Seit Anfang September wurde ein automatisierter E-Bus auf der Buslinie 178 erprobt. Nun beginnt die nächste entscheidende Phase im Projekt MINGA („Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons”): der Betrieb mit Testnutzern. Ab Dienstag, 17. November, können die Bürger erstmals im autonomen Bus zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl mitfahren. Die Fahrten finden montags bis freitags statt. MAN Truck & Bus, die Stadtwerke München (SWM) mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) laden gemeinsam mit dem Mobilitätsreferat dazu ein.
Bereits mehr als 2.000 Voranmeldungen für eine Mitfahrt sind eingegangen. Bis Juni 2027 soll der Betrieb mit Testnutzern laufen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord des 12 Meter langen MAN Lion's City 12 E. Die Sicherheitsfahrer können die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen. „Mit den ersten Testfahrten können Fahrgäste unsere Technologie nun im Alltag erleben. Die jetzt gewonnenen Erfahrungen aus dem MINGA-Projekt fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen und weitere Anwendungen ein”, erklärt Frederik Zohm, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei MAN Truck & Bus.
„Wir freuen uns, dass die Münchner Bürger nun die Gelegenheit haben, aktiv an der Weiterentwicklung unseres autonomen Bus-Services mitwirken können. Das Feedback der Fahrgäste ist für uns von großer Bedeutung, um die Technologie noch besser auf die Bedürfnisse der Nutzer abzustimmen und den öffentlichen Nahverkehr in München zukunftsfähig zu gestalten”, sagt Georg Dunkel, Mobilitätsreferent der Stadt. Und Bürgermeisterin Mona Fuchs erklärt: „Zukünftig eröffnen autonome Busse neue Möglichkeiten für den öffentlichen Nahverkehr in München. Wir erleben gerade Zeiten, in denen Personalmangel und die angespannte Haushaltslage den tagtäglichen Betrieb unter Druck setzen. Dass wir als eine der ersten deutschen Städte eine solche Zukunftstechnologie erproben, ist ein starkes Signal für den Innovationsstandort München. Besonders wichtig ist mir, dass im Projekt MINGA die Barrierefreiheit nicht zu kurz kommt und die Fahrgäste selbst einbezogen werden: Ihre Erfahrungen und ihr Sicherheitsempfinden sind entscheidend dafür, dass sich diese Technologie im Alltag durchsetzt.”
Der Testbus ist ausgestattet mit fünf LIDAR-Sensoren, die mit Laser Abstände messen, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung. Damit wurden seit Beginn des Testbetriebs auf der Linie 178 umfangreiche Streckendaten erfasst, auf deren Grundlage der Bus nun die Strecke eigenständig befahren kann. „Das Fahrzeug lenkt dabei unter anderem selbst, gibt Gas, bremst und blinkt. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN.
Das Forschungsvorhaben MINGA wird seit 2023 betrieben. Es bündelt die Kompetenz von insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Gefördert wird das Projekt bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger begründet dies wie folgt: „Autonomes Fahren kann zu einem leistungsfähigen Nahverkehr beitragen. Deshalb unterstützen wir als Bundesverkehrsministerium innovative Projekte – wie MINGA.”
Wer gerne auf der Linie 178 mit dem Testbus mitfahren möchte, kann sich unter mvg.de/minga-anmeldung registrieren, und wird dann in einem Interessentenpool aufgenommen. Weitere Informationen werden dann per E-Mail versendet. Der autonome E-Bus bietet rund 30 Sitzplätze sowie einen Rollstuhlplatz. Er wird als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie 178 eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. Die Linie ist dafür besonders gut geeignet, da sie unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebiete und Unterführungen vereint und damit das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut abbildet. Die Mitfahrt der Testnutzer erfolgt im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe.