rückblick zeigt, dass die Jugendarbeit in Starnberg von Beginn an ein Ort des Ausprobierens, des Miteinanders und der Freiheit war. Und sie bleibt bis heute ein wichtiger Bestandteil des städtischen Lebens.