Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern, wenn es ums Wohnen geht: „Etliche der rund 1.920 Azubis im Landkreis Starnberg wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten”, sagt Harald Wulf von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Das Wohnen werde gerade auch für Azubis mehr und mehr zum Problem. Das zeigt, so die IG BAU Oberbayern, der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor” vom Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.
„Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können”, so Harald Wulf. Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Oberbayern warnt: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben.”
Deshalb sollten der Bund und der Freistaat Bayern den Neubau von Azubi-Wohnungen unterstützen - vor allem im Umfeld von Ausbildungszentren. Harald Wulf spricht sich dabei auch für Steueranreize aus, wenn ein Betrieb dafür sorgt, dass seine Auszubildenden ein Dach über dem Kopf bekommen. Probleme auf dem Wohnungsmarkt hätten auch Studierende. „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben”, so Wulf.
Darüber hinaus warnt die IG BAU Oberbayern vor „Wohnarmut im Alter”. Sie hat dabei die geburtenstarken Jahrgänge im Blick: rund 18.800 Baby-Boomer im Landkreis Starnberg, die nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 komplett in Rente sein werden. „Viele der Baby-Boomer im Kreis Starnberg bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet. Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm”, sagt Harald Wulf.
Ein wichtiger Schritt seien mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden”, so Harald Wulf.