Veröffentlicht am 19.08.2026 12:20

Liebesbetrug im Internet: Neue Selbsthilfegruppe

In München wurde eine neue Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige von Liebesbetrug im Internet gegründet.
Als Love Scamming wird eine Form des Internetbetrugs bezeichnet, bei der auf Sozialen Medien und Singlebörsen gefälschte Profile in betrügerischer Absicht benutzt werden, um gezielt Interesse am Aufbau einer persönlichen Beziehung vorzutäuschen. Über einen langen Zeitraum hinweg werden die Opfer umschmeichelt um Vertrauen aufzubauen. Echte Treffen werden immer wieder aufs Neue hinausgezögert und kommen meist nicht zustande. Das Ziel der Betrügerinnen und Bürger ist es, die emotionale Bindung zu den Betroffenen so weit zu festigen, dass diese bereit sind für eine vorgetäuschte Notlage Geld zu überweisen. Die emotionale Bindung ist oft so stark, dass selbst Warnungen von Freunden oder Familienmitgliedern nicht gehört werden.
In der neuen Selbsthilfegruppe können sich Menschen, die Love-Scamming erlebt haben, in einem geschützen Rahmen austauschen, stärken und das Geschehene gemeinsam verarbeiten. Die Gruppe besteht momentan sowohl aus Betroffenen wie auch aus Angehörigen, die Gruppentreffen finden einmal monatlich statt.

„Leere und Scham waren unendlich groß”

Wie schutzlos und ausgeliefert man sich fühlen kann, wenn der Liebesbetrug letztendlich auffliegt und nach erbrachter finanzieller Leistung der Kontakt abgebrochen wird, beschreibt ein Gruppenmitglied eindrücklich: „Ich bin dem Love Scammer in einer für mich persönlich sehr schwierigen Zeit begegnet und er vermittelte mir zuerst große Stabilität, Zuverlässigkeit und Unterstützung. Die emotionale Bindung war fatal und ich distanzierte mich immer mehr von Freunden und Familie. Die Leere und die Scham waren unendlich groß, als der Schwindel herauskam.”

Die Gruppengründerin ist eine Mutter, deren Tochter einem Love Scammer zum Opfer gefallen war. Nach dieser emotionalen Ausnahmesituation und um den Gefühlen der Hilflosigkeit und Ohnmacht etwas entgegenzusetzen gründete sie die Gruppe: „Diese Betrüger gehen sehr geschickt vor und schüren Angst. Ich habe die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, um Betroffenen und Angehörigen einen sicheren Raum für Austausch zu bieten, in dem offen über die vielen Emotionen, die Enttäuschungen und die Scham geredet werden kann.”

Die Beratungsstelle

Die Beratungs- und Vermittlungsstelle des Selbsthilfezentrums München (Westendstr. 68) berät Menschen bei unterschiedlichen Themen und Problemlagen. Darüber hinaus unterstützt und berät das Selbsthilfezentrum bei Gruppengründungen und bietet diverse Leistungen zur Unterstützung ehrenamtlichen Engagements an. Betroffene können sich an die Beratungs- und Vermittlungsstelle des Selbsthilfezentrums unter Tel. 089/53 29 56-11oder per Mail an info@shz-muenchen.de wenden. Geöffnet ist montags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie dienstags und mittwochs von 10 bis 13 Uhr.

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